
Laut einem Reuters-Bericht erwägt Indien im Rahmen seiner umfassenderen Handelsverhandlungen mit der Europäischen Union eine schrittweise Senkung der Importzölle auf Autos von über 100 % auf 10 %.
Diese Verschiebung könnte die Struktur des geschützten indischen Automobilmarktes erheblich verändern. Der erneute Vorstoß der EU, einen besseren Marktzugang zu erhalten, hat die lange Zeit stockenden Freihandelsgespräche wiederbelebt, wobei beide Seiten ein Abkommen bis zum Jahresende anstreben.
Während europäische Automobilhersteller wie BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen profitieren könnten, lehnen die heimischen Hersteller weiterhin sofortige Kürzungen ab, insbesondere bei Elektrofahrzeugen (EVs), um ihre Investitionen zu schützen.
Indiens Automarkt unter Druck
Indiens Automobilmarkt, der jährlich rund 4 Millionen Fahrzeuge produziert, weist weltweit einen der höchsten Importzölle auf.
Derzeit werden die meisten importierten Autos mit Zöllen von über 100 % belegt.
Die Regierung von Narendra Modi sei jedoch nun bereit, eine schrittweise Reduzierung auf 10 % zu verhandeln, berichtete das Blatt unter Berufung auf Quellen.
Der Schritt wird im Rahmen der Handelsabkommensverhandlungen mit der EU erwogen, die in den letzten Wochen ihre Forderungen nach einer Liberalisierung der Autoimporte verschärft hat.
Indiens überarbeitete Haltung wird auch im Kontext ähnlichen Drucks aus den USA gesehen, wo die Regierung von Präsident Donald Trump im Rahmen bilateraler Handelsgespräche die Abschaffung von Zöllen auf Autos und Elektrofahrzeuge anstrebt.
Dem Bericht zufolge informierte das indische Handelsministerium kürzlich Beamte des Ministeriums für Schwerindustrie und führende Vertreter der Automobilindustrie über die Forderungen der EU.
Ein Treffen fand letzte Woche statt, obwohl das Ministerium oder die Society of Indian Automobile Manufacturers (SIAM) keine offiziellen Details veröffentlicht haben.
EU und USA streben Zollsenkungen an.
Die EU ist nicht der einzige Block, der Indien unter Druck setzt, seinen Automobilsektor zu öffnen.
Wochen bevor die EU ihre Bemühungen erneuerte, forderte auch die Trump-Regierung im Rahmen ihrer Handelsagenda mit Indien ähnliche Zollsenkungen.
Die Überschneidungen der Positionen der USA und der EU haben zusätzlichen Druck auf die indischen Verhandlungsführer ausgeübt und die Besorgnis unter den inländischen Automobilunternehmen verstärkt.
Indiens aktueller Vorschlag, so der Bericht, spiegelt sein Angebot an die USA wider.
Es beinhaltet eine anfängliche Reduzierung einer begrenzten Anzahl von Benzinautos auf 70 %, mit schrittweisen Kürzungen auf 30 %.
Für Elektrofahrzeuge hat die Branche vorgeschlagen, die Tarifänderungen bis 2029 zu verschieben und anschließend schrittweise Reduzierungen für eine begrenzte Anzahl von Importen, ebenfalls auf 30 %, vorzunehmen.
Diese Struktur zielt darauf ab, Unternehmen wie Tata Motors und Mahindra & Mahindra zu schützen, die erhebliche Investitionen in Indiens EV-Sektor getätigt haben und argumentieren, dass ein zu früher Importwettbewerb die junge heimische Industrie schädigen könnte.
Niedrigere Zölle könnten der EU und Tesla helfen.
Bei Genehmigung wäre die Tarifsenkung ein großer Erfolg für europäische Automobilhersteller.
Tesla, das noch in diesem Jahr mit dem Verkauf importierter Elektrofahrzeuge in Indien beginnen will, wahrscheinlich aus seinem Werk in Berlin, könnte ebenfalls von niedrigeren Markteintrittsbarrieren profitieren.
Obwohl unklar ist, ob Indien der EU formell die 10-prozentige Zollstruktur angeboten hat, stellen Analysten fest, dass beide Seiten mehr Flexibilität zeigen.
Die Dringlichkeit wird durch die Angst vor einem globalen Wirtschaftsabschwung und Handelskonflikten verstärkt.
Im März räumte die Europäische Kommission ein, dass in wichtigen Punkten „unterschiedliche Ambitionsniveaus“ bestehen, was auf erhebliche, noch zu überwindende Lücken hindeutet.
Die Kommission hat sich nicht zu den Einzelheiten des aktuellen Vorschlags geäußert, sondern eine Zusammenfassung ihres letzten Treffens mit Indien veröffentlicht.
Die Gespräche zielen auf eine Frist bis 2025 ab.
Indien und die EU führen seit Jahren Handelsgespräche, aber erst im Februar verpflichteten sie sich, bis Ende 2025 ein Abkommen abzuschließen.
Jüngste Entwicklungen, darunter der erneute Druck der USA und die weltweit eskalierenden Zölle, haben den Verhandlungen neuen Schwung verliehen.
Sowohl Indien als auch die EU überdenken ihre Positionen, um ihre Einflussmöglichkeiten zu maximieren.
Da die EU einen tieferen Zugang zum indischen Konsumentenmarkt anstrebt und Indien angesichts wachsender geopolitischer Spannungen strategische Beziehungen sucht, dürfte die Frage der Autozölle in den kommenden Monaten ein wichtiges Verhandlungsinstrument sein.
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