Der Traum vom Flugtaxi könnte in den kommenden Jahren Realität werden. Archer Aviation und Joby Aviation gehören zu den führenden Unternehmen im Markt für elektrische Senkrechtstarter, sogenannte eVTOLs, und treiben derzeit Testflüge sowie die Zulassung ihrer Fluggeräte in den USA voran. Gleichzeitig bauen beide Unternehmen ihre Aktivitäten im Verteidigungs- und Luftfahrtbereich aus.

Joby Aviation-Aktie

Joby Aviation macht bei der Vorbereitung auf den kommerziellen Flugbetrieb weitere Fortschritte. Im Rahmen des amerikanischen eVTOL Integration Pilot Program testet das Unternehmen seine Fluggeräte unter realen Bedingungen und bereitet sich auf den späteren Einsatz in verschiedenen Regionen der USA vor. Bereits im April 2026 absolvierte Joby einen viel beachteten Flug zwischen Manhattan und dem John F. Kennedy International Airport. Weitere Testflüge sind unter anderem in Texas geplant.

Im Rennen um die entscheidende FAA-Zertifizierung scheint Joby derzeit leicht vor Archer zu liegen. Diese Zulassung ist ein zentraler Meilenstein, da sie bestätigt, dass die Flugzeuge die erforderlichen Sicherheits- und Lufttüchtigkeitsstandards erfüllen und den Weg für eine spätere Serienproduktion sowie den kommerziellen Passagierbetrieb ebnet.

Neben dem zivilen Flugverkehr setzt Joby zunehmend auf das Verteidigungsgeschäft. Das Unternehmen verfügt über einen Vertrag mit der US Air Force und kündigte zuletzt die Übernahme des Verteidigungstechnologieunternehmens Resonant Sciences an. Damit erweitert Joby seine Kompetenzen unter anderem in den Bereichen Sensortechnik, Hochfrequenztechnologie und Tarnkappentechnik.

Strategisch unterscheidet sich Joby deutlich von Archer. Das Unternehmen setzt auf eine vertikal integrierte Struktur und möchte Entwicklung, Produktion und Betrieb seiner Flugtaxidienste weitgehend selbst kontrollieren. Dieser Ansatz könnte langfristig höhere Margen ermöglichen, ist jedoch kapitalintensiv.

Mit rund 2,3 Milliarden US-Dollar an Barmitteln und kurzfristigen Anlagen verfügt Joby über eine solide Liquiditätsbasis. Dennoch bleibt das Unternehmen angesichts der hohen Ausgaben für Forschung, Entwicklung und Produktion weiterhin defizitär.

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Archer Aviation-Aktie

Auch Archer Aviation arbeitet intensiv daran, seine Fluggeräte für den kommerziellen Einsatz vorzubereiten. Im Sommer 2026 absolvierte das Unternehmen einen bemannten Testflug in Kalifornien und startete anschließend weitere Aktivitäten im Rahmen des staatlichen eVTOL-Pilotprogramms.

Ein besonderer strategischer Schritt war die Übernahme mehrerer Geschäftsbereiche von Boeing. Dazu gehören Wisk Aero, SkyGrid und Insitu. Mit diesen Zukäufen erweitert Archer seine Aktivitäten deutlich über das klassische Flugtaxigeschäft hinaus.

Wisk Aero stärkt die Kompetenzen im Bereich autonomes Fliegen, während SkyGrid Technologien für das Management zukünftiger automatisierter Lufträume beisteuert. Insitu wiederum ist auf unbemannte Luftfahrtsysteme spezialisiert und verfügt über ein etabliertes Geschäft, das laut den vorliegenden Angaben rund 200 Millionen US-Dollar Jahresumsatz generiert. Damit könnte Archer künftig über zusätzliche Einnahmequellen außerhalb des noch jungen eVTOL-Marktes verfügen.

Beim Geschäftsmodell verfolgt Archer einen anderen Ansatz als Joby. Statt möglichst viele Bereiche selbst abzudecken, arbeitet das Unternehmen verstärkt mit etablierten Zulieferern wie Garmin und Honeywell Aerospace zusammen. Dadurch könnte Archer schneller auf bestehende Technologien und Lieferketten zurückgreifen und den Kapitalbedarf begrenzen. Gleichzeitig besteht das Risiko, dass die Abhängigkeit von Zulieferern langfristig die Gewinnmargen reduziert.

Archer verfügte zuletzt über rund 1,6 Milliarden US-Dollar an Liquidität, lag damit jedoch hinter Joby. Auch die Verluste bleiben hoch, da das Unternehmen weiterhin erhebliche Summen in die Entwicklung, Zulassung und spätere Produktion seiner Fluggeräte investieren muss.

Archer Aviation und Joby Aviation gehören zu den aussichtsreichsten Playern im eVTOL-Markt, auch wenn die Aktien zuletzt kein gutes Bild abgaben. Beide Unternehmen reiben ihre Testprogramme voran und arbeiten an der entscheidenden FAA-Zulassung. Gleichzeitig versuchen sie, durch den Ausbau ihrer Verteidigungsaktivitäten zusätzliche Wachstumsmöglichkeiten zu schaffen.

Joby besitzt derzeit einen leichten Vorteil bei der Zertifizierung und verfügt über eine stärkere Liquiditätsposition. Zudem könnte das vertikal integrierte Geschäftsmodell langfristig höhere Margen ermöglichen. Archer setzt dagegen auf einen flexibleren und möglicherweise kapitalärmeren Ansatz sowie auf etablierte Industriepartner. Die jüngsten Übernahmen könnten dem Unternehmen darüber hinaus eine breitere Umsatzbasis verschaffen.

Für Anleger bleiben beide Aktien jedoch spekulative Investments. Der langfristige Erfolg hängt entscheidend davon ab, ob die Unternehmen ihre Fluggeräte erfolgreich zertifizieren, die Produktion skalieren und aus der technologischen Vision ein wirtschaftlich tragfähiges Geschäftsmodell entwickeln können.

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