Der Kurs der CSG-Aktie hat sich schon seit ihrem Börsengang im Januar ziemlich schlecht entwickelt und krachte am gestrigen Montag um satte -16% in die Tiefe. Was steckt hinter dem Kurssturz des tschechischen Rüstungskonzerns und sollten Anleger den Dip für einen Kauf nutzen?

Ein vernichtender Shortseller-Bericht

Hauptgrund für den massiven Kurseinbruch der CSG-Aktie war ein vernichtender Bericht des Shortsellers Hunterbrook Capital, der viele Anleger mehr oder weniger in Panik versetzte. Die darin gemachten Vorwürfe des Leerverkäufers haben es auch in sich.

Der zentrale Vorwurf von Hunterbrook lautet, dass CSG beim Börsengang im Januar 2026 falsche Angaben zu seiner Munitionsproduktion gemacht habe. Während CSG angab, Marktführer bei 155-mm-Artilleriegeschossen in Europa zu sein und eine Produktionskapazität von rund 500.000 Geschossen pro Jahr nannte, behauptet Hunterbrook nach angeblichen Vor-Ort-Recherchen in Tschechien und der Slowakei, dass die tatsächliche Produktion weit hinter den offiziellen Zahlen zurückbleibt.

Die Analysten des Leerverkäufers identifizierten nur eine einzige Produktionsanlage mit einer geschätzten Jahresproduktion von 100.000 bis 280.000 Stück. Zudem berichtete im Februar eine gemeinnützige Organisation, dass kein einziges der acht Länder, die Interesse an einem Rahmenvertrag Tschechiens über Munitionslieferungen im Wert von fast 60 Milliarden € gezeigt haben, diesen Vertrag bislang unterzeichnet haben. Das ist deshalb ein Problem, weil CSG diesen Vertrag in seinem IPO-Prospekt besonders hervorhob.

Anleger befürchten vor diesem Hintergrund nun (zu Recht), dass die starken Gewinnprognosen für 2026 und 2027 auf Luftnummern basieren.

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Zudem Governance-Verstöße

Als wären diese Vorwürfe nicht schon schwer genug, wirft Hunterbrook Capital dem Rüstungskonzern zudem mangelnde Transparenz bei der Beschaffung von Vorprodukten vor. Der Shortseller behauptet, dass CSG Komponenten aus Ländern bezieht, die politisch instabil sind oder Sanktionen umgehen könnten, was das ESG-Rating der Banken gefährden würde. Da die CSG-Aktie erst seit Januar an der Börse ist, reagiert der Markt besonders sensibel auf solche Vorwürfe zur Governance.

Dieser Vorwurf wurde bereits vor wenigen Wochen durch Medienberichte untermauert, denen zufolge die spanische Munitionsfabrik von CSG von der Beschaffungsagentur der NATO wegen mutmaßlicher sanktionswürdiger Praktiken suspendiert wurde. Laut CSG handelt es sich dabei aber nur um eine vorübergehende Maßnahme.

Und auch noch verschwiegene Verträge?

Und es gibt noch eine weitere schwerwiegende Anschuldigung im Shortseller-Bericht von Hunterbrook. Der Leerverkäufer stellt die Behauptung auf, dass der Rüstungskonzern beim IPO wesentliche Verträge mit Großaktionären nicht offengelegt hat.

Wenige Tage vor dem Börsengang hat der Minderheitsaktionär Petr Kratochvil eine Put-Option ausgeübt und fordert nun 1,4 Milliarden € für seine Beteiligung. Offenbar gibt es einen Rechtsstreit zwischen CSG und Kratochvil, da der Konzern die Meinung vertritt, dass der Aktionär sein Recht nicht wirksam ausgeübt habe.

Darüber hinaus wurden vor dem CSG-Börsengang bis zu 30 Tochtergesellschaften an eine Zweckgesellschaft übertragen, die im Besitz des Unternehmensgründers Michal Strnad ist. Angeblich wurden Forderung in Höhe von 275 Millionen € an diese Gesellschaften bislang noch nicht beglichen.

Kein Boden in Sicht

Das Chartbild der CSG-Aktie ist ein einziges Trauerspiel. Seit dem Börsengang im Januar befindet sie sich ausschließlich auf Talfahrt.

Durch den gestrigen Kurssturz sackte der Rüstungstitel auf ein neues Allzeittief. Ein Boden scheint derzeit noch nicht in Sicht zu sein.

Besser die Füße stillhalten

Bekanntermaßen muss man bei Shortseller-Berichten immer die Kirche im Dorf lassen. Schließlich verdienen sie ihr Geld damit, Anschuldigungen gegen Unternehmen zu richten, um im Anschluss von sinkenden Kursen zu profitieren.

Am Montagnachmittag reagierte CSG dann auch mit einer scharfen Gegendarstellung, die da lautet: „Der Bericht ist ein durchschaubarer Versuch von Marktmanipulation durch einen Akteur, der finanziell vom Kurssturz profitiert. Unsere Produktionskapazitäten sind auditiert und die Auftragsbücher der NATO-Partner sind real.“

Trotzdem rate ich Anlegern momentan, die Füße stillzuhalten. Die von Hunterbrook erhobenen Vorwürfe sind massiv und wurden teilweise bereits durch unabhängige Medien bestätigt.

Darüber hinaus gibt es zwei weitere Argumenten, gegenwärtig nicht in die CSG-Aktie zu investieren. Zum einen verliert die tschechische Munitionsinitiative an politischer Unterstützung. Der tschechische Ministerpräsident Babiš stoppte bereits die staatliche Finanzierung des Programms.

Und nicht zuletzt finde ich die CSG-Aktie mit einem KGV von über 30 ziemlich sportlich bewertet. Munition ist zwar aufgrund des Ukraine-Krieges und leerer NATO-Lager in Europa ein knappes Gut. Trotzdem glaube ich nicht, dass die mittelfristigen Wachstumsraten diese Bewertung rechtfertigen.

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ℹ CSG in Kürze

  • Die Czechoslovak Group (CSG) (WKN: A420X0) ist eine tschechische Industrie- und Rüstungsholding mit Sitz in Prag mit über 100 Tochtergesellschaften.
  • Die CSG ist vor allem in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie sowie in der Luftfahrt- und Eisenbahnbranche tätig.
  • Kerngeschäftsfelder sind die Herstellung von gepanzerten Fahrzeugen, Artilleriesystemen, Raketenwerfern und Radarsystemen.
  • Zudem ist die CSG einer der weltweit größten Hersteller von Munition.
  • CSG notiert seit Januar 2026 an der Euronext-Börse in Amsterdam und ist ca. 25 Milliarden € wert.

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