Umsatz steigt. Gewinn steigt. Das Management spricht von Rekorden. Eigentlich müsste die Aktie damit ein gutes Investment sein.
Doch manchmal wächst ein Unternehmen – und seine Aktionäre profitieren trotzdem kaum davon. Im schlimmsten Fall sinkt sogar der wirtschaftliche Anteil, den jeder einzelne Anteilsschein am Unternehmen besitzt.
Der Grund dafür ist eine Kennzahl, die in vielen Quartalsberichten deutlich weniger Aufmerksamkeit bekommt als Umsatz oder Gewinn: die Zahl der ausstehenden Aktien.
Wenn Wachstum nicht beim Aktionär ankommt
Nehmen wir ein vereinfachtes Beispiel. Ein Unternehmen verdient 1 Mrd. Euro und hat 100 Mio. Aktien ausgegeben. Damit entfallen 10 Euro Gewinn auf jede Aktie.
Ein Jahr später steigt der Gewinn um starke 20 % auf 1,2 Mrd. Euro. Das klingt zunächst hervorragend. Gleichzeitig hat das Unternehmen jedoch neue Aktien ausgegeben, sodass inzwischen 130 Mio. Anteilsscheine existieren.
Das Ergebnis: Der Gewinn je Aktie sinkt auf rund 9,23 Euro.
Der Konzern ist größer geworden. Der Gesamtgewinn ist gestiegen. Für den einzelnen Aktionär bleibt trotzdem weniger übrig.
Genau das ist Verwässerung.
Warum Unternehmen neue Aktien ausgeben
Die Ausgabe neuer Aktien ist nicht automatisch schlecht. Unternehmen nutzen sie beispielsweise, um Übernahmen zu finanzieren, Mitarbeiter zu vergüten oder Kapital für weiteres Wachstum aufzunehmen. Gerade junge Wachstumsunternehmen greifen häufig auf aktienbasierte Vergütung zurück, um talentierte Beschäftigte zu gewinnen und gleichzeitig Liquidität zu schonen.
Entscheidend ist deshalb nicht allein, dass die Aktienzahl steigt. Entscheidend ist, ob das Unternehmen mit dem zusätzlichen Kapital mehr wirtschaftlichen Wert schafft, als die Verwässerung kostet.
Steigt der Gewinn je Aktie trotz einer höheren Aktienzahl weiter kräftig, kann die Rechnung aufgehen. Wächst dagegen nur der Gesamtumsatz, während Gewinn und freier Cashflow je Aktie stagnieren, sollten Anleger genauer hinsehen.
Die Kennzahlen, auf die ich achte
Bei Wachstumsunternehmen reicht mir deshalb der Blick auf Umsatz und Nettogewinn längst nicht mehr. Ich möchte wissen, wie sich der Gewinn je Aktie entwickelt, ob der freie Cashflow je Aktie steigt und wie stark sich die Zahl der ausstehenden Aktien verändert hat.
Gerade der freie Cashflow je Aktie zeigt häufig, ob das Wachstum wirklich bei den Eigentümern ankommt. Denn steigende Einnahmen allein helfen wenig, wenn der Kapitalbedarf ebenfalls wächst oder immer neue Aktien ausgegeben werden müssen.
Der Gegenpol dazu sind Aktienrückkäufe. Zieht ein Unternehmen eigene Aktien ein, verteilt sich der Gewinn auf weniger Anteilsscheine. Der wirtschaftliche Anteil jedes verbliebenen Aktionärs steigt dadurch automatisch.
Wachstum hat nur je Aktie einen Wert
Die Börse liebt große Zahlen. Mehr Umsatz, mehr Kunden, mehr Gewinn und neue Rekorde lassen sich hervorragend verkaufen.
Für Aktionäre zählt jedoch eine andere Perspektive. Nicht wie groß das Unternehmen insgesamt wird, sondern wie viel wirtschaftlicher Wert auf den einzelnen Anteilsschein entfällt.
Deshalb ist Wachstum für mich nur dann wirklich attraktiv, wenn es auch je Aktie sichtbar wird.
Alles andere kann im Geschäftsbericht beeindruckend aussehen – und den Aktionär trotzdem ärmer machen.
Der Artikel Diese Aktie wächst jedes Jahr – und macht dich trotzdem ärmer! ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.