Hype-Aktien vor Absturz? Die KI-Euphorie hat an der Börse eine neue Generation von Superstar-Aktien hervorgebracht. Doch je höher die Erwartungen steigen, desto weniger Raum bleibt für Enttäuschungen.
Bei Palantir Technologies (WKN: A2QA4J) und Nebius (WKN: A1JGSL) treffen außergewöhnliche Wachstumsperspektiven auf Bewertungen beziehungsweise Kapitalanforderungen, die Anleger genau im Blick behalten sollten.
Beide Unternehmen profitieren vom Boom rund um künstliche Intelligenz, keine Frage. Die entscheidende Frage ist aber eine ganz andere. Es geht nicht nur darum, ob sie weiter wachsen, sondern ob das Wachstum ausreicht, um die hohen Erwartungen des Kapitalmarkts zu rechtfertigen. Und was ist mit den Burggräben?
Palantir: Das Wachstum ist beeindruckend – die Bewertung aber auch
Palantir Technologies liefert derzeit genau das, was der Markt von einem KI-Profiteur sehen möchte: explosives Wachstum und steigende Profitabilität.
Im zweiten Quartal 2026 kletterte der Umsatz um 93 % auf 1,94 Mrd. US-Dollar. Besonders dynamisch entwickelte sich das US-Geschäft mit Unternehmenskunden, deren Umsatz gleich mal um 149 % zulegte. Auch das US-Regierungsgeschäft wuchs kräftig – um 90 %.
Das Problem liegt also weniger im operativen Geschäft als in der Messlatte, die der Aktienkurs bereits vorgibt. So liegt das für 2026 erwartete KGV von Palantir bei mehr als 120 und bei rund 90 für 2027. Auch das Verhältnis von Unternehmenswert zu Umsatz bewegt sich auf einem außergewöhnlich hohen Niveau.
Damit steht Palantir vor der Herausforderung, nicht einfach nur weiter zu wachsen. Das Unternehmen muss die hohen Erwartungen über Jahre hinweg erfüllen und sich dabei kaum Schwächen leisten.
Daran zweifle ich aber vor allem wegen der Abhängigkeit von einzelnen Großkunden und deren Vertragsdetails. Palantir weist selbst darauf hin, dass zahlreiche Verträge Kündigungsrechte enthalten.
Zudem ist Palantir streng genommen ein Infrastruktur-Anbieter, der KI in Unternehmen erst operativ nutzbar macht. Hierin ist das Unternehmen überaus erfolgreich und verfügt über eine hohe Preissetzungsmacht, da es sich vom reinen Token-Verbrauch entkoppelt und stattdessen den geschaffenen geschäftlichen Wert bepreist.
Aber sollte sich das Wachstum irgendwann normalisieren oder die Investitionsbereitschaft der Kunden in KI nachlassen, könnte auch der Bewertungsaufschlag schrumpfen. Eine solche Mean Reversion, also eine Rückkehr zu niedrigeren Bewertungsniveaus, dürfte dann den Aktienkurs belasten – selbst wenn das Unternehmen weiterhin wächst.
Nebius: Milliarden für KI-Infrastruktur – aber wie nachhaltig sind die Renditen?
Bei der Nebius Group liegt die zentrale Herausforderung an einer anderen Stelle: Das Unternehmen muss ziemlich viel investieren, um im Rennen um KI-Rechenkapazität mitzuhalten.
Allein im ersten Quartal 2026 beliefen sich die Investitionen auf rund 2,5 Mrd. US-Dollar. Der größte Teil floss in GPUs, zugehörige Hardware und den Ausbau von Rechenzentren.
Finanziert wird dieses Wachstum unter anderem über Fremd- und wandelbares Kapital. So wurde allein im März von Nebius rund 4,3 Mrd. US-Dollar über Wandelanleihen aufgenommen. Im Juli folgte gleich eine besicherte Finanzierung über weitere rund 775 Mio. US-Dollar.
Solange leistungsfähige KI-Rechenkapazität knapp ist, kann diese Strategie sehr attraktiv sein. Doch es steckt auch das Risiko dahinter, denn mit zunehmender Verfügbarkeit von GPUs und dem Ausbau eigener Rechenkapazitäten durch große Cloud-Anbieter dürfte der Wettbewerb um Kunden intensiver werden.
Sollten die Preise für Rechenleistung dann deutlich sinken, während Nebius gleichzeitig hohe Investitions- und Finanzierungskosten stemmen muss, würde der Druck auf die Wirtschaftlichkeit steigen. Weitere Kapitalaufnahmen könnten dann schwieriger werden. Für bestehende Aktionäre sind Verwässerungsrisiken heute schon mehr als real.
Der Artikel Finger weg – 2 überbewertete Hype-Aktien, die jetzt vor dem Absturz stehen könnten! ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.