Die Gerresheimer-Aktie hat sich deutlich von ihrem Tief im April bei rund 17 € erholt. Am Freitag notiert sie bei 26 € und damit wieder auf dem Niveau zu Jahresbeginn. Nach der Aufarbeitung der Bilanzprobleme richtet sich der Blick der Anleger nun wieder auf die operative Entwicklung. Doch besitzt die Aktie weiteres Aufwärtspotenzial?
Vertrauen kehrt langsam zurück
Vertrauen ist an der Börse häufig ein entscheidender Kurstreiber. Genau dieses Vertrauen hatte Gerresheimer in den vergangenen Monaten weitgehend verloren.
Auslöser waren bilanzielle Unregelmäßigkeiten, die schließlich auch Untersuchungen der BaFin nach sich zogen. Der Tiefpunkt war erreicht, als sich die Veröffentlichung des testierten Jahresabschlusses verzögerte. Die Unsicherheit belastete die Aktie erheblich.
Mittlerweile hat sich die Lage deutlich stabilisiert. Mit der Vorlage des testierten Abschlusses konnte das Unternehmen einen wichtigen Unsicherheitsfaktor beseitigen. Die anschließende Kurserholung zeigt, dass Investoren dem neuen Management zunehmend wieder Vertrauen schenken.
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Neues Werk stärkt Wachstum in China
Parallel zur Aufarbeitung der Bilanzthemen treibt Gerresheimer den operativen Ausbau weiter voran.
Nach vierjähriger Bauzeit wurde das neue Werk im chinesischen Zhenjiang Dagang eröffnet. Dadurch verdoppelt das Unternehmen seine Produktionskapazität für Primärverpackungen für injizierbare Arzneimittel auf dem chinesischen Markt.
Die Investition unterstreicht die langfristigen Wachstumschancen im asiatischen Pharmamarkt. Gleichzeitig soll die lokale Produktion die Lieferketten stärken und die Wettbewerbsfähigkeit weiter verbessern.
Prognose vorsichtig angepasst
Für das laufende Geschäftsjahr bleibt das Management jedoch vorsichtig.
Beim Umsatz wird nun das untere Ende der bisherigen Prognosespanne von 2,3 bis 2,4 Milliarden € erwartet. Auch bei der bereinigten EBITDA-Marge wurde die Zielspanne von zuvor 18 bis 19% auf 17 bis 18% reduziert.
Darüber hinaus rechnet Gerresheimer nun mit einem negativen Free Cashflow zwischen 50 und 100 Millionen €. Diese vorsichtige Prognose dürfte die weiterhin anspruchsvollen Marktbedingungen sowie die laufenden Restrukturierungsmaßnahmen widerspiegeln.
Bewertung
Die schwerste Phase scheint aus heutiger Sicht überwunden zu sein. Das neue Management hat die Bilanzprobleme konsequent aufgearbeitet und damit eine wichtige Voraussetzung geschaffen, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.
2026 dürfte noch als Übergangsjahr gelten. Die gesenkte Prognose wirkt vergleichsweise konservativ und lässt Raum für positive Überraschungen, sofern sich das operative Geschäft stabilisiert.
Ab 2027 könnte sich die finanzielle Situation zusätzlich verbessern. Sollte der geplante Verkauf der US-Tochter Centor erfolgreich abgeschlossen werden, würde dies die Bilanz stärken und zusätzlichen finanziellen Spielraum schaffen.
Ein Kursniveau von rund 40 € erscheint auf mittlere Sicht grundsätzlich erreichbar. Allerdings dürfte der Weg dorthin von einer weiterhin hohen Volatilität und zwischenzeitlichen Rücksetzern begleitet werden.
Ein Kursniveau von rund 40 € erscheint auf mittlere Sicht wieder erreichbar. Allerdings dürfte der Weg dorthin von einer weiterhin hohen Volatilität und zwischenzeitlichen Rücksetzern begleitet werden.
Kurzfristig orientierte Investoren sollten jedoch weitere Schwankungen einkalkulieren, die sich auch für Trading-Strategien nutzen lassen.
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Gerresheimer in Kürze
- Die Gerresheimer AG (WKN: A0LD6E) stellt Spezialprodukte in den Bereichen Glas und Kunststoff insbesondere für die Pharma- sowie Healthcare-Industrie her und gilt als weltweit führender Schlüssellieferant für diese Branchen. Die Produkte reichen vom Insulin-Pen bis zu Ampullen, aber auch schnöde Parfümflakons gehören zum Portfolio.
- Der Hauptsitz ist in Düsseldorf, daneben ist der Konzern weltweit mit Standorten in Europa, Asien und Amerika vertreten.
- Die Aktie ist im SDAX gelistet, die Marktkapitalisierung beträgt aktuell etwa 900 Millionen €.
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