Die Commerzbank-Aktie konnte den starken Kursanstieg auf etwa 43 € nicht halten und korrigierte anschließend wieder. Am Mittwoch notiert sie aktuell bei 40,70 €. Belastet wurde die Aktie auch durch neue Aussagen von UniCredit-CEO Andrea Orcel. Damit stellt sich erneut die Frage: Wie ernst nimmt die UniCredit die Forderungen des Bundes?

Bund pocht auf klare Zusagen

Im Gespräch zwischen Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und UniCredit-CEO Andrea Orcel hatte der Bund seine Bedingungen für eine Zustimmung zu einer Übernahme deutlich gemacht.

Dazu gehören insbesondere der Erhalt der Commerzbank als börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt, der Ausbau des Mittelstandsgeschäfts sowie die Sicherstellung, dass wesentliche Entscheidungen weiterhin in Deutschland getroffen werden.

Aus Regierungskreisen hieß es:

Wir erwarten jetzt, dass der CEO der UniCredit diese Zusagen zeitnah gibt. Das Ziel muss sein, am Ende eine tragfähige Wachstumsstrategie für die Commerzbank zu erreichen.

Damit ist klar: Berlin steht einer Übernahme nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber, knüpft seine Unterstützung aber an konkrete Bedingungen.

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Medienberichte über weiteren Konfrontationskurs

Zuletzt berichtete die Financial Times unter Berufung auf informierte Personen, dass Orcel bei der geplanten Übernahme aufs Tempo drücken wolle.

Sobald die erforderliche Freigabe für eine weitere Aufstockung der Beteiligung durch die EZB vorliegt, könnte die UniCredit eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen. Medienberichten zufolge könnte diese bereits Anfang kommenden Jahres stattfinden.

Dabei könnte es unter anderem um die Zusammensetzung des Managements und des Aufsichtsrats gehen. Laut den Berichten steht auch ein Austausch von Vorstandschefin Bettina Orlopp sowie der zehn von den Anteilseignern gewählten Aufsichtsratsmitglieder im Raum. Davon wären auch Vertreter des Bundes betroffen.

Wichtig ist allerdings: Dabei handelt es sich bislang nur um Medienberichte.

Bewertung

Die aktuellen Gerüchte sind deshalb mit Vorsicht zu betrachten. Die UniCredit hat die entsprechenden Berichte bislang nicht offiziell bestätigt.

Fest steht jedoch, dass der Bund mit seinem Anteil von rund 13% zwar einen erheblichen Einfluss besitzt, eine Übernahme bei einer weiteren Aufstockung der UniCredit aber nicht zwangsläufig verhindern könnte.

Auch die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung dürfte bei entsprechenden Mehrheitsverhältnissen grundsätzlich möglich sein.

Sollten sich die Medienberichte über einen kompletten Austausch der Führungsgremien bestätigen, würde dies allerdings auf einen erheblichen Konflikt mit dem Bund und der bisherigen Commerzbank-Führung hindeuten.

Das steht zumindest im Spannungsverhältnis zu den bislang öffentlich kommunizierten Aussagen. Sowohl Klingbeil als auch Orcel bezeichneten ihr Treffen als konstruktiv. Zudem wurden weitere Gespräche angekündigt.

Dass Orcel mit der aktuellen Führungsspitze um Bettina Orlopp und Aufsichtsratschef Jens Weidmann nicht in allen Punkten übereinstimmt, ist kein Geheimnis. Orlopp verfügt allerdings über einen Vertrag bis 2029. Sie hat zudem deutlich gemacht, dass die Unterstützung des Aufsichtsrats für die eingeschlagene Strategie für ihre weitere Tätigkeit eine wichtige Voraussetzung ist.

Entscheidend wird deshalb sein, ob UniCredit und Bund einen Kompromiss bei der zukünftigen Führung und strategischen Ausrichtung der Commerzbank finden.

Die aktuellen Medienberichte über einen möglichen weiteren Konfrontationskurs der UniCredit sollten nicht überbewertet werden. Der Ball liegt nun bei der UniCredit. Sie muss zeigen, ob sie auf die Forderungen des Bundes eingeht oder ihren eigenen Kurs weiterverfolgt.

Auf dem aktuellen Kursniveau würde ich daher nicht mehr neu einsteigen. Das Chance-Risiko-Verhältnis ist durch den bereits starken Kursanstieg und die weiterhin offenen Fragen rund um die Übernahme weniger attraktiv. Wer bereits investiert ist, kann die weitere Entwicklung der Gespräche abwarten.

Für die Aktie spricht weiterhin die Dividendenrendite von rund 2,6%.

Ergänzend sei erwähnt: Gerade in unsicheren Marktphasen können Dividenden-Aktien als Stabilisator dienen. Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.

ℹ Commerzbank in Kürze

  • Die Commerzbank (WKN: CBK100) ist eine Universalbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Gemessen an der Bilanzsumme ist sie das viertgrößte Geldhaus Deutschlands.
  • Das Bankinstitut betreut rund elf Millionen Privat- und Firmenkunden in Deutschland und Europa und besitzt mit rund 400 Filialen eines der dichtesten Filialnetze aller deutschen Privatbanken.
  • Die Aktie ist im DAX gelistet, an der Börse ist die Commerzbank derzeit aktuell mit 44 Milliarden € bewertet.

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