Die Hochtief-Aktie konnte das Hoch von rund 550 € im Mai nicht halten und korrigierte anschließend deutlich. Am Freitag notiert sie aktuell bei etwa 426 €. Übergeordnet befindet sich die Aktie jedoch seit Mitte 2025 in einem nachhaltigen Aufwärtstrend. Damit stellt sich die Frage: Bietet der Rückgang wieder attraktive Einstiegschancen?
Zweistelliges Wachstum erzielt
Nach dem guten Auftaktquartal setzte sich der positive Trend auch im zweiten Quartal fort. Der Halbjahresbericht ist von einem zweistelligen Wachstum geprägt.
Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 10% auf 20,1 Milliarden €. Größter Wachstumstreiber war erneut die US-Tochter Turner Construction. Dort erhöhte sich der Umsatz um 15,7% auf 14,1 Milliarden €. Ein erheblicher Teil des Geschäfts entfällt auf den Bau von Rechenzentren.
Auch die Ertragslage entwickelte sich sehr positiv. Der operative Konzerngewinn verbesserte sich um 35% auf 480 Millionen €. Turner trug hierzu maßgeblich bei: Der Gewinn der Tochter stieg um 41% auf 400 Millionen €.
Insgesamt sind die Halbjahreszahlen sehr überzeugend ausgefallen.
Hochtief-CEO Juan Santamaría Cases erklärte:
Wir verzeichnen eine anhaltende Nachfrage nach Infrastruktur – insbesondere nach Projekten in den Bereichen Rechenzentren, Energie, Verteidigung und kritische Mineralien.
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Prognose angehoben
Aufgrund der guten Geschäftsentwicklung wurde die Gewinnprognose angehoben.
Statt eines Konzerngewinns von 950 Millionen bis 1 Milliarde € werden nun 1 bis 1,1 Milliarden € erwartet. Grundlage hierfür ist unter anderem die angehobene Gewinnprognose von Turner. Statt 1,3 bis 1,35 Milliarden € werden dort nun 1,4 bis 1,46 Milliarden € erwartet.
Die Basis für die positive Entwicklung bildet der hohe Auftragsbestand. Dieser erhöhte sich um 23% auf 84,8 Milliarden €. Gleichzeitig stieg der Auftragseingang im ersten Halbjahr um 25% auf 31,5 Milliarden €.
Damit verfügt Hochtief über eine sehr gute Ausgangsbasis für die kommenden Quartale.
Rechenzentren bleiben wichtiger Wachstumstreiber
Der Bau von Rechenzentren nimmt innerhalb des Konzerns zunehmend an Bedeutung zu. Besonders Turner ist in diesem Bereich stark vertreten und profitiert von den hohen Investitionen der großen Technologiekonzerne.
Die Euphorie an den Börsen rund um das Thema KI hat sich zuletzt zwar etwas abgekühlt. Der langfristige Bedarf an Rechenzentren bleibt jedoch hoch. Die steigende Nutzung von Künstlicher Intelligenz benötigt erhebliche zusätzliche Rechenkapazitäten.
Hochtief profitiert dabei indirekt vom KI-Boom: Das Unternehmen muss keine eigene KI-Technologie entwickeln, sondern errichtet die dafür notwendige Infrastruktur.
Auch außerhalb des Rechenzentren-Geschäfts gibt es Wachstumspotenzial. In Deutschland dürfte die Umsetzung der geplanten Infrastrukturinvestitionen zunehmend anlaufen. Hinzu kommen Projekte in den Bereichen Energie, Verteidigung und kritische Rohstoffe.
Bewertung
Operativ befindet sich Hochtief derzeit in einer sehr starken Verfassung. Umsatz und Gewinn wachsen deutlich, der Auftragseingang entwickelt sich dynamisch und der Auftragsbestand liegt auf einem Rekordniveau.
Der starke Kursanstieg in der ersten Jahreshälfte war allerdings zu einem erheblichen Teil von der Fantasie rund um KI-Rechenzentren getrieben. Diese Euphorie hat sich inzwischen deutlich abgeschwächt.
Das muss nicht zwangsläufig negativ sein. Entscheidend ist, dass die fundamentale Nachfrage nach Rechenzentren weiterhin besteht und Hochtief in diesem Bereich sehr gut positioniert ist.
Der Kursrückgang von rund 550 auf aktuell etwa 425 € hat daher etwas Druck aus der Bewertung genommen. Die Aktie ist zwar weiterhin nicht günstig, die fundamentale Entwicklung rechtfertigt aus meiner Sicht jedoch höhere Kurse.
Der Kursrückgang ist aus meiner Sicht zu begrüßen. Dadurch haben sich die Einstiegsmöglichkeiten wieder verbessert. Die starken fundamentalen Daten sprechen grundsätzlich für weitere Kurssteigerungen. Ein erstes Kursziel sehe ich bei 500 €.
Allerdings dürfte der Aktienkurs weiterhin stark auf Nachrichten rund um KI und den Bau von Rechenzentren reagieren. Weitere Rücksetzer sind deshalb kurzfristig nicht auszuschließen.
Insgesamt stehe ich der Aktie positiv gegenüber. Die aktuelle Dividendenrendite von rund 1,5% ist zwar kein entscheidender Kaufgrund, stellt aber eine zusätzliche Renditekomponente dar. Bei einer weiteren Ergebnisverbesserung könnte zudem die zuletzt gezahlte Dividende von 6,60 € angehoben werden.
Hier sei angemerkt: Während sich viele auf Tech-Aktien konzentrieren, übersehen sie solide Dividendenzahler mit Aufwärtspotenzial. Diese Analyse beleuchtet zehn unterschätzte Kandidaten für das neue Jahr.
Hochtief in Kürze
- Hochtief (WKN: 607000) ist ein internationaler, führender Baukonzern. Neben dem klassischen Baugeschäft entwickelt der Konzern sich immer mehr zum Projekt-Unternehmen mit einem breiten Dienstleistungsgeschäft.
- Neben dem Hauptsitz in Essen unterhält der Konzern weltweit Niederlassungen. Großaktionär mit 77,5% ist die spanische ACS-Gruppe.
- Die Aktie ist im MDAX gelistet und wird aktuell mit 32 Milliarden € bewertet.
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