Nach einem zweistelligen Kurssprung hat die Aktie von Celestica erneut die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich gezogen. Gute Argumente sprechen für ein weitere positive Entwicklung des kanadischen Elektronikfertigungsunternehmens.
Bereits nach Veröffentlichung der Zahlen zum ersten Quartal hatte die Celestica-Aktie kräftig zugelegt, wodurch ein unmittelbarer Kauf weniger attraktiv erschien. Die anschließende Korrektur im Technologiesektor führte jedoch dazu, dass die Bewertung trotz unveränderter fundamentaler Perspektiven wieder in einen Bereich zurückkehrte, der eine interessante Einstiegsgelegenheit darstellte. Auch nach der jüngsten Gegenbewegung ist das Papier weiterhin attraktiv.
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Erstes Quartal schafft Klarheit für 2027
Vor den Zahlen zum ersten Quartal hatten Analysten ihre Erwartungen bereits deutlich angehoben. Besonders die Prognosen für die Jahre 2027 und 2028 verbesserten sich spürbar, da auf eine Entspannung bei Lieferengpässen im Bereich KI-Infrastruktur gesetzt wurde.
Operativ erfüllte Celestica die Erwartungen weitgehend. Wesentlich wichtiger war jedoch die Anhebung der Jahresprognose. Der Konzern erhöhte den erwarteten Umsatz für 2026 von rund 17 auf 19 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig wurde die Gewinnprognose je Aktie von etwa 8,75 auf 10,15 US-Dollar angehoben.
Nach der starken Kursrally kam es zunächst zu Gewinnmitnahmen, ehe die Aktie im Zuge der allgemeinen Schwäche bei Cloud- und Netzwerkinfrastruktur erneut unter Druck geriet. Dadurch startet Celestica aus einer deutlich entspannteren Ausgangslage in das zweite Quartal. Die Aktie notiert weiterhin deutlich unter ihren jüngsten Höchstständen, während die Gewinnerwartungen zuletzt kaum weiter angehoben wurden. Die Konsensschätzungen bewegen sich innerhalb der vom Unternehmen selbst ausgegebenen Prognosebandbreiten.
Investmentthese hängt nicht an positiven Überraschungen
Für eine optimistische Einschätzung vor den kommenden Quartalszahlen am 27. Juli ist keine außergewöhnlich starke Ergebnisüberraschung notwendig. Entscheidend erscheint vielmehr, dass Celestica seine bisherigen Prognosen bestätigt und weitere Hinweise auf die Entwicklung im Jahr 2027 liefert.
Ein wesentlicher Faktor dürfte die Entspannung bei den Lieferengpässen für KI- und Machine-Learning-Komponenten sein. Diese hatten das Enterprise-Geschäft im ersten Quartal noch belastet. Mit einer Normalisierung der Materialversorgung sollten sich diese Umsätze in den kommenden Quartalen sukzessive erholen.
Darüber hinaus dürfte das Management zusätzliche Informationen zur Geschäftsentwicklung im kommenden Jahr liefern. In den vergangenen Quartalen wurden die Prognosen regelmäßig angehoben. Deshalb besteht die Möglichkeit, dass auch diesmal die Planungssicherheit weiter zunimmt.
Wesentliches Umsatzfundament für 2027 steht
Der wichtigste Fortschritt aus Sicht langfristiger Investoren war die erstmalige konkrete Unterlegung der Umsatzbasis für 2027. Das Management geht inzwischen von einem gesicherten Mindestumsatz von rund 25,5 Milliarden US-Dollar aus. Grundlage sind bereits gewonnene Aufträge, darunter langfristige und nicht kündbare Vereinbarungen, die teilweise bis weit ins Jahr 2028 reichen.
Bemerkenswert ist, dass dieser gesicherte Auftragsbestand bereits rund 95 Prozent der derzeitigen Markterwartung von etwa 27,1 Milliarden US-Dollar Umsatz für 2027 abdeckt. Gleichzeitig verbleiben noch mehrere Quartale, in denen zusätzliche Großaufträge hinzukommen können. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Celestica die derzeit erwartete Wachstumsrate von rund 40 Prozent im Jahr 2027 nicht nur erreicht, sondern möglicherweise sogar übertrifft.
Starke Positionierung im KI-Infrastrukturmarkt
Die langfristige Investmentstory wird zunehmend durch Celesticas Rolle innerhalb der KI-Infrastruktur getragen. Während sich Engpässe früher vor allem auf Hochleistungsprozessoren konzentrierten, verschieben sie sich inzwischen stärker auf Systemintegration, Netzwerktechnik und komplette Rack-Lösungen.
Celestica profitiert von dieser Entwicklung. Das Unternehmen verfügt mit seinem 1,6-Terabit-Switch auf Basis von Co-Packaged Optics über eine technologisch attraktive Plattform. Gleichzeitig wächst das Geschäft mit Hardware Platform Solutions dynamisch und legte im ersten Quartal um rund 63 Prozent zu.
Ein weiterer Wettbewerbsvorteil besteht darin, dass Celestica nicht von einer einzelnen Chiparchitektur abhängig ist. Das Unternehmen unterstützt Lösungen verschiedener Anbieter sowie großer Hyperscaler und bleibt dadurch flexibel, unabhängig davon, welche Architektur sich künftig am Markt durchsetzt.
Zweite Jahreshälfte wird entscheidend
Um die Prognose von 19 Milliarden US-Dollar Umsatz im Jahr 2026 zu erreichen, muss das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte deutlich anziehen. Nach den bisherigen Erwartungen dürfte der Umsatz im ersten Halbjahr bei rund 8,4 Milliarden US-Dollar liegen, sodass im zweiten Halbjahr etwa 10,6 Milliarden US-Dollar erzielt werden müssen.
Dieses Ziel erscheint jedoch erreichbar. Bereits die aktuellen Konsensschätzungen für das zweite Quartal würden gegenüber dem ersten Quartal ein sequentielles Wachstum von rund acht Prozent bedeuten. Setzt sich dieses Tempo fort, rückt die Jahresprognose in greifbare Nähe.
Zusätzliche Unterstützung dürfte von mehreren Faktoren kommen. Dazu zählen neue 1,6-Terabit-Projekte großer Hyperscaler, die Aufholung der im ersten Quartal verschobenen Enterprise-Umsätze nach der Behebung von Lieferproblemen, ein neues Speicherprogramm sowie die weiterhin hohe Nachfrage im Bereich Halbleiterfertigungsanlagen.
Das größere Risiko besteht deshalb weniger in einer operativen Enttäuschung als vielmehr darin, dass der Kapitalmarkt zunächst weitere Belege für die Wachstumsbeschleunigung abwarten könnte.
Risiken trotz verbesserter Perspektiven
Dennoch sollten Investoren einige Unsicherheiten im Blick behalten. Eine schwächere Prognose für das dritte Quartal oder geringere Fortschritte beim Umsatzfundament für 2027 könnten die aktuelle Investmentthese belasten.
Auch wenn sich die Lieferprobleme im KI-Bereich nach Unternehmensangaben weitgehend aufgelöst haben, bleiben mögliche Engpässe bei anderen Komponenten ein Risikofaktor.
Hinzu kommt die hohe Abhängigkeit von wenigen Großkunden. Die drei größten Kunden stehen zusammen für rund 65 Prozent des Umsatzes. Darüber hinaus arbeitet Celestica mit einem volumenorientierten Geschäftsmodell, das strukturell begrenzte Margen ermöglicht. Dadurch bleibt der Spielraum für eine deutliche Ausweitung der Bewertungsmultiplikatoren begrenzt. Auch eine allgemeine Abschwächung des KI-Sektors oder eine Eintrübung des makroökonomischen Umfelds könnten kurzfristig auf die Aktie drücken.
Attraktives Chance-Risiko-Verhältnis
Nach den jüngsten Kurskorrekturen liegt das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der kommenden zwölf Monate bei etwa 33. Vor der jüngsten Kurserholung war die Bewertung sogar unter dem Niveau vom Februar, obwohl die Gewinnschätzungen seither deutlich gestiegen sind.
Damit treffen inzwischen mehrere positive Faktoren zusammen. Die Bewertung ist moderater geworden, die Erwartungen vor den Quartalszahlen erscheinen nicht überzogen und die Planungssicherheit für 2027 hat sich erheblich verbessert. Gleichzeitig dürfte sich die Entspannung auf der Angebotsseite zunehmend in den Geschäftszahlen widerspiegeln.
Sollte Celestica seine Prognosen erneut anheben und zusätzliche Aufträge im Bereich 1,6-Terabit-Netzwerke sowie Co-Packaged Optics vermelden, wären weitere Anpassungen der Gewinnschätzungen wahrscheinlich. Gleichzeitig könnte sich dadurch auch die Bewertung des Unternehmens verbessern.
Für 2027 erwarten Analysten derzeit einen Gewinn je Aktie von rund 15 US-Dollar. Sollte sich das Unternehmen operativ wie erwartet entwickeln und der Markt bereit sein, höhere Bewertungsmultiplikatoren zu akzeptieren, ergibt sich weiterhin erhebliches Kurspotenzial. Angesichts der inzwischen deutlich höheren Transparenz erscheint eine optimistischere Einschätzung daher nachvollziehbar.
Celestica überzeugt derzeit mit einer deutlich besseren Visibilität für die Geschäftsentwicklung bis 2027 und einer nach der Korrektur wieder attraktiveren Bewertung. Gelingt es dem Unternehmen, den Wachstumskurs mit weiteren Prognoseanhebungen und neuen KI-Aufträgen zu untermauern, bleibt weiteres Aufwärtspotenzial für die Aktie gegeben.
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