Das Kurs-Gewinn-Verhältnis KGV ist eine der bekanntesten und am häufigsten verwendeten Kennzahlen, wenn es darum geht, Aktien zu analysieren und deren Wert einzuschätzen. 

Es ist ein einfacher Indikator, der hilft, den Preis einer Aktie im Verhältnis zu den Gewinnen des Unternehmens zu bewerten. Schauen wir uns an, was das KGV genau ist und wie es funktioniert und machen wir zum Abschluss einen Test, wie gut das KGV funktioniert.

Was ist das KGV?

Das KGV steht für Kurs-Gewinn-Verhältnis und wird berechnet, indem man den aktuellen Aktienkurs eines Unternehmens durch den Gewinn pro Aktie (englisch: Earnings per Share, EPS) teilt. Die Formel lautet:

Aktienkurs/Gewinn je Aktie

Angenommen, eine Aktie kostet 50 Euro und das Unternehmen hat einen Gewinn pro Aktie von 5 Euro erzielt, dann beträgt das KGV:

KGV = 50/5=10

Das bedeutet, dass Anleger bereit sind, das 10-fache des jährlichen Gewinns pro Aktie zu zahlen, um diese Aktie zu kaufen.

Was sagt das KGV aus?

Das KGV gibt an, wie teuer oder günstig eine Aktie im Vergleich zu den Gewinnen des Unternehmens ist. Ein hohes KGV deutet darauf hin, dass Anleger hohe Erwartungen an zukünftige Gewinne haben, während ein niedriges KGV darauf hindeuten könnte, dass die Aktie unterbewertet ist oder die Erwartungen an die zukünftigen Gewinne niedriger sind.

Hohes KGV

Wenn eine Aktie ein hohes KGV hat (z. B. 30 oder mehr), erwarten Anleger, dass das Unternehmen in der Zukunft stark wächst und höhere Gewinne erzielt. Dies ist oft bei Technologieunternehmen oder jungen, schnell wachsenden Firmen der Fall.

Niedriges KGV

Ein niedriges KGV (z. B. unter 10) könnte bedeuten, dass die Aktie unterbewertet ist oder das Unternehmen in einer schwierigen Lage steckt. Es kann aber auch einfach ein Zeichen dafür sein, dass das Unternehmen stabil ist, aber kein hohes Wachstum mehr erwartet wird.

Wie sinnvoll ist das KGV?

Das KGV ist besonders nützlich, wenn man Aktien innerhalb derselben Branche vergleicht. Unterschiedliche Branchen haben unterschiedliche typische KGV-Werte. Beispielsweise haben Technologieunternehmen oft höhere KGVs, da sie als wachstumsstark gelten, während Versorgungsunternehmen (wie Energie- oder Wasseranbieter) oft niedrigere KGVs haben, da ihr Geschäft stabil, aber wenig wachstumsintensiv ist.

Doch Generell ist, wie wir später noch sehen werden, das KGV als alleinige Kennzahl mit Vorsicht zu genießen.

Grenzen des KGV

Das KGV hat jedoch auch seine Schwächen, wie wir noch sehen werden. Es sollte daher niemals isoliert betrachtet werden, da es nicht immer die ganze Wahrheit über eine Aktie oder ein Unternehmen aussagt. Hier sind einige Einschränkungen:

  1. Gewinnschwankungen. Wenn ein Unternehmen vorübergehend niedrige Gewinne hat, kann das KGV künstlich hoch erscheinen, obwohl das Unternehmen solide ist.
  2. Verlustjahre. Bei Unternehmen, die Verluste machen, ist das KGV nicht anwendbar, da der Gewinn pro Aktie negativ ist.
  3. Unterschiedliche Branchen. Das KGV variiert stark zwischen Branchen, sodass ein Vergleich über Branchen hinweg wenig aussagekräftig ist.

Erstes Fazit

Das KGV ist ein nützliches Werkzeug, um eine Aktie zu bewerten, aber es ist kein Allheilmittel. Es sollte immer zusammen mit anderen Kennzahlen und in einem breiteren Kontext betrachtet werden. 

Für Anleger ist es wichtig, das KGV zu verstehen, um fundierte Entscheidungen zu treffen. Ein niedriger Wert kann ein Schnäppchen bedeuten – oder auf Probleme hindeuten. Ein hoher Wert kann auf Wachstumspotenzial hinweisen – oder auf eine Überbewertung. Es kommt auf die Details an.

Das KGV im Praxis Test

Haben sie sich schon mal gefragt, ob es überhaupt sinnvoll ist, Aktien nach KGV auszuwählen? Denn nur weil etwas von vielen gemacht wird bedeutet das ja nicht automatisch, dass das ein guter Plan ist. Unterziehen wir das Kurs Gewinn Verhältnis also einem Praxistest.

Gehen wir davon aus, dass ein KGV von kleiner 20 als günstig und ein KGV über 20 als teuer gilt.

Und diese beiden Teilgruppen haben wir isoliert untersucht, was man backtesten nennt.

Zuerst sehen wir den Backtest über die letzten10 Jahre mit den billigen Aktien. Wie wir an den Kennzahlen und der Grafik sehen – wir machen zwar Gewinne aber wir hinken der Rendite des Index hinterher. 

10% pro Jahr Gewinn mit den billigen Aktien, während der Gesamtmarkt mehr als 13% pA macht. Wir lassen also Geld liegen. Oder anders gesagt: wir können uns die Mühe sparen und legen unser Geld besser passiv in den Gesamtmarkt an.

Blaue Kurve = Gesamtmarkt SaP 500

Rote Kurve = Unser Handelssystem mit den billigen Aktien KGV < 20

Als nächstes sehen wir den Backtest über den gleichen Zeitraum mit Aktien deren KGV größer 20 ist. Wir sind nun besser, schlagen aber erneut nicht den Markt. Die Rendite liegt bei 11,62% – bei den bereits erwähnten 13% des Gesamtmarktes. Aber ein höheres KGV ist besser als ein niedriges. Interessant, oder?

Blaue Kurve = Gesamtmarkt SaP 500

Rote Kurve = Unser Handelssystem mit den teuren Aktien KGV > 20

Während gefühlt die halbe Welt in vermeintlich billige Aktien investiert, in dem Glauben, dass das besser ist, zeigen erste einfache Tests, dass es eben nicht so einfach ist. Natürlich ist diese simple Analyse nicht erschöpfend, aber es ist hier ja ein einfacher Blog Beitrag der sie sensibilisieren soll. 

Es geht darum, die Investments analytisch zu betrachten. Und es geht darum, skeptisch zu sein und nicht alles zu glauben, was irgendwo geschrieben steht. Das nämlich Aktien billig sein müssen damit sie als Investment interessant sind.

Was zählt ist weniger der Preis sondern das Preis/Leistungsverhältnis. Ein niedriges KGV alleine ist jedenfalls keine Garantie für ein Schnäppchen. Wenn sie mehr über erfolgreiches Investieren lernen wollen und wie man Kennzahlen basierend auf Fakten bewertet, dann melden sie sich hier für unseren kostenlosen Investment Newsletter an.