
Google steht im Vereinigten Königreich vor einer großen rechtlichen Herausforderung: Eine Sammelklage wurde eingereicht, die über 5 Milliarden £ Schadenersatz fordert. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, seine Dominanz im Online-Suchmaschinenmarketing ausgenutzt zu haben, um Unternehmen überhöhte Preise zu berechnen.
Die am Mittwoch beim britischen Wettbewerbsgericht eingereichte Klage wirft dem Technologiegiganten vor, seine Kontrolle über den Suchmaschinenmarkt zu nutzen, um Wettbewerber zu behindern und seine Position als Standardziel für Online-Suchwerbung zu festigen.
Die Klage wird von dem Wettbewerbsrechtsexperten Or Brook im Namen Hunderttausender in Großbritannien ansässiger Organisationen erhoben, die von Januar 2011 bis heute Googles Suchanzeigendienste genutzt haben.
Brook, vertreten durch die Anwaltskanzlei Geradin Partners, behauptet, Googles Geschäftspraktiken hätten Werbetreibenden keine echte Alternative gelassen.
„Heutzutage haben britische Unternehmen und Organisationen, ob groß oder klein, fast keine andere Wahl, als Google-Anzeigen zu nutzen, um ihre Produkte und Dienstleistungen zu bewerben“, sagte Brook in einer Erklärung.
„Regulierungsbehörden weltweit haben Google als Monopol bezeichnet, und ein Platz auf Googles Top-Seiten ist für die Sichtbarkeit unerlässlich.“
Sie fügte hinzu, dass Google „seine Dominanz im allgemeinen Such- und Suchwerbemarkt ausgenutzt hat, um Werbetreibende überhöht zu belasten“, und die Klage zielt darauf ab, Wiedergutmachung für die angeblich Geschädigten zu erreichen.
Vorwürfe der Wettbewerbsbeschränkung und Kostensteigerung
Die Klage wirft Google wettbewerbswidriges Verhalten vor, indem das Unternehmen Vereinbarungen mit Smartphone-Herstellern getroffen hat, seine Apps – wie Chrome und Suche – auf Android-Geräten vorzuinstallieren.
Es verweist auch auf Zahlungen in Milliardenhöhe an Apple, um sicherzustellen, dass Google die Standardsuchmaschine in Safari-Browsern bleibt.
Darüber hinaus wird in der Klage behauptet, Google habe seine Plattform Search Ads 360 so konzipiert, dass sie mit eigenen Werbeprodukten besser funktioniert und die Dienste von Wettbewerbern benachteiligt.
Diese Maßnahmen, so argumentiert er, hätten den Wettbewerb insgesamt verzerrt und Werbetreibende gezwungen, überhöhte Preise für Sichtbarkeit zu zahlen.
Eine Studie der britischen Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde (CMA) aus dem Jahr 2020 ergab, dass Google 90 % aller Einnahmen aus Suchmaschinenwerbung erzielte und damit seine dominante Position festigte.
Google hat sich zu der Klage noch nicht öffentlich geäußert.
Teil des wachsenden globalen Widerstands gegen Tech-Giganten
Diese jüngste Klage ist Teil eines umfassenderen Widerstands gegen amerikanische Big-Tech-Unternehmen, die weltweit zunehmender regulatorischer Kontrolle und rechtlichen Herausforderungen ausgesetzt sind.
Die Europäische Kommission verhängte 2018 gegen Google eine Geldbuße von 4,3 Milliarden € wegen Kartellverstößen im Zusammenhang mit der Bündelung von Android-Software.
Gegen dieses Urteil wurde Berufung eingelegt.
In den USA schreitet der Kartellrechtsfall der Federal Trade Commission gegen Meta voran und erhöht die Aussicht auf strukturelle Maßnahmen, einschließlich einer möglichen Aufspaltung von Plattformen wie Instagram und WhatsApp.
Auch Großbritannien verstärkt die Aufsicht: Die CMA forderte kürzlich Untersuchungen gegen die Cloud-Computing-Giganten Amazon und Microsoft auf der Grundlage eines neu verabschiedeten Wettbewerbsgesetzes.
Dem vorausgegangen war im vergangenen Jahr eine separate Sammelklage, in der Microsoft vorgeworfen wurde, Kunden konkurrierender Cloud-Anbieter überhöhte Preise in Rechnung gestellt zu haben, wobei ein Schadenersatz von über 1 Milliarde £ gefordert wurde.
Am Dienstag erließ die japanische Wettbewerbsbehörde (JFTC) eine Unterlassungsanordnung gegen den Technologiekonzern und erklärte, dass Googles Verhalten möglicherweise gegen das japanische Kartellgesetz verstoße, indem es den fairen Wettbewerb bei mobilen Suchdiensten einschränke.
Mit zunehmendem Druck könnte der Ausgang dieses Verfahrens gegen Google einen bedeutenden Moment in der Regulierung digitaler Märkte markieren.
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