Lange Zeit stand das Trio bestehend aus BMW, Volkswagen und Mercedes für eines: verlässliche Dividenden. Wer im DAX nach attraktiven Dividendenaktien suchte, investierte fast instinktiv in deutsche Autobauer. Diese Strategie zahlte sich über Jahre hinweg aus.
Wer jedoch weiterhin an solchen historischen Mustern festhält, verkennt die harte Realität der aktuellen Dividendensaison. Die wahren Renditebringer im Leitindex verbergen sich mittlerweile in einem völlig anderem Sektor. Genau dort, wo nicht alle Anleger zuerst auf die Suche gehen, finden sich zwei äußerst zuverlässige Dividendenaktien.
Wenn die Autobauer ins Straucheln geraten
Zahlen lügen selten. BMW kürzte die Dividende für das Jahr 2025 massiv auf 4,30 Euro und verharrt für 2026 mit vorgeschlagenen 4,40 Euro auf niedrigem Niveau. Volkswagen verbuchte für Geschäftsjahr 2025 einen Gewinneinbruch von rund 44 %; die operative Marge sank auf 2,8 %. Dieses Niveau erreichte der Konzern zuletzt während der Dieselkrise. Mercedes-Benz bestätigte für die Dividendensaison 2026 lediglich 3,50 Euro je Aktie – ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. In der Summe schütten die drei Konzerne 2026 rund 4 Mrd. Euro weniger aus als noch zwei Jahre zuvor.
Ohne die Automobilbranche würden die DAX-Dividenden insgesamt um fast 10 % steigen. Diese Bilanz ist eindeutig: Die 40 DAX-Konzerne schütten 2026 erstmals seit dem Corona-Jahr 2020 insgesamt weniger aus als im Vorjahr. Der Rückgang ist fast ausschließlich auf die Automobilbranche zurückzuführen.
Wer als Dividendenjäger auf stabile Dividendenaktien aus dem DAX setzt, braucht neue Adressen. Und diese sind beide in München zu finden.
Allianz: Der verlässlichste Dividendenzahler im Index
Die Allianz (WKN: 840400) positioniert sich in dieser Saison deutlich. Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Hauptversammlung am 7. Mai 2026 für das Geschäftsjahr 2025 eine Dividende von 17,10 Euro je Aktie vor – ein Plus von 11 % gegenüber dem Vorjahr. Mit einer Gesamtausschüttung von rund 6,5 Mrd. Euro festigt der Konzern seinen Rang als Deutschlands größter Dividendenzahler.
Die Historie beeindruckt: Seit 25 Jahren schüttet die Allianz aus, seit 17 Jahren ohne jede Kürzung. Das durchschnittliche Dividendenwachstum der vergangenen fünf Jahre liegt bei knapp 12 % jährlich. Die Ausschüttungsquote für das letzte Geschäftsjahr beträgt rund 60 %, was weiterhin Spielraum für künftige Steigerungen lässt.
Bei einem aktuellen Kurs von etwa 368 Euro (Stand: 03.04.2026, maßgeblich für alle Angaben) ergibt sich eine Dividendenrendite von rund 4,6 %; das KGV liegt bei knapp 14. Für ein Unternehmen dieser Konstanz bleibt die Bewertung attraktiv. Zusätzlich fließen im Rahmen der Strategie 2025 bis 2027 erhebliche Mittel über Aktienrückkäufe zurück, allein für 2026 ist ein Volumen von bis zu 2,5 Mrd. Euro vorgesehen.
Für Anleger, die im DAX nach Planbarkeit bei der Dividende suchen, wirkt der Versicherungskonzern unter vielen Dividendenaktien wie ein verlässliches Uhrwerk.
Münchener Rück: Wenn die Dividende die Prognosen schlägt
Die Münchener Rückversicherung (WKN: 843002) ist im Moment besonders einen Blick wert. Für das Geschäftsjahr 2025 plant der Konzern eine Dividende von 24,00 Euro je Aktie. Damit übertrifft er die Markterwartung von 21,86 Euro deutlich.
Im historischen Kontext zeigt sich die Dynamik: 2021 lag die Dividende noch bei 11,00 Euro. Diese Verdopplung innerhalb von nur vier Jahren ist bemerkenswert. Zudem bietet das Unternehmen seit 1969 verlässlich Ausschüttungen, die mindestens das Niveau des Vorjahres erreichen. Diese Beständigkeit sucht im DAX ihresgleichen.
Parallel zur Dividende startet Ende April 2026 ein neues Aktienrückkaufprogramm im Volumen von bis zu 2,25 Mrd. Euro. Das Konzernergebnis für 2025 belief sich auf 6,1 Mrd. Euro. Für 2026 prognostiziert das Management einen weiteren Anstieg auf 6,3 Mrd. Euro. Bei einem aktuellen Kurs von rund 546 Euro liegt die Dividendenrendite bei etwa 4,4 %, während das Kurs-Gewinn-Verhältnis mit ca. 12 sehr moderat bleibt.
Trotz der starken Bilanz bestehen Risiken. Großschadenereignisse durch Naturkatastrophen können die Jahresbilanz jederzeit belasten. Zudem melden erste Stimmen im Rückversicherungsmarkt strukturelle Herausforderungen. Risikokapitalgeber treten verstärkt als Konkurrenz auf, was den Preisdruck erhöhen könnte. Als Anleger sollte man diese Marktdynamik in seine Bewertung einfließen lassen. Auch wenn es unwahrscheinlich scheint, können solche Großereignisse Auszahlungskürzungen nach sich ziehen. Diese mindern die Attraktivität von Dividendenaktien bekanntermaßen.
Zwei Dividendenaktien, ein klares Bild
Ein stiller Gezeitenwechsel prägt die aktuelle Dividendensaison. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Während die Automobilhersteller ihre Ausschüttungen im Vergleich zum Vorjahr um rund 3,3 Mrd. Euro drosseln, übernimmt der Finanzsektor unter den Dividendenaktien die Führung. Mit einem Gesamtvolumen von 14,2 Mrd. Euro stellt die Branche (Versicherungsgesellschafen, Banken, etc.) den Löwenanteil der erwarteten DAX-Dividenden.
Allianz und Münchener Rück füllen das Vakuum, das schwächelnde Automobil-Klassiker hinterlassen. In einer Phase, in der die einstigen Renditegaranten BMW, VW und Mercedes an Glanz verlieren, steigen die Versicherungsriesen zu den neuen, verlässlichen Kraftzentren des deutschen Leitindex auf. Langfristig orientierte Investoren, die Wert auf eine stabile Dividende legen, sollten die zwei Kandidaten auf jeden Fall genauer betrachten.
Der Artikel Gezeitenwechsel im DAX: Warum Versicherer die neuen Automobil-Aktien für Dividendenjäger sind ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.