Bombengewinne an den Börsen?

Viele Anleger haben ein ethisches Problem damit, ihr Geld in Rüstungsunternehmen zu stecken. Diese Zurückhaltung ist verständlich und legitim. Mit Blick auf die Rendite ist sie derzeit aber ein Schnitt ins eigene Fleisch, denn kaum ein Sektor kann so konstant und so hohe Umsatz- und Gewinnsteigerungen vermelden wie die Waffenproduzenten.

Während der S&P500 in diesem Jahr bis zum September um fast 19 Prozent zugelegt hat, erfreuen sich die Aktionäre von Raytheon an einem Kursgewinn von 29 Prozent. Wer sein Geld in Aktien von Lockheed Martin oder Northrop Grumman angelegt hat, darf sich sogar über einen Wertzuwachs von jeweils 50 Prozent freuen.

Nur bei Boeing wachsen die Kursgewinne in diesem Jahr nicht in den Himmel. Das liegt aber vorrangig am zivilen Sektor des Unternehmens. Hier belasten die Probleme mit der 737 Max-Klasse. Die Militärsparte läuft auch bei Boeing wie geschmiert.

Ein Ende des Booms ist vorläufig nicht in Sicht. Die Auftragsbücher sind voll und die Konkurrenz nimmt ab. Letzteres ist dem zunehmenden Konzentrationsprozess in der Branche zu verdanken. Aus technologischer Sicht bestehen viele Parallelen zwischen der zivilen Luftfahrt und dem Geschäft mit Rüstungsgütern. Firmen, die in beiden Bereichen aktiv sind, verfügen deshalb insbesondere im Bereich der Forschung und Entwicklung über nicht bestreitbare Vorteile.

Mehr Geld vom Steuerzahler

Eine Studie der US-Regierung hat ermittelt, dass die Regierung bei 300 wichtigen Rüstungsgeschäften trotz internationaler Ausschreibung Probleme hat, geeignete Partner zu finden. Es beteiligte sich entweder nur ein einziges Unternehmen an der Ausschreibung oder dieses sitzt im Ausland oder ist aus anderen Gründen als „fragil“ einzustufen.

Echter Wettbewerb findet vor diesem Hintergrund ebenso wenig statt wie es der Regierung möglich ist, Druck auf die Preise auszuüben. So wundert es nicht, dass die gutgehenden Geschäfte der Branche auch in den kommenden Jahren weitere Zuwächse erfahren sollen. Lockheed Martin, die Nummer eins der Branche, rechnet damit, dass der Umsatz im laufenden Jahr um zehn Prozent steigen wird. Für 2020 rechnet der Vorstand mit einer weiteren Steigerung um sechs Prozent.

Ein wichtiger Grund für diese Optimismus sind die internationalen Militärbudgets. Sie steigen. Die USA wollen beispielsweise im den nächsten Jahren ihren Militäretat auf über 700 Milliarden US-Dollar steigen und sie drängen innerhalb der NATO darauf, dass jedes Mitglied einen Verteidigungshaushalt aufweist, der zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht unterschreitet.

Oberflächlich betrachtet muss man damit zugeben, dass die Aussichten für die vier großen amerikanischen Waffenschmieden weiterhin gut sind. Allerdings sollte nicht übersehen werden, dass im zweiten Halbjahr 2018, als der S&P500 am Ende „nur“ mit 20 Prozent im Minus lag, die Rüstungsbranche den Markt auch damals mit einem Minus von 30 Prozent um Längen „geschlagen“ hat.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

Der Beitrag Bombengewinne an den Börsen? erschien zuerst auf 7 vor 8 – Der Börsenausblick am Morgen.

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