Die Tonlage in dem Übernahmekampf wird ruppiger. Beide Seiten widersprechen den Argumenten der anderen. Die Commerzbank-Aktie leidet darunter bisher nicht und bleibt stabil. Der jüngste Einbruch beruhte ausschließlich auf dem Iran-Konflikt. Am Dienstag notiert sie uneinheitlich und steht aktuell bei 36,70 €. Wie kann es hier weitergehen?
UniCredit kritisiert Geschäftsmodell
In einer Präsentation der UniCredit mit dem Titel „Commerzbank: Ein neues Kapitel“ übt der CEO Andrea Orcel an dem bisherigen Konzept der Commerzbank heftige Kritik. Zusammenfassend kam er zu dem Ergebnis, dass die Commerzbank bei dem jetzigen Geschäftsmodell und den bestehenden Kostenstrukturen zukünftig zu einem Restrukturierungsfall werde.
Das Konzept der Übernahme schaffe laut seiner Aussage einen deutlichen Mehrwert für die Anteilseigner. Die Commerzbank soll sich zukünftig auf Deutschland und Polen konzentrieren. Das Auslandsgeschäft soll weitestgehend eingestellt werden oder auf die UniCredit übergehen. Zudem ist ein Zusammenschluss mit der Tochter Hypovereinsbank (HVB) vorgesehen. Beide Kreditinstitute würden eine schlagkräftige Einheit darstellen.
Ziel dabei ist es, die Kosten des Frankfurter Instituts deutlich zu senken. 40% der vorgesehenen Einsparungen sollen aus dem personellen Bereich kommen. Hier soll es in erheblichem Maße das Führungspersonal betreffen. Die restlichen 60% kommen aus anderen Bereichen. Mit der eigentlichen Integration in den Konzernverbund soll erst 2029 begonnen werden.
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Commerzbank weist Kritik zurück
Die deutsche Großbank weist die Inhalte der Präsentation der UniCredit als irreführend zurück. Zudem habe es in einem Gespräch keine konkreten Vorschläge über ein zukünftiges Geschäftsmodell gegeben. Seitens der UniCredit gebe es keine konkreten Vorschläge.
Dass die Commerzbank mit dem jetzigen Geschäftsmodell wenig Aussichten auf Erfolg habe, wurde ebenfalls als eine falsche Darstellung bezeichnet. Sie will ihr Konzept bis 2030 am 8. Mai mit der Bekanntgabe der Quartalszahlen präsentieren.
Bettina Orlopp, Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, äußerte sich so:
Was UniCredit heute präsentiert hat, ist kein wertschaffender Unternehmenszusammenschluss. Es handelt sich um einen Restrukturierungsvorschlag, der sich mit unserer bestehenden Strategie messen lassen muss. Unsere Strategie schafft nachweislich und verlässlich Wert bei begrenztem Umsetzungsrisiko.
Was bedeutet das für die Aktie?
Solche verbalen Streitereien schaffen kein Klima des Vertrauens. Mit den jetzigen Führungspersonen dürfte es zu keiner einvernehmlichen Übernahme kommen. Zu groß ist das gegenseitige Misstrauen.
Entscheidend wird die Einstellung der Bundesregierung; Deutschland ist mit rund 12% der zweitgrößte Aktionär. Der geplante Personalabbau dürfte bei der Bundesregierung nicht gut ankommen. Auch seitens der Gewerkschaften ist mit erheblichem Widerstand zu rechnen.
Aus meiner Sicht wird die Übernahme immer unwahrscheinlicher. Sollte sie abgesagt werden, ist mit einem kurzfristigen Kursrückgang zu rechnen. Die UniCredit hält die Commerzbank momentan für überbewertet. Das spricht nicht für eine Anhebung des Übernahmepreises. Auszuschließen ist sie jedoch nicht.
Die Analysten werden zuversichtlicher. In ihren jüngsten Bewertungen sieht die Deutsche Bank den fairen Kurs bei 40 € und Barclays bei 42 €. Das mittlere Kursziel der Bewertungen liegt bei rund 37 €.
Die Gemengenlage bleibt weiterhin unklar. Das Vorgehen der UniCredit soll die Aktionäre verunsichern und ihre Aktien der italienischen Großbank andienen.
Was für eine Andienung spricht, ist die höhere Dividendenrendite der UniCredit. Diese beträgt aktuell 4,6%, die der Commerzbank rund 3%.
Ergänzend sei erwähnt: Gerade in unsicheren Marktphasen können Dividenden-Aktien als Stabilisator dienen. Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.
Commerzbank in Kürze
- Die Commerzbank (WKN: CBK100) ist eine Universalbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Gemessen an der Bilanzsumme ist sie das viertgrößte Geldhaus Deutschlands.
- Das Bankinstitut betreut rund elf Millionen Privat- und Firmenkunden in Deutschland und Europa und besitzt mit rund 400 Filialen eines der dichtesten Filialnetze aller deutschen Privatbanken.
- Die Aktie ist im DAX gelistet, an der Börse ist die Commerzbank derzeit aktuell mit 41,3 Milliarden € bewertet.
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