Obwohl die globalen Märkte mit der durch den Krieg im Iran ausgelösten Volatilität und starken Schwankungen der Ölpreise kämpfen, werden US-Aktien von einer wachsenden Zahl von Brokerhäusern und Vermögensverwaltern konstruktiv bewertet.

Analysten führen belastbare Unternehmensgewinne, durch jüngste Korrekturen verbesserte Bewertungen und die überproportionale Rolle von Technologieunternehmen beim globalen Gewinnwachstum als Hauptgründe für die Stimmungsänderung an.

Die erneute Zuversicht fällt zusammen mit der fast 9%igen Erholung des Leitindexes S&P 500 seit einem Siebenmonatstief Ende März, unterstützt von der Erwartung, dass sich die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten abmildern und das Risiko eines langanhaltenden, energiegetriebenen Inflationsschocks begrenzen könnten.

Citi stuft US-Aktien hoch und hebt technologiegetriebenes Gewinnwachstum hervor

Citigroup hat sich dem Chor der freundlichen Einschätzungen angeschlossen und hat US-Aktien in einer am späten Montag veröffentlichten Notiz von „Neutral“ auf „Overweight“ hochgestuft.

Das Brokerhaus erklärte, jüngste Marktkorrekturen hätten die Bewertungen verbessert, während die Dynamik des Gewinnwachstums weiterhin US-Märkte begünstige.

„Der (US-)Markt hat sich abgewertet und wird nun mit einem Aufschlag gegenüber entwickelten Märkten ohne die USA gehandelt; das liegt nahe historischen Durchschnitten“, schrieben Citi-Strategen in einer Notiz am Montag und hoben hervor, dass sich das globale Gewinnwachstum zunehmend auf den Technologiesektor konzentriert.

Laut Citi wird zwar in allen weltweiten Sektoren für 2026 ein Anstieg des Gewinns je Aktie erwartet, doch etwa 50% dieses Zuwachses sollen allein vom Technologiesektor stammen.

Diese Konzentration unterstreicht den strategischen Vorteil der US-Märkte, in denen Technologieunternehmen die Benchmark-Indizes dominieren.

Gleichzeitig setzte Citi Schwellenländer-Aktien auf „Neutral“ herab und warnte, dass viele Volkswirtschaften weiterhin Energie-Schocks und Währungsdruck ausgesetzt seien.

Der MSCI Emerging Markets-Index ist seit Beginn des Konflikts um 2,8% gefallen, was Sorgen über Inflation, Kapitalabflüsse und sich verschlechternde externe Salden in energieimportierenden Ländern widerspiegelt.

Citi hob jedoch sein Jahresendziel für den MSCI EM-Index von 1,540 auf 1,770 an und signalisierte damit trotz kurzfristiger Gegenwinde eine ausgeglichenere mittelfristige Perspektive.

BlackRock bestätigt Optimismus und spricht von begrenzten makroökonomischen Schäden

Das BlackRock Investment Institute hat ebenfalls eine positivere Haltung eingenommen und die Einstufung für US-Aktien von „Neutral“ auf „Overweight“ angehoben.

Der Vermögensverwalter sagte, eine verbesserte Klarheit in geopolitischen Fragen und stärkere Gewinnerwartungen hätten ein günstiges Umfeld für Risikoanlagen geschaffen.

„Wir sahen zwei Wegweiser, die uns veranlassen würden, das Risiko wieder zu erhöhen, nachdem wir es vor einigen Wochen reduziert hatten. Erstens greifbare Hinweise auf Maßnahmen, die die Flüsse durch die Straße von Hormus wieder öffnen würden. Und zweitens eine Sichtbarkeit, dass die anhaltenden makroökonomischen Auswirkungen eingedämmt werden“, sagte die Gesellschaft.

Dies geschieht, da die Gewinnerwartungen sowohl für die USA als auch für emerging markets für 2026 gestiegen sind – sogar seit Beginn des Konflikts am 28. Feb.

Die Gesellschaft wies außerdem darauf hin, dass „die Schwelle, bei der die USA und Iran wieder in einen Krieg eintreten würden, hoch ist“, wodurch das Potenzial für weitere wirtschaftliche Störungen begrenzt sei.

Der Vermögensverwalter bevorzugt weiterhin US-Aktien neben Schwellenmärkten und macht sie damit zu den einzigen Regionen mit ‚Overweight‘ in seiner Portfolioallokation.

Gewinnaussichten stützen die optimistische Haltung

Die positive Perspektive ist eng mit der Erwartung eines starken Unternehmensgewinnwachstums verknüpft.

Laut FactSet werden für S&P 500-Unternehmen ein 12.6%iger Anstieg der Gewinne im ersten Quartal prognostiziert.

Sollten historische Trends von Gewinnüberraschungen anhalten, könnte dieses Wachstum auf 19% steigen.

Technologie bleibt ein treibender Faktor; die Gewinne im Sektor werden in diesem Jahr voraussichtlich um 45% wachsen.

Trotzdem hat der Sektor bislang nur moderate Zuwächse verzeichnet, sodass die Bewertungen relativ attraktiv bleiben.

BlackRock stellte fest, dass die Bewertung der Informationstechnologie im Verhältnis zu anderen Sektoren auf dem niedrigsten Stand seit Mitte 2020 liegt.

„Wir erhöhen das Risiko in den USA und Schwellenmärkten aufgrund starker Gewinnerwartungen und begrenzter entstandener Schäden für das globale Wachstum“, sagten die Strategen und fügten hinzu, dass sie sich während der laufenden Berichtssaison weiterhin auf Gewinnmargen konzentrieren.

Sektorrotation und globale Positionierung

Über regionale Allokationen hinaus hob Citi auch sich verändernde Sektorpräferenzen hervor.

Das Brokerhaus stufte den globalen Rohstoffsektor auf „Overweight“ hoch und verwies auf ein verbessertes Gewinnmomentum und attraktive Bewertungen, während es Kommunikationsdienste auf „Underweight“ herabstufte.

Die übergeordnete Botschaft von der Wall Street lautet, dass die geopolitischen Risiken zwar erhöht bleiben, die Märkte jedoch zunehmend kurzfristige Volatilität durchblicken und sich auf die zugrunde liegenden Fundamentaldaten konzentrieren.

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