Die Bilfinger-Aktie konnte ihr Allzeithoch vom Februar bei rund 129 € nicht halten und korrigierte anschließend deutlich. Zwischenzeitliche Erholungen wurden immer wieder schnell abverkauft. Am Freitag notiert die Aktie aktuell bei 74,50 € und damit wieder auf dem Kursniveau von Anfang 2025. Hier stellt sich die Frage: Wo liegt ein fairer Kurs?
Geopolitische Lage belastet
In seinem Bericht zum zweiten Quartal weist Bilfinger darauf hin, dass sich die geopolitische Lage zunehmend auf das Geschäft auswirkt. Dies betrifft insbesondere die Folgen des Iran-Konflikts.
Kunden verhalten sich bei Neuinvestitionen sowie beim Abruf von Leistungen aus bestehenden Rahmenverträgen derzeit zurückhaltender.
Das zeigt sich insbesondere beim Auftragseingang. Dieser sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 16% auf 1,5 Milliarden €.
CEO Thomas Schulz erklärte:
Unser Marktumfeld war im zweiten Quartal von geopolitischer Unsicherheit geprägt.
Gleichzeitig verwies er darauf, dass sich die Dynamik im zweiten Quartal wieder verbessert habe. Für die zweite Jahreshälfte zeigt sich das Unternehmen daher zuversichtlich.
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Prognose leicht angepasst
Bei den Jahreszielen hält Bilfinger an den bisherigen Prognosebandbreiten fest.
Beim Umsatz wird weiterhin ein Wert von 5,4 bis 5,9 Milliarden € erwartet. Beim Free Cashflow liegt die Zielspanne unverändert bei 250 bis 300 Millionen €.
Auch die Prognose für die operative EBITA-Marge von 5,8 bis 6,2% wurde bestätigt. Das Unternehmen erwartet inzwischen jedoch eher einen Wert am unteren Ende dieser Bandbreite.
Gemischtes Bild im zweiten Quartal
Insgesamt fielen die Kennzahlen für das zweite Quartal solide aus. Allerdings entwickelte sich die operative Profitabilität leicht rückläufig.
Der Umsatz verbesserte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7% auf 1,45 Milliarden €. Die EBITDA-Marge sank dagegen von 5,5 auf 5,3%.
Aufgrund positiver steuerlicher Effekte erhöhte sich der Nettogewinn dennoch von 48 auf 54 Millionen €. Der Gewinn je Aktie stieg von 1,28 auf 1,47 €.
Bewertung
Positiv ist zunächst, dass die Quartalszahlen insgesamt solide ausgefallen sind. Die leichte Abschwächung bei der operativen Marge sollte aus meiner Sicht nicht überbewertet werden.
Die geopolitische Unsicherheit belastet derzeit zahlreiche Branchen. Dass Kunden von Bilfinger geplante Investitionen teilweise verschieben, ist vor diesem Hintergrund nachvollziehbar.
Die vom Unternehmen erwartete Belebung im zweiten Halbjahr deutet darauf hin, dass sich ein Teil der Nachfrage lediglich zeitlich verschiebt.
Auch die laufende Strategie „Bilfinger 2030: Your Performance Is Our Business“ könnte mittelfristig zu einer effizienteren Kostenstruktur und damit zu einer Verbesserung der Profitabilität beitragen.
Aus meiner Sicht ist die Aktie nach dem starken Kursrückgang wieder interessanter geworden. Der Kursverlust von rund -einem Drittel seit Jahresbeginn erscheint mir angesichts der weiterhin soliden operativen Entwicklung übertrieben.
Einen fairen Wert sehe ich mittelfristig bei etwa 90 €. Zusätzlich spricht derzeit die attraktive Dividendenrendite von rund 3,7% für die Aktie.
Damit erscheint Bilfinger auf dem aktuellen Kursniveau für langfristig orientierte Anleger wieder interessant – auch wenn die weitere Entwicklung des Auftragseingangs und des geopolitischen Umfelds genau beobachtet werden sollte.
Passend dazu: Während viele nur auf die Dividendenrendite schauen, bieten einige Titel derzeit beides – regelmäßige Ausschüttungen und deutliches Aufwärtspotenzial. Hier findest Du zehn konkrete Kandidaten für das kommende Jahr.
Bilfinger in Kürze
- Die Bilfinger SE (WKN: 590900) ist ein international tätiger Industriedienstleister mit den Schwerpunkten Wartung und Instandhaltung von Industrieanlagen. Zudem entwickelt das Unternehmen Komplettlösungen für Anlagen und Infrastrukturprojekte.
- Neben dem Hauptsitz in Mannheim befinden sich Niederlassungen auf allen Kontinenten.
- Die Aktie ist im MDAX gelistet; aktuell liegt die Marktkapitalisierung bei rund 2,8 Milliarden €.
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