Diese Woche wurde eine der wichtigsten Wirtschaftsdaten aus dem Euroraum veröffentlicht. Am Mittwoch zeigten die endgültigen VPI-Daten für den Euroraum eine Inflationsrate von 6,9 % gegenüber dem Vorjahr.

Luxemburg und Spanien verzeichneten mit 2,9 % bzw. 3,1 % die geringsten Anstiege. Der Durchschnitt von 6,9 % für den Euroraum liegt zwar weit über dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von 2 %, aber immer noch weit unter dem Inflationsniveau in anderen Teilen der Welt. So liegt beispielsweise die Inflation im Vereinigten Königreich nach wie vor im zweistelligen Bereich.

Mit anderen Worten: Es kommt darauf an, was man aus den Daten dieser Woche herauslesen will. Sicherlich sind die Preise für Waren und Dienstleistungen im Euroraum schneller gestiegen, als die EZB erwartet hatte.

Einige ermutigende Anzeichen sind jedoch erwähnenswert.

Median- und Superkerninflation sind im März gesunken

Die Zentralbanken, auch die EZB, ziehen es vor, die Inflation unter Ausschluss der volatilen Preise für Lebensmittel und Energie zu messen. Daher haben die so genannten Kerninflationsdaten einen größeren Einfluss auf die Mitglieder des EZB-Rates bei der Festlegung der Zinssätze.

Wenn sich die Kerninflation im Laufe des Sommers stabilisiert, wird die EZB die Zinssätze um 25 anstelle von 50 Basispunkten anheben.

Warum ist dies also positiv für den EUR/USD-Kurs, wenn die EZB aufgrund der Verbesserung der Kerninflation weniger Zinserhöhungen als bisher vornehmen wird?

Die Antwort kommt von der anderen Seite des Atlantiks, denn die Fed stellt sich auf eine kleine Rezession ein.

Wirtschaftsindikatoren deuten auf eine Rezession der US-Wirtschaft hin

Die Argumente für einen höheren EUR/USD-Kurs stützen sich auf die möglicherweise bevorstehende Divergenz zwischen der Fed und der EZB. Bislang hat die Fed den Leitzins schneller angehoben als die EZB.

Die Wirtschaftsindikatoren haben jedoch in letzter Zeit gezeigt, dass die USA von einer Rezession betroffen sein könnten. Wenn dies der Fall ist, wird die Fed eine Pause einlegen oder die Zinsen senken, die EZB jedoch nicht.

So hat der Leading Economic Index seit 1965 jede Rezession vorhergesagt. Derzeit befindet er sich im rezessiven Bereich – warum sollte es also diesmal anders sein? Auch die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe haben einen gefährlich niedrigen Stand erreicht.

Hinzu kommt die Tatsache, dass die Fed ihre Bilanz um 300 Mrd. $ aufgestockt hat, um angeschlagene Banken zu unterstützen. Darüber hinaus entlassen Technologieunternehmen weiterhin Mitarbeiter, ein Zeichen, das für die US-Wirtschaft noch nie positiv war.

Während die Verbesserungen der Kerninflationsdaten im Euroraum zu geringeren Erhöhungen des Leitzinses durch die EZB führen könnten, dürfte sich der Unterschied zur Fed also verringern. Ein höherer EUR/USD-Kurs ist unter diesen Prämissen sinnvoll.

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