Wenn die Börse fällt, geraten viele Geschäftsmodelle unter Druck. Banken fürchten Kreditausfälle, zyklische Unternehmen schwächere Nachfrage und Anleger sinkende Gewinne.
Es gibt allerdings Unternehmen, bei denen Unruhe an den Märkten zumindest teilweise den gegenteiligen Effekt haben kann. Ein Beispiel dafür ist die Deutsche Börse (WKN: 581005). Denn wenn Investoren nervös werden, handeln sie häufig mehr, sichern Positionen ab und greifen verstärkt zu Derivaten.
Wenn Nervosität das Geschäft belebt
Das Geschäftsmodell der Deutschen Börse ist deutlich breiter als der klassische Aktienhandel. Über Eurex verdient der Konzern beispielsweise am Handel und Clearing von Derivaten auf Aktienindizes, Zinsen oder einzelne Wertpapiere. Hinzu kommen unter anderem das Wertpapiergeschäft von Clearstream sowie Daten-, Index- und Analysedienstleistungen.
Gerade die Handels- und Clearingaktivitäten können von Unsicherheit profitieren. Wenn Zinsen stark schwanken, Aktienmärkte einbrechen oder Anleger Risiken absichern möchten, steigt häufig die Aktivität. Das zeigte sich beispielsweise 2025 bei Zinsderivaten: Unsicherheit über die Geldpolitik trug dazu bei, dass das Handelsvolumen bei entsprechenden Eurex-Kontrakten um 8 % auf mehr als 1 Mrd. Kontrakte zunahm.
Das bedeutet natürlich nicht, dass jeder Crash automatisch zu einem Gewinnsprung führt. Die Deutsche Börse besitzt verschiedene Geschäftsbereiche mit unterschiedlichen Einflussfaktoren. Trotzdem gefällt mir die grundlegende Mechanik: Ein Teil des Geschäfts benötigt keine dauerhaft steigenden Aktienkurse, um zu funktionieren.
Nicht nur vom nächsten Bullenmarkt abhängig
Genau das unterscheidet einen Börsenbetreiber von vielen anderen Unternehmen. Die Deutsche Börse verdient nicht primär daran, dass der DAX steigt. Sie verdient daran, dass Marktteilnehmer ihre Infrastruktur nutzen.
Gehandelt wird schließlich in beide Richtungen. Wer optimistisch ist, kauft. Wer pessimistisch ist, verkauft oder sichert sich ab. Und wer bei Zinsen, Währungen oder Aktien Risiken reduzieren möchte, kann ebenfalls auf entsprechende Handels- und Clearinglösungen angewiesen sein.
Gleichzeitig besitzt der Konzern zunehmend Einnahmequellen, die weniger unmittelbar vom täglichen Handelsvolumen abhängen. Daten, Indizes, Analysen und Dienstleistungen entlang der Kapitalmarktinfrastruktur verbreitern das Geschäftsmodell. Für mich macht gerade diese Mischung die Ökonomie hinter solchen Unternehmen interessant.
Aber bitte nicht das Depot für den Crash bauen
An dieser Stelle würde ich trotzdem einen entscheidenden Fehler vermeiden. Ich würde niemals irgendeine Aktie kaufen, nur weil sie möglicherweise vom nächsten Börsencrash profitiert. Wer langfristig investiert, sollte sein Depot nicht danach zusammenstellen, welches Weltuntergangsszenario als Nächstes eintreten könnte.
Entscheidend bleiben aus meiner Sicht die gleichen Fragen wie bei jedem anderen Investment: Besitzt das Unternehmen einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil? Kann es langfristig wachsen? Erwirtschaftet es attraktive Kapitalrenditen und Cashflows? Und bekomme ich diese Qualität zu einem vernünftigen Preis?
Wenn diese Punkte stimmen, kann ein Geschäftsmodell, das in turbulenten Marktphasen zusätzliche Aktivität verzeichnet, ein angenehmer Nebeneffekt sein. Nicht als Versicherung gegen jeden Kursrutsch, sondern als zusätzliche Qualität eines ohnehin starken Unternehmens.
Genau deshalb mag ich solche Geschäftsmodelle
Die vielleicht interessanteste Erkenntnis lautet für mich deshalb nicht, dass man mit einer Aktie an Börsenpanik verdienen kann. Viel wichtiger ist, wie unterschiedlich Unternehmen auf dasselbe wirtschaftliche Umfeld reagieren.
Ein gutes langfristiges Depot muss nicht aus Aktien bestehen, die alle von denselben Voraussetzungen abhängig sind. Unternehmen mit unterschiedlichen Erlösquellen können dazu beitragen, dass nicht jedes Geschäftsmodell gleichzeitig unter denselben Problemen leidet.
Aber der Ausgangspunkt bleibt immer das Unternehmen selbst. Wir sollten keine schwache Aktie kaufen, nur weil wir Angst vor Volatilität haben.
Viel interessanter ist ein starkes Unternehmen, dessen Geschäft sogar dann funktionieren kann, wenn es an der Börse gerade unangenehm wird.
Der Artikel Diese Aktie verdient mehr Geld, wenn an der Börse Panik herrscht ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.