
Der FTSE 100 Index gab vier Tage in Folge nach, da die Renditen britischer Staatsanleihen deutlich anstiegen und HSBC einen schwachen Finanzbericht veröffentlichte. Am Dienstag fiel er auf £10.225, deutlich unter dem Jahreshöchststand von £10.935.
Starker Anstieg der Renditen britischer Gilts
Ein wesentlicher Grund für den Rückgang des FTSE 100 Index ist, dass die Renditen britischer Staatsanleihen, allgemein als Gilts bekannt, in einem starken Aufwärtstrend liegen. Daten zeigen, dass die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe auf 5,10 % gestiegen ist, den höchsten Stand seit März dieses Jahres. Auffällig ist, dass die Rendite der 30-jährigen Staatsanleihe auf 5,80 % gestiegen ist, den höchsten Stand seit mehr als 30 Jahren.
Die Renditen britischer Staatsanleihen steigen vor dem Hintergrund wachsender Sorgen um die britische Wirtschaft, da die Inflation anzieht und die Bank of England daher in der nächsten Sitzung eine Zinserhöhung in Erwägung zieht.
Eine solche Zinserhöhung wäre angesichts der weitgehend von Stagflation geprägten Wirtschaft — steigende Inflation bei langsamen Wirtschaftswachstum — schwierig. Zudem würde sie die Finanzierungskosten der britischen Staatsverschuldung deutlich erhöhen.
Der Aktienmarkt tendiert dazu, sich schlechter zu entwickeln, wenn die Renditen staatlicher Anleihen steigen. In den meisten Fällen argumentieren Anleger, dass es sicherer ist, in den höher rentierenden Anleihemarkt zu investieren.
Zur Klarstellung: Die langfristigen Renditen staatlicher Anleihen sind in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen, wobei die US-Rendite erstmals seit Monaten wieder komfortabel über der 5 %‑Marke liegt.
HSBC-Ergebnis belastet britische Aktien
Der FTSE 100 Index sank außerdem wegen des anhaltenden Kurseinbruchs bei HSBC nach der Veröffentlichung schwacher Finanzergebnisse. Die Aktie fiel um 6 % und gehörte damit zu den schlechtesten Werten im Index. Dieser Absturz zog auch die übrigen britischen Banken nach unten, selbst solche mit starken Zahlen wie Lloyds, Standard Chartered und NatWest.
In ihrem Bericht teilte das Unternehmen mit, dass es einen Verlust von $400 Mio. im Zusammenhang mit Market Financial Solutions erlitten habe, einem führenden britischen Unternehmen, das vor einigen Monaten zusammengebrochen ist. Anleger prüfen nun die Exponierung gegenüber dem boomenden Private-Credit-Sektor. In einer Mitteilung gab HSBC an, dass sie eine Exponierung von $111 Mrd. in dieser Branche hat.
HSBC meldete einen Vorsteuergewinn von $9,4 Mrd., weniger als die von Analysten erwarteten $9,59 Mrd.
Mit Blick nach vorne wird der FTSE 100 Index auf Ergebnisse von Unternehmen wie Smith & Nephew, Flutter Entertainment, JD Sports, Coca-Cola, InterContinental Hotels und IAG Group reagieren.
Technische Analyse des FTSE 100 Index

FTSE 100 Index chart | Source: TradingView
Der Chart im Tages-Chartzeitraum zeigt, dass der FTSE 100 Index in den vergangenen Wochen zurückgekommen ist und sich von einem Hoch von £10.716 im April auf heute £10.210 bewegt hat.
Ein genauerer Blick zeigt, dass sich eine doppelgipfartige Formation gebildet hat, deren Nackenlinie bei £9.670 liegt, dem Tiefstand vom 23. März.
Der Index ist bereits unter den 50‑Tage‑EMA gefallen, ein Zeichen dafür, dass die Bären an Momentum gewinnen. Der Relative‑Stärke‑Index (RSI) fällt weiter und notiert nun unterhalb des neutralen Niveaus.
Deshalb wird der Index kurzfristig wahrscheinlich weiter fallen, solange die Krise im Nahen Osten andauert. Sollte dies eintreten, liegt das nächste wichtige Unterstützungsniveau bei £9.500. Ein Anstieg über den Widerstand bei £10.500 würde hingegen den bullischen Ausblick ungültig machen.
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