Eine Dividendenverdopplung klingt normalerweise nach einer ziemlich ambitionierten Wachstumsstory. Der Gewinn muss kräftig steigen, der freie Cashflow ebenfalls und irgendwann kann das Management die Ausschüttung entsprechend anheben.
Es gibt allerdings noch einen zweiten Weg. Einen, den ich bei Dividendenaktien gerne übersehe, obwohl er über Jahre einen gewaltigen Unterschied machen kann.
Das Unternehmen muss nicht zwingend mehr verdienen. Es kann den gleichen Gewinn einfach auf immer weniger Aktien verteilen.
Die Rechnung ist verblüffend einfach
Nehmen wir ein Unternehmen mit 1 Mrd. Euro Jahresgewinn und 100 Mio. ausstehenden Aktien. Damit verdient jede Aktie 10 Euro. Werden konstant 50 % des Gewinns ausgeschüttet, beträgt die Dividende 5 Euro je Aktie.
Jetzt stellen wir uns vor, dass der Gewinn über Jahre bei exakt 1 Mrd. Euro stagniert. Gleichzeitig kauft das Unternehmen jedoch kontinuierlich eigene Aktien zurück und zieht sie ein. Sinkt die Zahl der Anteilsscheine irgendwann von 100 auf 50 Mio., entfallen plötzlich 20 Euro Gewinn auf jede verbliebene Aktie.
Bei derselben Ausschüttungsquote von 50 % wären nun 10 Euro Dividende je Aktie möglich.
Der Gewinn des Unternehmens: kein Cent höher. Die Dividende je Aktie: verdoppelt.
Natürlich wäre eine Halbierung der Aktienzahl ein extremes Beispiel und würde erhebliche finanzielle Mittel benötigen. Der Mechanismus dahinter funktioniert aber schon bei deutlich kleineren Rückkäufen.
Genau deshalb mag ich die Münchener Rück
Ein reales Beispiel dafür ist für mich die Münchener Rück (WKN: 843002). Der Rückversicherer kombiniert seit Jahren Dividenden mit Aktienrückkäufen. Für das Geschäftsjahr 2025 wurden 24 Euro je Aktie ausgeschüttet, nach 20 Euro im Jahr zuvor. Gleichzeitig hat der Konzern ein weiteres Rückkaufprogramm mit einem Volumen von bis zu 2,25 Mrd. Euro beschlossen.
Das Spannende daran ist nicht nur, dass überschüssiges Kapital an die Aktionäre zurückfließt. Die zurückgekauften Aktien sollen eingezogen werden. Damit verteilt sich der zukünftige Gewinn auf weniger Anteilsscheine.
Wächst der Gewinn gleichzeitig, arbeiten sogar zwei Hebel in dieselbe Richtung: Der Kuchen wird größer und muss unter weniger Aktionären aufgeteilt werden.
Rückkäufe sind allerdings nicht automatisch gut
Genau an dieser Stelle lohnt sich ein kritischer Blick. Ein Unternehmen kann auch Kapital vernichten, wenn es eigene Aktien zu völlig überzogenen Bewertungen zurückkauft. Einen Euro Unternehmenswert für zwei Euro zu kaufen, wird nicht dadurch attraktiv, dass das Management „Aktienrückkauf“ darüber schreibt.
Ich mag Rückkäufe deshalb besonders bei profitablen Qualitätsunternehmen, die genügend überschüssiges Kapital erwirtschaften und ihre eigenen Aktien zu zumindest vernünftigen Preisen erwerben können. Dann werden sie zu einem stillen Renditetreiber, dessen Wirkung sich über viele Jahre akkumuliert.
Auf diese Dividendenkennzahl schaue ich deshalb genauer
Bei einer Dividendenaktie interessiert mich folglich längst nicht mehr nur, wie hoch die aktuelle Rendite ausfällt oder wie stark der Gewinn wachsen könnte. Ich schaue auch darauf, was mit der Zahl der Aktien passiert.
Steigt sie dauerhaft, muss der Gewinn erst einmal die Verwässerung kompensieren. Sinkt sie dagegen kontinuierlich, besitzt jede verbleibende Aktie einen immer größeren Anteil am Unternehmen.
Und genau deshalb kann eine Dividende langfristig sogar dann steigen, wenn der Gesamtgewinn einmal eine längere Pause einlegt.
Weniger Aktien können für den einzelnen Aktionär schlicht mehr bedeuten.
Der Artikel Diese Aktie könnte ihre Dividende verdoppeln – ohne einen Cent mehr Gewinn ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.