Die Evotec-Aktie erlebt den nächsten schweren Rückschlag. Nachdem das Hamburger Biotech-Unternehmen gestern nachbörslich seine Jahresprognose deutlich gesenkt hatte, reagierten Anleger am Dienstagmorgen mit massiven Verkäufen. Auf Tradegate stürzte die Aktie zeitweise bis auf 3,60 € ab – ein Minus von rund 27% gegenüber dem Xetra-Schlusskurs vom Vortag bei 4,94 €.
Vor dem Xetra-Start setzt zwar eine leichte Gegenbewegung ein und die Aktie kämpft sich wieder in Richtung der 4-€-Marke zurück. Am grundsätzlichen Bild ändert das jedoch wenig: Evotec notiert damit auf dem niedrigsten Kursniveau seit 2016.
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Nächster schwerer Vertrauensbruch
Die Gewinnwarnung kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Erst vor wenigen Monaten hatte das Management Anlegern Zuversicht vermittelt und eine operative Verbesserung für das laufende Geschäftsjahr in Aussicht gestellt. Nun folgt bereits die nächste deutliche Prognosesenkung.
Damit bestätigt sich das Bild, das sich bereits nach den zuletzt enttäuschenden Geschäftszahlen abgezeichnet hatte: Die operative Erholung verläuft deutlich langsamer als erhofft. Für Investoren ist vor allem der erneute Vertrauensverlust problematisch. Wer nach den zahlreichen Rückschlägen der vergangenen Jahre auf eine nachhaltige Stabilisierung gesetzt hatte, sieht sich nun erneut enttäuscht.
Markt straft Management gnadenlos ab
Die Kursreaktion fällt entsprechend drastisch aus. Ein Einbruch um rund 27% innerhalb weniger Handelsstunden zeigt, wie überrascht der Markt von der erneuten Prognosekorrektur wurde. Dass die Aktie vorbörslich aktuell einen Teil der Verluste wieder aufholen kann, dürfte vor allem auf erste Schnäppchenjäger und technische Gegenbewegungen zurückzuführen sein.
Von einer Entwarnung kann jedoch keine Rede sein. Solange das Management keine überzeugende Perspektive für eine nachhaltige operative Verbesserung liefert, dürfte das Vertrauen institutioneller Investoren stark beschädigt bleiben.
Ist der Ausverkauf übertrieben?
Fundamental dürfte Evotec inzwischen deutlich günstiger bewertet sein als noch vor wenigen Monaten. Allerdings zeigt die Vergangenheit, dass eine niedrige Bewertung allein kein Kaufargument ist, wenn gleichzeitig die Ergebnisprognosen immer weiter nach unten angepasst werden.
Bereits in unserer Analyse nach den schwachen Quartalszahlen hatten wir auf die erheblichen operativen Risiken und den schwindenden Vertrauensvorschuss hingewiesen. Die erneute Prognosesenkung bestätigt diese Sorgen eindrucksvoll.
Evotec-Aktie: Bodenbildung oder weiteres Abwärtspotenzial?
Nach dem Absturz auf den tiefsten Stand seit rund zehn Jahren stellt sich nun die Frage, ob die Aktie bereits einen Boden finden kann. Kurzfristig ist nach dem massiven Ausverkauf eine technische Erholung durchaus möglich. Nachhaltig verbessern dürfte sich das Bild jedoch erst dann, wenn Evotec wieder mit positiven operativen Überraschungen statt mit weiteren Gewinnwarnungen aufwartet.
Bis dahin bleibt die Aktie ein hochspekulatives Investment. Der heutige Kurseinbruch zeigt einmal mehr, dass der Kapitalmarkt dem Management derzeit kaum noch Vorschussvertrauen entgegenbringt.
Wie gestern schon erwartet rauscht die Evotec-Aktie auf ein neues Langzeittief. Die erneute Prognosesenkung markiert für Evotec einen weiteren schweren Rückschlag und verschärft die ohnehin angespannte Vertrauenskrise.
Nach dem Kurssturz auf den tiefsten Stand seit 2016 dürfte die Aktie zwar kurzfristig technisch überverkauft sein, für eine nachhaltige Trendwende braucht es jedoch wieder verlässliche operative Fortschritte und vor allem Glaubwürdigkeit des Managements. Der Titel bleibt somit vorerst ein Spielball für Trader.
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Evotec in Kürze
- Evotec (WKN: 566480) mit Sitz in Hamburg ist ein international tätiges Unternehmen im Bereich der pharmazeutischen Wirkstoffforschung.
- In Forschungs- und Entwicklungspartnerschaften mit Biotech-Unternehmen und Pharmakonzernen weltweit erforscht und entwickelt Evotec Wirkstoffkandidaten für Therapieansätze in verschiedensten medizinischen Richtungen.
- Evotec ist Mitglied im TecDAX und gut 700 Millionen € wert.
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