Die europäischen Erdgaspreise sind auf ihren höchsten Stand im Jahr 2024 gestiegen, was auf ein Zusammentreffen von Faktoren zurückzuführen ist, zu denen Versorgungssorgen und ein langsamer als erwarteter Ausbau der Speicher gehören.
Auch wenn die Lagerbestände auf dem gesamten Kontinent relativ komfortabel sind, heizten Ängste vor Störungen der russischen Brennstofflieferungen über die Ukraine die Rallye weiter an. Anfang August wurden Benchmark-Futures zu Preisen über 39 Euro pro Megawattstunde gehandelt.
Der anhaltende Konflikt in der russischen Region Kursk, wo sich ein wichtiger Gaslieferant befindet, hat diese Sorgen verstärkt und die Preise den dritten Tag in Folge in die Höhe getrieben.
Sorgen um die Versorgung treiben die Preise in die Höhe
Der jüngste Preisanstieg wird größtenteils auf die Angst vor Störungen bei der Versorgung der Ukraine mit russischem Gas zurückgeführt.
Am Donnerstag gab der russische Energieriese Gazprom PJSC bekannt, dass der Gastransit über den Einzugspunkt Sudzha – Russlands letzte verbleibende Pipeline-Route nach Europa über die Ukraine – auf 37,3 Millionen Kubikmeter pro Tag festgelegt worden sei. In den letzten Monaten waren also weniger als die üblichen 42 Millionen Kubikmeter zu verzeichnen.
Das nahe der Grenze gelegene Kraftwerk Sudzha ist ein kritischer Punkt für die Gaslieferungen nach Europa, und jede mögliche Störung könnte erhebliche Folgen für die europäischen Energiemärkte haben.
Zwar ist die Gaslieferung über den Transitpunkt Sudzha derzeit noch im Gange, doch der leichte Rückgang hat Alarm ausgelöst, insbesondere angesichts der anhaltenden heftigen Kämpfe in der Region.
Analysten warnen, dass jede weitere Eskalation die Stabilität der Gasversorgung Europas gefährden und die Preise noch weiter in die Höhe treiben könnte.
Schleppender Speicherausbau aufgrund hoher asiatischer Nachfrage
Obwohl die Erdgasspeicher der Europäischen Union (EU) am 6. August zu über 86 Prozent gefüllt waren – und damit deutlich mehr als der Fünfjahresdurchschnitt von 78 Prozent –, ging der Ausbau der Speicher langsamer voran als erwartet.
Dieser Abschwung ist in erster Linie auf den geringeren Zufluss von Flüssigerdgas (LNG) nach Europa zurückzuführen, da die starke asiatische Nachfrage zu einem Transportabfluss vom Kontinent geführt hat.
Die asiatische Nachfrage nach Flüssigerdgas blieb im gesamten Jahr 2024 robust, wobei die Importe in den ersten sieben Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahr um 10,3 % stiegen.
Die Haupttreiber dieses Wachstums waren China und Indien, auf deren Konto 64 % des Nachfrageanstiegs gingen.
Die höhere Nachfrage in Asien hat dazu geführt, dass der Japan Korea Marker (JKM) gegenüber der Dutch Title Transfer Facility (TTF), Europas führendem Gas-Hub, durchweg mit einem Aufschlag gehandelt wird. Dadurch ist es für LNG-Frachten rentabler, nach Asien statt nach Europa zu fahren.
Warren Paterson, Leiter der Rohstoffstrategie bei ING Think, sagte:
„Der verlangsamte Speicheraufbau dürfte die TTF-Preise stützen. Prognosen gehen jedoch weiterhin davon aus, dass die EU-Speicher im Winter 2024/25 wahrscheinlich zu 100 % gefüllt sein werden, sofern es keine erheblichen Angebotsschocks gibt.“
Quelle: Tradingview
Wartung norwegischer Pipelines
Norwegen, das seit Beginn des Ukraine-Krieges Russland als Europas größten Pipeline-Gaslieferanten überholt hat, wird seine Gaslieferungen in die EU im August und September aufgrund planmäßiger Wartungsarbeiten im Sommer voraussichtlich reduzieren.
Analysten warnen, dass jegliche Überschreitungen der Wartungskosten zu einer weiteren Verknappung des Marktes führen könnten, was möglicherweise zu erhöhten LNG-Importen in die EU führen könnte, um die Engpässe auszugleichen.
Die norwegischen Gaslieferungen sind für den europäischen Markt zunehmend wichtiger geworden, und jede Verringerung der Lieferung könnte das bestehende Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage verschärfen und die Preise noch weiter in die Höhe treiben, da auf dem Kontinent die winterliche Heizsaison näher rückt.
Transitroute durch die Ukraine
Die Zukunft der russischen Pipeline-Gaslieferungen durch die Ukraine bleibt weiterhin ungewiss. Die Ukraine hat angedeutet, dass sie den Transitvertrag mit Gazprom, der Ende dieses Jahres ausläuft, nicht verlängern will.
Dies hat den ohnehin schon volatilen Markt noch komplexer gemacht, da die EU nach alternativen Versorgungsquellen sucht.
EU-Energiekommissarin Kadri Simson versicherte, dass es alternative Versorgungswege gebe und Österreich Gas aus Italien und Deutschland importieren könne.
Analysten weisen jedoch darauf hin, dass der Markt weiterhin sensibel auf alle Entwicklungen im Zusammenhang mit diesen Strömen reagiert, wie der jüngste Preisanstieg nach Berichten zeigt, wonach ukrainische Truppen den Grenzübergang Sudzha eingenommen hätten.
Spekulative Aktivitäten
Trotz der relativ komfortablen Lagerbestände bleiben Spekulationsaktivitäten ein Hauptfaktor für die Marktvolatilität.
Laut Energieanalyst Paterson sind Spekulanten „hartnäckig optimistisch“ in Bezug auf den europäischen Erdgasmarkt und halten eine beträchtliche Netto-Long-Position – die größte seit 2021.
Den neuesten Positionierungsdaten zufolge halten Investmentfonds eine Netto-Long-Position von fast 192 TWh, was einen deutlichen Anstieg gegenüber den Netto-Short-Positionen zu Beginn des Jahres 2024 darstellt.
Paterson betonte auch, dass Asien voraussichtlich der dominierende Wachstumsmotor für die globale Gasnachfrage bleiben wird. Dieser Trend dürfte sich auch angesichts der Umstellung der Volkswirtschaften in der Region auf sauberere Brennstoffe nicht ändern. Diese anhaltende Nachfrage aus Asien sowie die anhaltenden geopolitischen Risiken in Europa lassen darauf schließen, dass die Erdgaspreise in den kommenden Monaten hoch bleiben könnten.
Quelle: ING Research
Während in Europa die winterliche Heizsaison beginnt, dürfte die Kombination aus Versorgungsunsicherheit, starker Nachfrage aus Asien und Spekulationsaktivitäten für weiterhin volatil bleibende Erdgaspreise sorgen.
Zwar bieten die Lagerbestände einen gewissen Puffer, dennoch bleibt die Lage am Markt angespannt, und weitere Störungen oder Nachfragespitzen könnten zu erheblichen Preiserhöhungen führen.
Investoren und politische Entscheidungsträger müssen diese Entwicklungen aufmerksam beobachten, um in den kommenden Monaten in der anspruchsvollen Energielandschaft zurechtzukommen.
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