Die Hensoldt-Aktie erreichte Mitte August mit etwa 95 € ihren Jahreshöchststand. Anschließend korrigierte sie deutlich und notiert am Donnerstag aktuell bei knapp 79 €. Damit stellt sich die Frage: Lohnt sich in der aktuellen Phase ein Einstieg?

Mehrere Belastungsfaktoren

Fundamental könnte die Aktie aus meiner Sicht höher notieren. Allerdings gelingt ihr derzeit kein nachhaltiger Ausbruch nach oben. Kursgewinne werden innerhalb kurzer Zeit wieder abgegeben. Dieses Muster prägt den Kursverlauf seit Jahresbeginn.

Als Belastungsfaktoren werden insbesondere die hohe Aufmerksamkeit für KI-Werte, wieder aufkommende Hoffnungen auf Fortschritte bei den Friedensgesprächen im Ukraine-Konflikt sowie politische Entwicklungen in Deutschland genannt.

Die beiden letztgenannten Faktoren dürften für die langfristige Entwicklung der Rüstungsbranche jedoch eine untergeordnete Rolle spielen. Friedensinitiativen und Gesprächsangebote im Ukraine-Konflikt hat es bereits mehrfach gegeben, ohne dass daraus bislang eine dauerhafte politische Lösung entstanden ist.

Auch die politischen Veränderungen in einzelnen Bundesländern sind für die langfristige Entwicklung der europäischen Verteidigungsausgaben nur begrenzt aussagekräftig.

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KI-Boom dominiert

Anders sieht es beim Thema Künstliche Intelligenz aus. Der KI-Boom prägt derzeit die Stimmung an den Börsen. Ein wichtiger Kurstreiber ist dabei der geplante Bau zahlreicher KI-Rechenzentren.

Neben den großen US-Technologiekonzernen profitieren auch Unternehmen, die die notwendige Infrastruktur bereitstellen. Beispiele dafür sind Siemens Energy und Hochtief.

Das Thema KI dürfte daher zunächst weiter im Fokus der Anleger bleiben. Davon können insbesondere andere Branchen temporär belastet werden, darunter auch Rüstungswerte.

Im Vergleich zum Kursrückgang der Rheinmetall-Aktie ist die Korrektur bei Hensoldt bislang allerdings moderat ausgefallen.

Zweistelliges Wachstum erzielt

Die Halbjahreszahlen zeigen weiterhin eine dynamische Geschäftsentwicklung. Sowohl Umsatz als auch EBITDA legten zweistellig zu. Treiber war erneut die hohe Nachfrage aus dem militärischen Bereich.

Der Umsatz verbesserte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 23,6% auf 1,16 Milliarden €. Das bereinigte EBITDA stieg um 28,5% auf 137 Millionen €.

Die bereinigte EBITDA-Marge erhöhte sich dabei nur moderat auf 18,5%.

Damit entsprachen die Finanzkennzahlen insgesamt den Erwartungen.

Jahresprognose bestätigt

Auf Basis der bisherigen Geschäftsentwicklung und der Erwartungen für das zweite Halbjahr bestätigte der Konzern seine Jahresziele.

Demnach wird weiterhin mit einem Umsatz von rund 2,75 Milliarden € gerechnet. Im Vorjahr lag dieser bei 2,45 Milliarden €.

Das Book-to-Bill-Ratio soll zwischen 1,5x und 2,0x liegen, aktuell liegt es bei 2,45x. Bei der bereinigten EBITDA-Marge werden 18,5 bis 19% erwartet.

Die Grundlage für diese Prognose bildet der hohe Auftragsbestand von 10,3 Milliarden €. Der Auftragseingang verdoppelte sich im ersten Halbjahr auf 2,8 Milliarden €.

CEO Oliver Dörre erklärte:

Die politischen Entscheidungen für höhere Verteidigungsausgaben konkretisieren sich nun in unserem Auftragsbuch. Jetzt entscheidet die industrielle Umsetzung, wie schnell daraus reale Fähigkeiten werden.

Bewertung

Die bisherige Kursentwicklung erscheint gemessen an der operativen Entwicklung zunächst nicht vollständig nachvollziehbar. Umsatz und Ergebnis steigen deutlich, gleichzeitig verfügt Hensoldt über einen hohen Auftragsbestand und eine gute Visibilität für die kommenden Jahre.

Allerdings ist ein erheblicher Teil dieser positiven Perspektiven bereits in der aktuellen Unternehmensbewertung von rund 9,1 Milliarden € berücksichtigt.

Dass die Aktie bislang nicht stärker unter Druck geraten ist, dürfte unter anderem mit der hohen operativen Stabilität zusammenhängen. Zudem ist das Unternehmen auch im zivilen Geschäft unterwegs.

Die Hensoldt-Aktie ist aus meiner Sicht vorerst kein geeignetes Investment für Anleger, die kurzfristig mit einer deutlichen Kurserholung rechnen.

Die Stimmung gegenüber Rüstungswerten ist derzeit verhaltener. Daran dürfte auch die hervorragende Auftragslage von Hensoldt kurzfristig wenig ändern.

Ich gehe daher davon aus, dass sich die Aktie zunächst seitwärts bewegen wird. Dabei ist weiterhin mit einer erhöhten Volatilität zu rechnen.

Anleger sollten vorerst abwarten.

In diesem Zusammenhang: Regierungen stocken strategische Rohstoffreserven massiv auf – unser Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ analysiert zwei Aktien, die Profiteur zu großen Profiteuren werden dürften.

ℹ Hensoldt in Kürze

  • Die Hensoldt AG (WKN: HAG000) mit Sitz in Taufkirchen bei München ist ein Rüstungsunternehmen, das auf die Entwicklung und Herstellung von Radar- und Sensortechnologien spezialisiert ist.
  • Hauptprodukte sind Radar-, Avionik- und optoelektronische Systeme sowie Lösungen zur elektronischen Kampfführung.
  • Hensoldt ging 2017 aus Geschäftsbereichen von Airbus Defence and Space hervor und notiert seit 2020 an der Börse.
  • Das Unternehmen ist Mitglied im deutschen Nebenwerteindex MDAX und ca. 9,1 Milliarden € an der Börse wert.

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