Die Aktien von Flugzeugherstellern reagieren sensibel auf geopolitische Spannungen und konjunkturelle Erwartungen. Bei der Aktie von The Boeing Company zeigt sich derzeit, dass operative Fortschritte bei Produktion und Auslieferungen trotz schwacher Börsenentwicklung eine wichtige Rolle für die langfristige Bewertung spielen.

Aktien geraten nach Nahost-Konflikt unter Druck

Die Aktien der beiden großen Flugzeughersteller The Boeing Company und Airbus gerieten im Zuge des Kriegs im Iran deutlich unter Druck. Die geopolitische Unsicherheit überschattet die globalen Wachstumsaussichten, die maßgeblich für die Nachfrage nach Flugreisen und damit nach neuen Verkehrsflugzeugen sind.

Seit Beginn der militärischen Eskalation verlor Boeing rund 17 Prozent an Börsenwert und liegt etwa drei Prozent unter dem Niveau der vorherigen Analyse. Airbus musste im gleichen Zeitraum sogar einen Kursrückgang von rund 20 Prozent hinnehmen und gab seit der letzten Auswertung um etwa 6,5 Prozent nach.

Der Blick richtet sich daher verstärkt auf operative Kennzahlen wie Bestellungen und Auslieferungen, die Aufschluss über die tatsächliche Entwicklung der Branche geben. Für die Monate Januar und Februar liegen inzwischen Daten vor, während die Zahlen für März traditionell erst im April veröffentlicht werden.

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Bewertungsansatz zur Einordnung von Aufträgen und Auslieferungen

Die Analyse basiert auf einem speziell entwickelten Modell zur Bewertung von Flugzeugbestellungen und -auslieferungen. Dabei werden sowohl die Anzahl der bestellten und ausgelieferten Maschinen als auch deren geschätzter finanzieller Gegenwert berücksichtigt.

Nettoaufträge gelten als Indikator für die Nachfrage. Sie spiegeln Faktoren wie Preisgestaltung, Produktionskapazitäten und Lieferverfügbarkeit wider. Gleichzeitig verfügen Boeing und Airbus derzeit über einen Auftragsbestand von nahezu 15.000 Flugzeugen. Damit ist kurzfristig weniger entscheidend, neue Bestellungen zu generieren. Wichtiger ist der Abbau der enormen Backlogs durch steigende Auslieferungen.

Gerade in diesem Bereich zeigt sich weiterhin die größte Herausforderung der Branche. Sowohl Boeing als auch Airbus haben bislang Schwierigkeiten, die Nachfrage mit ausreichenden Produktionsraten zu bedienen. Die Entwicklung der Auslieferungen liefert daher wichtige Hinweise darauf, wie schnell sich die Produktion bei beiden Herstellern stabilisiert. Für eine realistische Bewertung werden dabei die kumulierten Jahreszahlen betrachtet und nicht einzelne Monatswerte.

Boeing baut Vorsprung bei Bestellwerten aus

In den ersten beiden Monaten des Jahres verbuchten Boeing und Airbus zusammen 195 Nettoaufträge. Boeing erhielt 118 Bestellungen, während Airbus auf 77 Aufträge kam. Damit liegt der US-Hersteller um 41 Flugzeuge vorn.

Bei den Schmalrumpfflugzeugen blieb der Zuwachs bei Boeing gering und erhöhte sich lediglich um eine Bestellung. Im Segment der Großraumflugzeuge stieg die Zahl der Nettoaufträge dagegen gegenüber dem Vormonat um 14 Einheiten. Airbus konnte zwar 28 neue Bestellungen im Schmalrumpfsegment verbuchen, erhielt jedoch keine neuen Aufträge für Großraumjets und liegt in dieser Kategorie aktuell um 45 Maschinen zurück.

Noch deutlicher fällt der Vorsprung beim finanziellen Gegenwert der Bestellungen aus. Boeing steigerte den Wert seiner Nettoaufträge von 6,1 auf 6,6 Milliarden Dollar und kommt insgesamt auf 10,9 Milliarden Dollar. Airbus erhöhte den Bestellwert um 1,6 Milliarden Dollar auf 4,3 Milliarden Dollar. Zwar liegt Airbus im Schmalrumpfsegment leicht vorn, doch der Vorsprung Boeings bei Großraumflugzeugen von rund sieben Milliarden Dollar überkompensiert diesen Vorteil deutlich.

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Flugzeugbestellungen erreichen höchsten Stand seit der Pandemie

Mit insgesamt 195 Nettoaufträgen verzeichnet die Branche einen Anstieg von 84 Prozent gegenüber dem Vorjahr und erreicht damit das höchste Niveau seit der Pandemie. Bereits das zweite Jahr in Folge steigt damit das Auftragsvolumen.

Die Bestellungen bei Airbus wuchsen um rund 18,5 Prozent, während Boeing einen deutlichen Sprung von 188 Prozent verzeichnete. Daraus ergibt sich ein Marktanteil von etwa 61 Prozent für Boeing bei den Nettoaufträgen, während Airbus rund 39 Prozent erreicht.

Auch beim finanziellen Wert der Bestellungen zeigt sich eine deutliche Dynamik. Zusammen erzielten beide Hersteller Nettoaufträge im Umfang von 15,2 Milliarden Dollar, der höchste Wert seit 2019. Allerdings verschiebt sich die Struktur klar zugunsten von Boeing. Während der Auftragswert bei Airbus um rund zwei Milliarden Dollar beziehungsweise 32 Prozent sank, legte Boeing um 8,8 Milliarden Dollar auf 10,9 Milliarden Dollar zu. Damit entfallen rund 72 Prozent des Bestellwerts auf Boeing und 28 Prozent auf Airbus.

Boeing liefert deutlich mehr Flugzeuge aus

Das erste Quartal gilt traditionell als schwächere Phase für Auslieferungen. Hersteller versuchen, möglichst viele Flugzeuge noch im Dezember zu übergeben, wodurch zu Jahresbeginn nur ein begrenzter Bestand verfügbar ist.

Trotzdem zeigt sich eine bemerkenswerte Entwicklung. Obwohl Airbus offiziell höhere Produktionsraten anstrebt, lieferte Boeing mehr Flugzeuge aus, obwohl der Bestand bereits fertig gebauter Maschinen inzwischen weitgehend abgebaut ist.

In den ersten beiden Monaten des Jahres wurden insgesamt 151 Flugzeuge ausgeliefert. Boeing übergab 97 Maschinen, Airbus lediglich 54. Im Schmalrumpfsegment lieferte Boeing 80 Flugzeuge aus und lag damit 29 Einheiten vor Airbus mit 51 Maschinen. Bei Großraumflugzeugen erreichte Boeing 17 Auslieferungen und übertraf Airbus um 14 Flugzeuge. Insgesamt ergibt sich damit ein Vorsprung von 43 Maschinen.

Dieser Abstand könnte sich im März teilweise verringern, da bei der Boeing 737 MAX temporär geringere Auslieferungen erwartet werden, nachdem Verkabelungsprobleme korrigiert werden mussten.

Beim monetären Gegenwert der Auslieferungen liegt Boeing ebenfalls deutlich vorn. Flugzeuge im Wert von rund 6,6 Milliarden Dollar wurden ausgeliefert, während Airbus auf etwa 3,2 Milliarden Dollar kommt. Der Vorsprung von 3,4 Milliarden Dollar verteilt sich auf rund zwei Milliarden im Großraumsegment und etwa 1,5 Milliarden im Schmalrumpfbereich.

Produktionsentwicklung zeigt Stabilität statt Wachstum

Trotz der Ambitionen beider Hersteller, die Produktion wieder auf Rekordniveau zu bringen, zeigt sich bislang nur begrenzter Fortschritt. Im Jahresvergleich bleiben die Auslieferungszahlen insgesamt stabil und liegen sogar leicht unter dem Vorjahresniveau.

Boeing befindet sich auf einem moderat positiven Kurs. Die Auslieferungen stiegen um neun Prozent und erreichen den höchsten Stand seit 2019. Airbus hingegen kämpft weiterhin mit deutlichen Schwierigkeiten und verzeichnet einen Rückgang der Auslieferungen um 17 Prozent auf ein Niveau, das zuletzt 2021 erreicht wurde.

Ein zentrales Problem bei Airbus betrifft derzeit Triebwerkslieferungen, insbesondere im Zusammenhang mit dem Getriebefan-Triebwerk von Pratt & Whitney. Aufgrund technischer Probleme müssen zahlreiche Flugzeuge am Boden überprüft werden, wodurch zunächst vorhandene Maschinen wieder in Betrieb gebracht werden müssen, bevor neue ausgeliefert werden können.

Insgesamt entfallen derzeit rund 64 Prozent der Auslieferungen auf Boeing und etwa 36 Prozent auf Airbus.

Auch beim finanziellen Volumen zeigt sich ein ähnliches Bild. Der Gesamtwert der ausgelieferten Flugzeuge lag bei 9,8 Milliarden Dollar und damit leicht unter dem Vorjahreswert sowie auf einem Niveau ähnlich den ersten beiden Monaten des Jahres 2020. Boeing konnte den Auslieferungswert um 6,5 Prozent auf 6,6 Milliarden Dollar steigern, während Airbus einen Rückgang um 18 Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar verzeichnete. Daraus ergibt sich ein Anteil von rund 67 Prozent für Boeing und 33 Prozent für Airbus.

Boeing scheint zudem einen Teil seines Rückstands bei den Auslieferungen aufzuholen. Die Differenz zum erwarteten Trend reduzierte sich von 50 auf 28 Flugzeuge. Airbus hingegen liegt weiterhin etwa 35 Maschinen unter dem Trendniveau.

Boeing zeigt operativ mehr Stabilität als Airbus

Der derzeitige Produktionsverlauf deutet darauf hin, dass Boeing aktuell eine stabilere Entwicklung bei den Auslieferungen erreicht. Zwar könnten temporäre Belastungen im März dazu führen, dass Airbus den Abstand etwas verringert, doch insgesamt fällt der Produktionsanstieg bei Airbus seit mehreren Jahren deutlich schwächer aus als ursprünglich geplant.

Interessanterweise hat diese Entwicklung auch Auswirkungen auf den Wettbewerb. Die schweren technischen und organisatorischen Probleme, mit denen Boeing in den vergangenen Jahren konfrontiert war, hätten deutlich gravierendere Folgen haben können, wenn Airbus gleichzeitig seine Produktionskapazitäten schneller ausgebaut hätte.

Angesichts der sehr großen Auftragsbestände sind beide Hersteller langfristig weiterhin gut ausgelastet. Kurzfristig jedoch reagieren Investoren vorsichtig auf mögliche konjunkturelle Risiken. Industrie- und Luftfahrtaktien geraten daher stärker unter Druck.

Eine mögliche Abschwächung der Nachfrage könnte zwar die Bewertung der Branche belasten, gleichzeitig aber auch dazu beitragen, das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage wieder zu verbessern. In diesem Fall könnte sich der Preisdruck etwas erhöhen. Dennoch zeigt die Vergangenheit, dass die Preise für Verkehrsflugzeuge nach größeren Krisen regelmäßig wieder deutlich anziehen. Langfristig bleiben die Perspektiven sowohl für Boeing als auch für Airbus daher konstruktiv.

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