Die Aktie von Firefly Aerospace hat nach der jüngsten Kapitalerhöhung deutlich nachgegeben und ist von rund 48 US-Dollar auf aktuell etwa 36 US-Dollar gefallen. Zusätzlich sorgt die Diskussion um einen möglichen Börsengang von SpaceX für Unsicherheit im Raumfahrtsektor. Dennoch könnte der jüngste Rücksetzer langfristig orientierten Anlegern eine attraktive Einstiegschance eröffnen, da die operative Entwicklung des Unternehmens weiterhin in die richtige Richtung weist.

Vom Raketenbauer zur Raumfahrt- und Verteidigungsplattform

Seit dem Börsengang im August 2025 hat Firefly Aerospace das Expansionstempo hoch gehalten. Unter der Führung von CEO Jason Kim gelangen mehrere wichtige Meilensteine. Dazu zählen die erste erfolgreiche kommerzielle Mondlandung im März 2025, der Start der Alpha Flight 7 Mission im ersten Quartal 2026 sowie die Übernahme des Verteidigungsspezialisten SciTec für rund 855 Millionen US-Dollar.

Heute stützt sich das Unternehmen auf drei Geschäftsbereiche: Trägerraketen, Raumfahrtsysteme und Verteidigungstechnologie. Diese Struktur hebt Firefly von vielen Wettbewerbern ab. Während reine Startdienstleister häufig von unregelmäßigen Erlösströmen abhängig sind, bringt das Software- und Dienstleistungsgeschäft von SciTec wiederkehrende Einnahmen und erhöht die Planbarkeit der Geschäftsentwicklung.

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Deutlicher Umsatzschub untermauert Wachstumsstory

Ein entscheidender Prüfstein für Firefly im Jahr 2026 besteht darin, den hohen Auftragsbestand erfolgreich in Umsätze umzuwandeln. Die Zahlen des ersten Quartals zeigen deutliche Fortschritte. Der Umsatz stieg auf den Rekordwert von 80,9 Millionen US-Dollar und lag damit 40 Prozent über dem Vorquartal sowie 45 Prozent über dem Vorjahreswert von 55,9 Millionen US-Dollar.

Gleichzeitig bestätigte das Management die Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 in einer Spanne von 420 bis 450 Millionen US-Dollar. Im Vergleich zum Vorjahr würde dies einem Wachstum von rund 170 Prozent entsprechen.

Diese Zielsetzung wirkt ambitioniert, wird jedoch durch den Auftragsbestand von mittlerweile 1,3 Milliarden US-Dollar gestützt. Nach Unternehmensangaben sind bereits rund 80 Prozent der erwarteten Jahreserlöse vertraglich abgesichert. Hinzu kommen drei weitere Blue-Ghost-Mondmissionen mit einem Gesamtvolumen von 487 Millionen US-Dollar. Die einzelnen Missionen liegen preislich deutlich über der ersten Blue-Ghost-Mission, wodurch die Erlöspotenziale weiter steigen.

Auch die Integration von SciTec lieferte im ersten Quartal positive Impulse. Das Unternehmen führte innerhalb der ersten 30 Tage des Iran-Konflikts mithilfe seines FORGE-Systems Tausende Bedrohungsanalysen durch. Diese praktische Bewährungsprobe stärkt die Position bei zukünftigen Vertragsverlängerungen und unterstreicht die Relevanz der Technologie.

Verteidigungsgeschäft eröffnet zusätzliche Wachstumschancen

SciTec verfügt über mehr als 45 Jahre Erfahrung in der Zusammenarbeit mit dem US-Verteidigungsministerium und Nachrichtendiensten. Das Unternehmen ist auf Raketenwarnsysteme, Weltraumüberwachung sowie Aufklärungs- und Analysesoftware spezialisiert.

Während die Übernahme zunächst vor allem als Maßnahme zur Umsatzdiversifizierung betrachtet wurde, könnten jüngste Vertragsabschlüsse die strategische Bedeutung deutlich erhöhen. Im Mai erhielt SciTec eine Vereinbarung der US Space Force zur Unterstützung des Space Based Interceptor Programms innerhalb der sogenannten Golden-Dome-Architektur. Ziel ist es, entsprechende Fähigkeiten bis zum Jahr 2028 nachzuweisen.

Insgesamt wurden in diesem Programm 20 Vereinbarungen an zwölf Unternehmen mit einem Gesamtvolumen von 3,2 Milliarden US-Dollar vergeben. Zusätzlich erhielt SciTec im ersten Quartal einen Erweiterungsauftrag im Wert von 109 Millionen US-Dollar im Rahmen des FORGE Enterprise OPIR Services Programms.

Gerade Softwareverträge im Verteidigungssektor zeichnen sich häufig durch lange Laufzeiten, hohe Eintrittsbarrieren und stabile Erlösstrukturen aus. Für Firefly bedeutet dies eine wertvolle Ergänzung des bisherigen Raumfahrtgeschäfts. Sollte der Markt das Unternehmen künftig nicht mehr ausschließlich als Raketenanbieter, sondern zunehmend als Technologie- und Verteidigungsunternehmen wahrnehmen, könnte sich die Bewertungsdifferenz zu vergleichbaren Unternehmen spürbar verringern.

Bewertung zeigt Aufwärtsspielraum

Beim aktuellen Kursniveau wird Firefly mit dem etwa 14-Fachen des Mittelpunkts der Umsatzprognose für 2026 bewertet. Im Vergleich dazu erscheint die Bewertung moderat.

Besonders auffällig ist der Abstand zu Rocket Lab. Das Unternehmen wird mit einem deutlich höheren Umsatzmultiplikator gehandelt, obwohl Firefly ebenfalls über attraktive Wachstumsperspektiven verfügt und sein Geschäftsmodell zunehmend diversifiziert.

Unter der Annahme eines Umsatzmultiplikators von 20 auf Basis der erwarteten Erlöse von rund 435 Millionen US-Dollar ergibt sich ein Unternehmenswert von etwa 8,7 Milliarden US-Dollar. Bei rund 164 Millionen ausstehenden Aktien nach der Kapitalerhöhung würde dies einem fairen Wert von etwa 53 US-Dollar je Aktie entsprechen. Dieses Kursziel erscheint erreichbar, sofern Firefly die operative Dynamik beibehält und das Verteidigungsgeschäft weiter an Bedeutung gewinnt.

Welche Herausforderungen Anleger im Blick behalten sollten

Zu den wichtigsten Unsicherheitsfaktoren zählt die weitere Entwicklung des Alpha-Startprogramms. Obwohl die bisherigen Missionen erfolgreich verliefen, könnten technische Probleme oder Verzögerungen künftige Starts beeinträchtigen und Umsätze zeitlich verschieben.

Zudem herrscht intensiver Wettbewerb. Rocket Lab konkurriert um Startaufträge, während SpaceX den Markt für mittelgroße Trägerraketen dominiert. Allerdings verfügt Firefly mit seinem Verteidigungssoftwaregeschäft über ein zusätzliches Standbein, das von diesen Wettbewerbern weitgehend unabhängig ist. Darüber hinaus bleibt Blue Ghost bislang das einzige kommerzielle Mondlandesystem mit einer erfolgreichen Mondlandung.

Firefly hat sich in kurzer Zeit von einem klassischen Raketenanbieter zu einem breit aufgestellten Unternehmen an der Schnittstelle von Raumfahrt und Verteidigung entwickelt. Der hohe Auftragsbestand, die starke Umsatzdynamik und die neuen Chancen im Verteidigungsbereich sprechen für weiteres Wachstum. Gelingt die Umsetzung der Wachstumspläne wie erwartet, erscheint das aktuelle Bewertungsniveau im Branchenvergleich sehr attraktiv.

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