Welch’ ein Trauerspiel: Die Aktie der Deutschen Bank (WKN: 514000) ist gestern um -12% auf ein neues Langzeittief bei 8,51 € eingebrochen. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf 25%. Heute Morgen gibt das Papier weiter stark nach. Nennenswerte Nachrichten gab es nicht, wenn überhaupt sogar eine eher positive: Das Geldhaus hat einen US-Stresstest problemlos bestanden. Was hat also zu dem Kursabsturz geführt, und worauf müssen sich Anleger jetzt einstellen?

Die Deutsche Bank ist nach Bilanzsumme und Mitarbeiterzahl das mit Abstand größte Kreditinstitut Deutschlands. Das Unternehmen mit Sitz in Frankfurt am Main ist als Universalbank tätig und unterhält bedeutende Niederlassungen in London, New York City, Singapur, Hongkong und Sydney.

Es ist erst wenige Tage her, da haben wir in diesem Artikel geraten, derzeit von einem Investment eher Abstand zu nehmen. Das Geldhaus weckt derzeit nicht gerade Vertrauen bei Anlegern, nachdem es zuletzt Geldwäschevorwürfe und infolgedessen Razzien gegeben hat.

Offenbar Shortseller am Werk

Da es im Prinzip keine News gab, dürfte der gestrige Absturz auf eine kräftige Attacke von Shortsellern zurückzuführen sein. In einem stark belasteten Marktumfeld mit einem DAX-Index, der gestern unter die Marke von 13.000 gefallen ist, haben die Bären natürlich leichtes Spiel. Erst recht bei einem Konzern, bei dem sich Staatsanwälte die Klinke in die Hand geben. So etwas schürt Unsicherheit – ein gefundenes Fressen für Shortseller.

Die nächste schlechte Nachricht

Noch nicht eingepreist dürfte eine Nachricht sein, die erst gestern Abend über den Ticker lief: Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, nimmt die Bank anscheinend finanzielle Belastungen in Kauf, die durch die Nutzung von Nachrichtendiensten wie WhatsApp auf sie zukommen. Die US-Behörden ermitteln demzufolge gegen einige Finanzinstitute wegen der Nutzung privater Kommunikationskanäle.

Geschäftlich läuft es besser

Geschäftlich steht die Deutsche Bank eigentlich mittlerweile viel besser da, der durch Konzernchef Christian Sewing eingeleitete radikale Umbruch mit dem Streichen Tausender Stellen macht sich bezahlt. So hat das Institut im ersten Quartal einen Vorsteuergewinn von 1,7 Milliarden € erzielt, ein Plus von 4% gegenüber dem Vorjahr. Nach Abzug der Steuern blieben 1,2 Milliarden € (+18% gegenüber Vorjahr).

Das war laut Konzernchef Christian Sewing sogar der höchste Quartalsgewinn seit neun Jahren.

Ein eher trübes Bild

Anlegern hilft das zurzeit leider wenig. Eine bescheidene Dividende von 0,20 €, wie sie zuletzt ausgeschüttet wurde, schenkt auch keinen Trost. Dass ein Aktienrückkaufprogramm über insgesamt 300 Millionen €, das vom 14. März bis 22. April lief, längst abgeschlossen ist und damit keine kursstützende Wirkung mehr entfalten kann, rundet das eher trübe Bild ab.

Charttechnisch kommt immer stärker das Jahresverlaufstief bei 8,16 € in Sicht. Aus meiner Sicht wäre es fast ein Wunder, wenn sich die Bären diese Chance entgehen ließen. Der Abgabedruck dürfte also anhalten.

Aktie besser weiterhin meiden

Zwar ist der Konzern aktuell mit knapp unter 18 Milliarden € an der Börse bewertet und die Aktie mit einem KGV von rund 8 auf den ersten Blick recht günstig. Ich würde sie angesichts des misslichen Umfelds für DAX-Titel insgesamt und der ungeklärten Geldwäschevorwürfe dennoch weiterhin meiden.

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