
Nach einem starken Jahr 2025, in dem sich die Bewertungen europäischer Banken mehr als verdoppelten und die beste Entwicklung seit 1997 zeigten, stieß der Sektor im März 2026 auf einen geopolitischen Rückschlag.
Spannungen zwischen den USA und Iran lösten eine scharfe 10%-Korrektur im Stoxx 600 Banks aus, die kurzzeitig drei Jahre nahezu linearer Gewinne zunichte machte.
Analysten von Citi mahnen Investoren jedoch, einen durch Positionierungsänderungen bedingten Wackler nicht mit einem fundamentalen Zusammenbruch zu verwechseln.
Obwohl der Index im Jahresverlauf bisher rund 1 % im Minus liegt, behält das Investmenthaus eine Übergewichtung bei und bewertet die jüngste Volatilität als taktischen Einstiegspunkt in einen Sektor, der weiterhin von zugrundeliegender Dynamik getragen wird.
Warum Citi bei europäischen Bankaktien optimistisch bleibt
Citis Optimismus fußt auf einer „überlegenen“ Umsatzperspektive, die den Lärm des Nahostkonflikts weitgehend unberücksichtigt lässt.
Die Daten untermauern diese Zuversicht: Erstaunliche 79 % der europäischen Kreditinstitute übertrafen die Gewinnerwartungen für Q425, was einen seltenen Zyklus von Jahr‑für‑Jahr‑Anhebungen des Gewinns pro Aktie (EPS) befeuerte.
Entscheidend ist, dass die Forward‑Kurve nun zwei EZB‑Zinserhöhungen für 2026 einpreist – ein Schritt, von dem erwartet wird, dass er die Nettozinserträge (NII) und die Eigenkapitalrendite (ROE) deutlich stärkt.
Durch den Ausverkauf, der die impliziten Eigenkapitalkosten wieder in Richtung ihres langfristigen Durchschnitts zurückführt, argumentieren Citi‑Analysten, dass die aktuellen Bewertungen eine deutlich komfortablere Sicherheitsmarge bieten als die überhitzten Höchststände Ende 2025.
Titel, auf die Citi‑Analysten besonders setzen
Um diese Erholung zu nutzen, hat Citi drei Titel identifiziert – HSBC, NatWest und Société Générale – die als Top‑Werte mit hoher Überzeugung gelten.
Diese Banken werden wegen ihrer robusten Kapitalquoten und ihrer hohen Empfindlichkeit gegenüber Zinsänderungen bevorzugt.
Über die „Big Three“ hinaus hat das Investmenthaus Lloyds kürzlich auf „Kaufen“ hochgestuft und Deutsche Bank auf „Neutral“ gesetzt, was auf ein breiteres Vertrauen in die Widerstandsfähigkeit des Sektors hindeutet.
Für Anleger, die regionale Diversifikation suchen, werden außerdem BBVA, BNP Paribas und Santander als Nutznießer signifikanter Gewinnrevisionen für 2026 hervorgehoben.
Diese Auswahl repräsentiert einen vielfältigen Querschnitt von Instituten, die derzeit mit Abschlag gehandelt werden, obwohl sie klare Wege zu profitablerem Wachstum aufweisen.
Kapitalüberschuss und die M&A‑Unbekannte
Die letzte Säule von Citis „Kauf‑bei‑Rücksetzern“-These stützt sich auf die massiven Bestände an „überschüssigem Kapital“, die derzeit in den Bilanzen europäischer Banken liegen.
Analysten erwarten, dass diese Liquidität durch aggressive Aktienrückkäufe und selektives Kreditwachstum eingesetzt wird und somit eine Untergrenze für die Aktienkurse bildet.
Während das Unternehmen eine gestiegene Bereitschaft der Kreditinstitute zu M&A‑Aktivitäten feststellt, bleibt es gegenüber hochkarätigen Konsolidierungen vorsichtig und nennt ausdrücklich „erhebliche Hindernisse“ für das kolportierte Zusammengehen von UniCredit und Commerzbank.
Dennoch bleibt der übergeordnete Ausblick für 2026 bemerkenswert konstruktiv.
Indem man sich auf Banken mit hohen CET1‑Quoten und klaren NII‑Potenzialen konzentriert, ist Citi der Ansicht, dass Anleger dieses vorübergehende Innehalten nutzen können, bevor der Bullenmarkt wieder an Fahrt gewinnt.
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