Besser nicht in diese Falle tappen

Dividenden sind eine feine Sache. Jeder Anleger vereinnahmt sie gerne, und weil die Dividende quasi Geld ist, das vom Himmel zu fallen scheint, darf es auch gerne etwas mehr sein. Dieser naheliegende Wunsch sollte einen Anleger aber nie dazu verleiten, allein auf die Höhe der Dividendenrendite zu starren.

Nicht immer ist eine Dividende von sieben Prozent besser als eine von nur zwei oder drei Prozent. Wie immer am Aktienmarkt sollte man nicht alle Unternehmen über einen Kamm scheren, sondern auf den Einzelfall schauen und diesen sorgfältig analysieren und bewerten.

Ein Mittel dies zu tun, stellt die Ausschüttungsquote dar. Sie gibt an, wie viel vom Nettogewinn des Unternehmens für die Ausschüttungen an die Aktionäre verwendet wird. Nehmen wir an, eine Aktiengesellschaft erzielt einen Gewinn von einer Million Euro und schüttet von diesem 200.000 Euro an die eigenen Aktionäre aus.

In diesem Fall liegt die Ausschüttungsquote bei sehr niedrigen 20 Prozent. Geht der Gewinn in den kommenden Jahren leicht zurück, kann die Dividende durchaus auf dem alten Niveau gehalten werden, denn das Management verfügt über genügend Spielraum und auch bei sinkenden Gewinnen ist die Dividende durch den Gewinn gedeckt.

Schulden zum Wohl der Aktionäre?

Ganz anders stellt sich die Situation für uns als Anleger dar, wenn bei einer Million Euro Gewinn stolze zwei Millionen Euro Dividende gezahlt werden. In diesem Fall liegt die Ausschüttungsquote bei 200 Prozent. Das Unternehmen verschuldet sich, um seinen Anlegern weiterhin eine gleich hohe Dividende zahlen zu können.

In Deutschland ist eine derartige Praxis zwar eher unüblich, doch jenseits des Atlantiks haben auch renommierte Firmen wie IBM in den vergangenen Jahren diesen Weg beschritten. Das geschah auch mit dem Ziel, die eigenen Ertragsschwäche gegenüber den investierten Aktionären zu verschleiern.

Es liegt auf der Hand, dass kein Unternehmen sich eine derartige Praxis ewig leisten kann. Deshalb sollten Sie als Aktionär nicht nur auf die absolute Höhe der Dividende achten. Werfen Sie immer auch einen Blick auf die Ausschüttungshöhe und den freien Cashflow, denn beide Kennzahlen signalisieren Ihnen wie wahrscheinlich oder unwahrscheinlich es ist, dass die heute gezahlten Dividenden auch in Zukunft gezahlt werden können.

Extrem hohe Ausschüttungsquoten und niedrige Kassenbestände sind deshalb in den meisten Fällen ein Warnsignal. Denken Sie immer daran, dass die Höhe der Dividende vom Management sehr schnell an die neue Situation angepasst werden kann. Eine hohe Dividende heute ist deshalb noch lange keine Gewähr dafür, dass es auch in Zukunft sein wird. Schon im nächsten Quartal oder im nächsten Jahr kann die Höhe der Ausschüttungen drastisch gekürzt werden.

Immer einen Blick auf das Umfeld werfen

Die Höhe der Dividendenrendite schwankt im Laufe der Zeit. Sehr schön wird dies an Indizes deutlich, die wie der amerikanische S&P500 über lange Datenreihen verfügen. Im Jahr 2012 lag die durchschnittliche Dividendenrendite bei 2,06 Prozent, im Januar 2000 auf dem Höhepunkt der New Economy-Blase waren es nur 1,16 Prozent.

In Krisenzeiten, wenn Aktien bei den Anlegern unbeliebt und die Bewertungen niedrig sind, klettert die Dividendenrendite hingegen leicht auf attraktive Höhen. 1982 betrug die durchschnittliche Dividendenrendite im S&P500 beispielsweise 5,68 Prozent. 1932 auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise waren es sogar 9,52 Prozent.

Ein für alle Zeiten gültiges Durchschnittsmaß gibt es an dieser Stelle nicht. Achten Sie deshalb generell auf den Markt und überlegen Sie, ob dieser aktuell tendenziell eher günstig oder teuer bewertet ist. Gehen sie dann in einem zweiten Schritt dazu über, die Dividendenrenditen einzelner Unternehmen mit dem aktuellen Durchschnitt zu vergleichen. Sind die Abweichungen groß, macht es Sinn, den Ursachen genau auf den Grund zu gehen.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

Der Beitrag Besser nicht in diese Falle tappen erschien zuerst auf 7 vor 8 – Der Börsenausblick am Morgen.

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