Die BYD-Aktie hat Anlegern in den vergangenen Monaten keine große Freude bereitet. Seit dem Frühjahr 2025 befindet sich der chinesische NEV-Hersteller in einem Abwärtstrend. Zwar gelang im Juli eine Erholung, doch seit Ende August bestimmen die Bären wieder das Geschehen. Am Donnerstag geht es für die Aktie aber um +2,5% auf 81,15 HK$ hinauf. Das sorgt für Rückenwind und so kann es jetzt weitergehen.

Europa wird zur nächsten Wachstumsmaschine

Operativ arbeitet BYD mit Hochdruck an seiner Internationalisierung. Das Unternehmen will langfristig drei Montagewerke und eine Batteriefabrik in Europa betreiben. Das erste Werk im ungarischen Szeged steht vor dem Produktionsstart, über einen zweiten Standort soll noch bis Jahresende entschieden werden. Spanien und Frankreich gelten dabei derzeit als Favoriten.

Auch das Produktportfolio wird erweitert. BYD will 2027 seinen ersten schweren Elektro-Lkw in Europa auf den Markt bringen und die Fahrzeuge später auch vor Ort produzieren. Damit sollen Zölle und logistische Nachteile reduziert werden. Gleichzeitig sollen Finanzierung, Ladeinfrastruktur und weitere Dienstleistungen aus einer Hand angeboten werden.

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Exportboom und logistischer Befreiungsschlag

Die Zahlen zeigen, warum diese Expansion notwendig ist. Im August verkaufte BYD weltweit 440.293 Fahrzeuge – 17,8% mehr als ein Jahr zuvor. Die Auslandsauslieferungen explodierten um 134,5% auf 189.466 Einheiten, während der Absatz in China um 14,3% zurückging.

Für 2026 peilt BYD inzwischen 1,9 bis 2,0 Millionen Fahrzeuge im Ausland an. 2027 sollen es mehr als 2,5 Millionen werden. Dabei setzt der Konzern nicht nur auf lokale Werke, sondern baut auch seine Flotte eigener Autotransporter aus, um Engpässe auf den internationalen Transportwegen zu reduzieren.

Ladenetz und Batteriegeschäft als Trumpf

Parallel treibt BYD seine Infrastruktur voran. Bis 2028 sollen 90.000 Flash-Charging-Stationen entstehen, davon 20.000 bereits bis Ende 2026. Auch im Batteriegeschäft bleibt der Konzern stark: Im August kam BYD in China bei den Batterieinstallationen auf einen Marktanteil von 20,98% , bei LFP-Batterien sogar auf 24,41%.

Bewertung attraktiv, Chart bleibt angeschlagen

Fundamental wirkt die Aktie inzwischen deutlich günstiger. Das aktuelle KGV liegt bei gut 21, das erwartete KGV bei rund 13,9. Der PEG-Wert beträgt 0,69 und signalisiert damit eine attraktive Bewertung. Hinzu kommt ein Analystenkonsens für die Hongkong-Aktie von rund 126 HK$ – also deutlich über dem aktuellen Kursniveau.

Doch charttechnisch bleibt Vorsicht angebracht. Seit den Hochs von Mai 2025 hat BYD rund -50% verloren. Die Erholung im Juli scheiterte an der 200-Tage-Linie. Anfang September fiel die Aktie zudem wieder unter die 50-Tage-Linie.

Erst ein nachhaltiger Sprung über die 200-Tage-Linie bei aktuell 94,19 HK$ und die Abwärtstrendlinie bei 96,35 HK$ würde das Bild entscheidend aufhellen. Unterhalb von 71,40 HK$ droht dagegen eine Ausweitung der Korrektur.

BYD liefert operativ viele Argumente – vom Exportboom über Europa bis zur eigenen Lade- und Batterieinfrastruktur. Doch die ambitionierten Ziele müssen erst umgesetzt werden, während Handelsrisiken und der schwache chinesische Heimatmarkt als Bremsklotz fungieren. Trotz der Wachstumsoffensive drängt sich ein Kauf meiner Meinung nach aktuell daher noch nicht auf. Die Aktie muss zunächst auch charttechnisch beweisen, dass der langfristige Abwärtstrend gebrochen werden kann.

Ergänzend sei hier erwähnt: Unser Report „KI-Gewinner 2026“ enthüllt die Unternehmen mit dem größten Wachstumspotenzial im KI-Sektor.

ℹ BYD in Kürze

  • BYD („Build your dreams“) (WKN: A0M4W9) ist ein chinesischer Mischkonzern, der vor allem im Bereich der Herstellung von Akkumulatoren und Automobilen tätig ist.
  • Der im chinesischen Shenzhen ansässige Konzern stieg 2023 zum weltgrößten Hersteller von Elektroautos auf.
  • BYD kommt aktuell auf eine Marktkapitalisierung von rund 740 Milliarden HK$ und zählt damit zu den wertvollsten Automobilkonzernen Chinas.

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