Die Investmentbank Bernstein hat ihre Einstufung für indische Aktien auf „Neutral“ belassen und ihr Jahresendziel für den Nifty 50 bei 26.000 bestätigt, was von den Schlusskursen am Freitag aus ein Aufwärtspotenzial von rund 10 % impliziert.

Die Bank warnte jedoch, dass eine Kombination aus schwachen makroökonomischen Bedingungen, Gewinnherabstufungen und einer Wiederbelebung der Aktienemissionsaktivität die Gewinne begrenzen könnte, selbst wenn sich die Märkte kurzfristig durch nachlassende geopolitische Spannungen erholen.

In einer von den Analysten Venugopal Garre und Arela verfassten Mitteilung schrieb Bernstein, dass jede Deeskalation in Westasien, insbesondere durch ein mögliches Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran, eine Entlastungsrally an den Aktienmärkten auslösen könnte.

Die Bank geht jedoch davon aus, dass eine solche Rally kurzlebig sein könnte, da Anleger mit den zugrunde liegenden Herausforderungen bei Unternehmensgewinnen und Marktliquidität konfrontiert würden.

Rohöl bleibt der wichtigste Markthebel

Laut Bernstein sind die Rohölpreise die wichtigste Variable für die indischen Märkte und die Unternehmensprofitabilität.

Ein Rückgang der geopolitischen Spannungen, der die Ölpreise auf rund $90 pro Barrel oder darunter drückt, würde den Druck auf Unternehmensgewinne verringern, die Staatsfinanzen stützen und die Realisierung von Investitionsplänen über Branchen hinweg erleichtern.

Ein solches Szenario dürfte die Anlegerstimmung verbessern und Spielraum für eine stärkere Marktperformance schaffen.

Die Bank warnte jedoch, dass eine anhaltend hohe Periode der Ölpreise Indiens fiskalische und Leistungsbilanzpositionen untergraben und das Gewinnwachstum belasten könnte.

„Selbst ohne geopolitschen Schock sind die Gewinnrisiken nach unten verzerrt“, hieß es im Bericht, mit dem Hinweis, dass Sektoren, die traditionell als relativ unempfindlich gegenüber Ölpreisfluktuationen gelten, ebenfalls unter wachsendem Druck stehen.

Gewinnherabstufungen nehmen Fahrt auf

Bernstein stellte fest, dass Gewinnherabstufungen wieder eingesetzt haben, wobei die Schätzungen für das Geschäftsjahr 2027 bislang um etwa 3 % reduziert wurden.

Die Bank erwartet, dass das Gewinnmomentum bei den von ihr abgedeckten NSE200-Unternehmen deutlich nachlassen wird.

Sie prognostiziert ein Gewinnwachstum von rund 10 % für FY27, gegenüber einer jährlichen Wachstumsrate (CAGR) von 14 % in den beiden vorangegangenen Jahren.

Mehrere Sektoren sind besonders verwundbar, da die Erwartungen nach der starken jüngsten Performance hoch geblieben sind.

Bernstein nannte diskretionären Konsum, Versorger, Informationstechnologie, Baustoffe und Automobilsektor als Bereiche, in denen die Gewinnannahmen weiterhin ein höheres Momentum widerspiegeln, als die aktuellen Bedingungen rechtfertigen könnten.

Daher sei es nicht überraschend, wenn es zu weiteren Gewinnrevisionen komme.

Bernstein erklärte, dass Gesundheitswesen und Immobilien die einzigen Sektoren seien, in denen man eine echte Beschleunigung der Gewinne erwarte, wobei das Gesundheitswesen von einem günstigen Basiseffekt profitiere, nachdem es in FY26 lediglich 4–5 % Gewinnwachstum erzielt hatte.

Drei Themen könnten eine Entlastungsrally antreiben

Trotz des vorsichtigen Ausblicks identifizierte Bernstein mehrere Markttrends, die profitieren könnten, falls geopolitische Risiken nachlassen.

Das erste betrifft unterbewertete Unternehmen mit geringerer Governance-Wahrnehmung, die an globale Wachstumsthemen wie Künstliche Intelligenz und Rechenzentren gekoppelt sind.

Das zweite richtet sich auf global exponierte Sektoren, darunter Informationstechnologie und Gesundheitswesen.

Während der Nifty-IT-Index in diesem Jahr weiterhin mehr als 20 % im Minus liegt, haben Gesundheitsunternehmen von sich verbessernden Fundamentaldaten und defensiven Eigenschaften profitiert.

Das dritte Thema umfasst Rebound‑Trades, die entstehen könnten, wenn die Sorgen im Zusammenhang mit Westasien allmählich abklingen.

Selbst bei diesen Chancen betonte Bernstein, dass die Aktienauswahl kritisch bleiben werde, da breit angelegte Marktgewinne schwerer zu erzielen seien.

Verschiebung der Sektorpräferenzen

Als Spiegelbild des sich entwickelnden Ausblicks hat Bernstein seine Sektorallokationen angepasst.

Die Bank stuft Konsumgüter und Automobile auf „Underweight“ herab und verweist auf begrenzte politische Unterstützungsmaßnahmen, inflationären Druck und Hinweise darauf, dass die Autonachfrage ihren Höhepunkt erreicht haben könnte.

Im Finanzsektor hat Bernstein die Bewertung auf „Equalweight“ hochgestuft.

Die Bank bleibt neutral gegenüber Banken und nimmt weiterhin eine leicht vorsichtige Haltung gegenüber nicht‑banklichen Finanzunternehmen ein.

Zudem hat die Bank den breiteren Energiesektor auf „Equalweight“ verschoben.

Gleichzeitig wurde die Einstufung für Ölmarketing‑Unternehmen auf „Overweight“ angehoben mit der Begründung, dass das Schlimmste der jüngsten ölbedingten Belastungen möglicherweise bereits hinter ihnen liege.

Gesundheitswesen und Industrie als Favoriten

Unter den Sektoren, die auf mehr Optimismus stoßen, stechen Gesundheitswesen und Industrie hervor.

Bernstein beschrieb das Gesundheitswesen als mögliches „Wiederaufschwung“-Investment, gestützt durch nachlassenden Preisdruck in den USA, geringere Unsicherheit bei Zöllen und Vorteile durch einen schwächeren Rupie.

Auch Industrieunternehmen werden attraktiver, da sie von Investitionen in KI- und Rechenzentrumsinfrastruktur profitieren – Themen, von denen Analysten erwarten, dass sie weiter Gewinner im Sektor hervorbringen.

Die Bank behielt zudem ihre Einstufung „Overweight“ für Informationstechnologie bei, obwohl der Sektor in diesem Jahr das schwächste große Indexsegment ist.

Zwar bestehen kurzfristige Gewinnsorgen, doch Bernstein ist der Ansicht, dass IT überproportional von einer Verbesserung der globalen Wachstumserwartungen und nachlassenden geopolitischen Spannungen profitieren könnte.

Für den Moment bleibt die Bank jedoch vorsichtig gegenüber dem Gesamtmarkt und argumentiert, dass letztlich die Ölpreise und die Gewinnentwicklung entscheiden werden, ob indische Aktien ihre jüngsten Gewinne halten und sich nennenswert dem Nifty‑Ziel von 26.000 nähern können.

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