Der DAX bleibt im Konsolidierungsmodus. Nach einer zwischenzeitlichen Erholung geriet das größte deutsche Börsenbarometer am Freitag wieder unter Abgabedruck. Auf Wochensicht summierten sich die Abschläge auf mehr als 200 Punkte bzw. -0,87%. Die höchsten Verluste gab es bei Mercedes-Benz und Heidelberg Materials, Qiagen war bester DAX-Performer. Das können Anleger in der neuen Handelswoche erwarten.

Die Bären lassen sich nicht unterkriegen

KI- und Zinssorgen drückten zum Wochenstart auf die Stimmung und führten am Montag und am Dienstag zu Abgaben. Am Mittwoch meldeten sich die Käufer zurück und sorgten auch am Donnerstag für steigende Kurse. Zum Ende der Woche sorgte der große Verfallstag aber wieder für starke Verluste.

Weiterhin viel Nervosität im Markt

Die 26.000-Punkte-Marke bleibt für den DAX eine harte Nuss. Dabei zeigt sich ein ungewöhnliches Marktumfeld: Der Ölpreis gibt nach, die Anleiherenditen sind zuletzt zurückgekommen – und trotzdem fehlt Aktien der entscheidende Impuls nach oben. Der Grund liegt vor allem in der Geldpolitik. Nach der Fed und der EZB hat nun auch die Bank of Japan ihren Leitzins angehoben. Gleichzeitig zeigen die jüngsten deutschen Erzeugerpreise, dass der Inflationsdruck noch längst nicht verschwunden ist.

Der Blick voraus

Genau deshalb dürfte der DAX in der kommenden Woche besonders sensibel auf neue Konjunkturdaten reagieren. Am Mittwoch stehen die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für Deutschland und die Eurozone auf der Agenda. Für Deutschland wird beim Composite-PMI aktuell ein Rückgang von 51,8 auf 50,5 Punkte erwartet. Gleichzeitig könnte der noch wichtigere Dienstleistungsindex von 49,7 auf 50,5 steigen, während sich das verarbeitende Gewerbe leicht abschwächen soll.

Am Donnerstag folgt mit dem ifo-Geschäftsklima der wohl wichtigste deutsche Frühindikator der Woche. Der Konsens sieht den Index bei 89,0 Punkten nach 88,8 im August. Entscheidend wird dabei weniger die Momentaufnahme als der Blick auf die Erwartungen der Unternehmen sein. Denn für den DAX zählt letztlich, ob die Gewinnperspektiven der deutschen Konzerne trotz Energie- und Kostendruck stabil bleiben.

DAX braucht neue Kaufargumente

Die Stimmung an den Märkten ist derzeit keineswegs panisch. Vielmehr wirkt der jüngste Rückgang wie eine Verschnaufpause nach der kräftigen Erholung. Auch die sinkenden Ölpreise helfen. Allerdings bleibt Brent mit mehr als 100 US$ je Barrel historisch teuer. Gleichzeitig haben die deutschen Erzeugerpreise im August um 4,6% zugelegt – der stärkste Anstieg seit mehr als drei Jahren. Damit bleibt die Sorge bestehen, dass der höhere Energiepreis mit Verzögerung bei den Verbrauchern ankommt.

Für zusätzlichen Schwung könnten in der kommenden Woche die US-Daten sorgen. Am Freitag stehen die Auftragseingänge für langlebige Güter sowie das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan auf dem Programm. Außerdem empfängt US-Präsident Donald Trump am Donnerstag Chinas Staatschef Xi Jinping – ein Termin, der angesichts der geopolitischen und handelspolitischen Spannungen ebenfalls marktbewegend werden könnte.

Unternehmensseite bleibt interessant

Bei den DAX-Unternehmen ist die Bilanzsaison beendet. Dafür rücken Investorenkonferenzen in den Fokus. So präsentiert sich etwa Siemens am 22. September auf der German Corporate Conference von Berenberg und Goldman Sachs. Rheinmetall folgt am 23. und 24. September auf zwei wichtigen Investorenveranstaltungen.

Mercedes-Benz und Heidelberg Materials schwach, Qiagen erholt

Hierzulande waren die Aktien von Mercedes Benz und Heidelberg Materials die größten Verlustbringer mit einem Wochenminus von -5,75% bzw. -7,13%. Mercedes-Benz litt unter einem negativen Analystenkommentar und nähert sich nun wieder dem Mehrjahrestief von Ende Juni.

Bei Heidelberg Materials  ging der Ausverkauf weiter: Die Aktie notiert inzwischen mehr als -40% unter ihrem Rekordhoch von Ende Januar und könnte nun vor einem Test der 50-Wochen-Linie stehen, die sich bei 127,62 € befindet.

Besser lief es für Qiagen, dessen Aktien auf Wochensicht +5,16% aufschlugen und sich weiter auf Erholungskurs befinden. Seit dem Tief von Mitte Mai ging es bereits um +33% hinauf. Profitieren kann der Molekulardiagnostik-Konzern von anhaltenden Übernahmegerüchten.

Charttechnik: Korrekturen weiten sich aus

Der DAX tut sich weiterhin schwer. Am Dienstag sackte der Leitindex auf 25.172 Punkte ab und markierte den tiefsten Stand seit dem 24. Juli. Dabei kam es zum Test der 100-Tage-Linie.

Von hier aus drückte sich der Index am Mittwoch und am Donnerstag wieder nach oben ab, doch auf Höhe der 50-Tage-Linie erfolgte am Freitag die bärische Ablehnung. Es kam zu einer dynamischen Verkaufsbewegung, die den DAX wieder ganz dicht an die 100-Tage-Linie heranführte.

Hier ergeben sich nun erneut Erholungschancen, doch für einen nachhaltigen Befreiungsschlag müsste der DAX auch über die 50-Tage-Linie, das Juli-Top bei 25.900 Punkten sowie die 26.000-Punkte-Marke klettern.

Fällt der Index unter die 100-Tage-Linie, wartet eine weitere Unterstützung bei 25.000/25.100 Punkten. Hiernach könnte es auch zu einem Test der 200-Tage-Linie kommen, die sich aktuell bei 24.771 Punkten befindet.

Damit bleibt der DAX gefangen zwischen Inflationssorgen und grundsätzlich robusten Gewinnperspektiven. Die 26.000 Punkte sind deshalb mehr als nur eine runde Marke: Gelingt der nachhaltige Sprung darüber, könnte sich das technische Bild wieder deutlich aufhellen. Bis dahin dürfte der Markt jedoch nervös bleiben – und die Konjunkturdaten der kommenden Woche könnten entscheiden, ob den Bullen endlich die nötigen Kaufargumente geliefert werden.

Ergänzend sei erwähnt: Gerade in unsicheren Marktphasen können Dividenden-Aktien als Stabilisator dienen. Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.

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