Während viele Anleger zuletzt auf Technologiewerte setzten, blieb die Aktie von Energy Transfer in den vergangenen Wochen trotz starker Geschäftszahlen hinter den Erwartungen zurück. Das macht die Papiere des US-Energiekonzerns für langfristig orientierte Investoren wieder interessanter.

Als wesentlicher Grund für die schwache Kursentwicklung seit Ende Mai gilt die letzteveränderte Anlegerstimmung. Energieaktien profitierten zeitweise von geopolitischen Spannungen im Nahen Osten, die Sorgen über mögliche Einschränkungen bei Öl- und Gaslieferungen auslösten. Obwohl Midstream-Unternehmen wie Energy Transfer aufgrund ihres Geschäftsmodells nur begrenzt von Rohstoffpreisen abhängig sind, sorgte die positive Marktstimmung dennoch für steigende Bewertungen. Mit der Entspannung der Lage und der Normalisierung der Öl- und Gaspreise ließ dieser Rückenwind jedoch wieder nach.

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Deutliches Gewinnwachstum in nahezu allen Geschäftsbereichen

Im ersten Quartal stieg das EBITDA um rund 800 Millionen US-Dollar auf 4,9 Milliarden US-Dollar. Dies entspricht einem Wachstum von etwa 20 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Besonders stark entwickelte sich das Segment Flüssiggas und raffinierte Produkte, dessen EBITDA um knapp 23 Prozent auf 1,2 Milliarden US-Dollar zulegte. Treiber waren höhere Margen bei Propan und Butan, zusätzliche Verarbeitungsanlagen, Absicherungsgeschäfte sowie der Wegfall von Wertberichtigungen.

Im Rohölgeschäft erhöhte sich das EBITDA um 17 Prozent auf 869 Millionen US-Dollar. Höhere Rohölpreise, Anpassungen bei Rechtsstreitigkeiten sowie Erlöse aus Neuverträgen wirkten sich positiv aus. Das Segment Intrastate Natural Gas verzeichnete einen EBITDA-Anstieg von 27 Prozent, unterstützt durch eine Wintersturmphase in Texas, die die Auslastung der Gas- und Speicherinfrastruktur erhöhte. Im Interstate-Geschäft blieb das Ergebnis mit einem Plus von 1,5 Prozent auf 519 Millionen US-Dollar weitgehend stabil. Dagegen sank das EBITDA im Midstream-Segment um rund vier Prozent auf 887 Millionen US-Dollar. Höhere Fördermengen im Permian Basin und zusätzliche Kapazitäten konnten niedrigere Preise für Erdgas und Flüssiggas sowie einen positiven Sondereffekt aus dem Vorjahr nicht vollständig kompensieren.

Bemerkenswert ist, dass die operative Dynamik nicht ausschließlich auf Einmaleffekten beruhte. Zwar trugen nicht wiederkehrende Faktoren mehr als 330 Millionen US-Dollar zum EBITDA bei, doch auch das Kerngeschäft legte um rund 16 Prozent zu.

Das Fundament für weiteres Wachstum wird breiter

Trotz der zuletzt nachlassenden Marktbegeisterung verfügt Energy Transfer weiterhin über attraktive strukturelle Wachstumsaussichten. Das Unternehmen profitiert von einem Geschäftsmodell mit hoher Planbarkeit und vergleichsweise geringer Abhängigkeit von Schwankungen der Rohstoffpreise.

Rund 90 Prozent des EBITDA stammen aus gebührenbasierten Verträgen. Lediglich fünf bis zehn Prozent des operativen Ergebnisses hängen direkt von der Entwicklung der Öl- und Gaspreise ab. Damit bleibt das Unternehmen auch in einem Umfeld niedrigerer Energiepreise vergleichsweise widerstandsfähig.

Zusätzliche Chancen ergeben sich aus einer umfangreichen Projektpipeline. Geplant beziehungsweise im Bau befinden sich 15 Erdgasprojekte, zehn Projekte im Bereich Flüssiggas sowie vier Rohölprojekte. Insbesondere die Erweiterung von Exportkapazitäten für Flüssiggas könnte von einer weltweit steigenden Nachfrage nach nordamerikanischen Energieressourcen profitieren. Gleichzeitig dürfte der zunehmende Energiebedarf durch Rechenzentren und Anwendungen im Bereich Künstliche Intelligenz die Bedeutung der Infrastruktur von Energy Transfer weiter erhöhen.

Milliardeninvestitionen ebnen Weg für höhere Erträge

Für das Jahr 2026 hat das Management die EBITDA-Prognose von zuvor 17,45 bis 17,85 Milliarden US-Dollar auf nunmehr 18,2 bis 18,6 Milliarden US-Dollar angehoben. Parallel dazu wurde die Prognose für wachstumsorientierte Investitionen von 5,0 bis 5,5 Milliarden US-Dollar auf 5,5 bis 5,9 Milliarden US-Dollar erhöht.

Zwar werden steigende Investitionsausgaben häufig kritisch betrachtet, da sie kurzfristig den freien Cashflow belasten. Bei Infrastrukturunternehmen im Energiebereich bilden sie jedoch die Grundlage für künftiges Gewinnwachstum. Historisch betrachtet erzeugen solche Investitionen häufig ein EBITDA-Potenzial, das dem Fünf- bis Sechsfachen des eingesetzten Kapitals entspricht.

Auf Basis der aktuellen Investitionspläne könnten die diesjährigen Wachstumsprojekte künftig zusätzliche EBITDA-Beiträge zwischen 900 Millionen und 1,1 Milliarden US-Dollar generieren. Unter der Annahme, dass rund drei Viertel der geplanten Investitionen tatsächlich wachstumsorientiert sind, könnte bis 2028 ein Investitionsvolumen von etwa 15 Milliarden US-Dollar aufgebaut werden. Daraus ergibt sich langfristig ein zusätzliches EBITDA-Potenzial von 2,5 bis 3 Milliarden US-Dollar pro Jahr.

Bewertungsniveau lässt Raum für steigende Kurse

Die aktualisierten Schätzungen zeigen ein differenziertes Bild. Die EBITDA-Erwartungen wurden um 3,4 Prozent angehoben. Gleichzeitig wurden die Prognosen für den freien Cashflow um 15,5 Prozent reduziert. Der Großteil dieser Anpassung ist jedoch auf die höheren Investitionen zurückzuführen. Weitere Belastungen ergeben sich aus zeitlichen Verschiebungen bei Forderungen und Verbindlichkeiten sowie höheren Lagerbeständen.

Dennoch erscheint die Bewertung weiterhin attraktiv. Auf Basis der erwarteten Geschäftsentwicklung bis 2026 ergibt sich ein Kurspotenzial von rund 25 Prozent. Daraus leitet sich ein Kursziel von 23,84 US-Dollar ab. Darüber hinaus könnten die langfristigen Wachstumseffekte der laufenden Investitionsprogramme nach 2026 zusätzliche Wertsteigerungen ermöglichen.

Positiveffekte von Investitionen werden erst später sichtbar

Energy Transfer befindet sich in einer Phase hoher Investitionstätigkeit. Je nach Projekt können zwischen Baubeginn und vollständiger Inbetriebnahme sechs bis 48 Monate vergehen. Hinzu kommt eine Anlaufphase, bevor die Anlagen ihren vollen Ergebnisbeitrag liefern.

Daher dürfte ein erheblicher Teil der aktuellen Investitionen erst nach 2028 vollständig im EBITDA sichtbar werden. Gleichzeitig bewegt sich das Unternehmen weiterhin innerhalb eines gesunden Verschuldungsrahmens und bietet Anlegern eine attraktive laufende Ausschüttungsrendite von über 7 Prozent.

Die operative Entwicklung von Energy Transfer zeigt klar nach oben, während die Börse bislang nur verhalten reagiert. Mit steigenden Prognosen, einer gut gefüllten Projektpipeline und langfristigen Wachstumstreibern könnte die aktuelle Bewertung weiteres Potenzial bieten. Dividendenjäger erhalten hier zudem ein stattliches passives Einkommen.

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