Bei der Rendite hängt viel vom Zufall ab

Wenn Sie Ihr Geld am Aktienmarkt investieren, tun Sie dies aktiv oder passiv? Suchen Sie selbst nach attraktiven Aktien und entscheiden eigenständig, welche Werte gekauft werden und welche nicht oder lassen Sie einen Fondsmanager dies für Sie tun? Wenn Sie diese Fragen mit einem Ja beantworten, zählen Sie zu den aktiven Anlegern.

Als passiver Anleger wären Sie einzuschätzen, wenn Sie ihren Auswahlprozess auf das Finden eines gut zu Ihnen und Ihrem Anlagestil passenden Indexfonds beschränken. Einmal gekauft, entwickelt sich der ETF wie der Index selbst. In guten Jahren verdienen auch Sie gut und in schlechten Jahren machen Sie ebenso große Verluste wie der Index selbst.

Ob ein Anleger eher der einen oder der anderen Variante zuneigt, hängt von vielen Faktoren ab. Einige davon sind so persönlich, dass sie gar nicht mehr hinterfragt werden können. Wenn Sie zum Beispiel viel Freude am Aktienauswahlprozess haben, wenn Sie es lieben, stundenlang Charts zu studieren und den passenden Ein- oder Ausstiegszeitpunkt zu suchen, dann werden Sie mit einem passiv gemanagten Produkt nur wenig Freude haben.

Die Frage kann also nie sein, welche Anlageform ist die beste. Auch wenn sie immer wieder so gestellt wird. Lauten kann die Frage nur: Welche Anlageform ist die beste für Sie? Beantworten muss sich diese Frage jeder Anleger selbst und es gibt dabei kein allgemeines Richtig oder Falsch, sondern nur ein ganz persönliches Richtig oder Falsch.

Generelle Aussagen sind hier fehl am Platz

Ein Anlagestil, der für Sie vollkommen richtig und naheliegend ist, kann für Ihren Nachbarn oder einen Ihrer Freunde vollkommen falsch sein. Man sollte sich deshalb an dieser Stelle in Zurückhaltung üben, wenn es darum geht, andere Strategien zu bewerten und – nur weil sie zu einem selbst nicht passen – in Grund und Boden zu verdammen.

Ein weiterer Punkt kommt hinzu: Die Bewegung an den Märkten ist vielfach so chaotisch und damit zufällig, dass auch die vergangenen Renditen keine Gewähr dafür bieten, dass es in Zukunft wieder so sein wird und diese Renditen erneut erreicht werden können. Das kann selbstverständlich passieren. Es kann aber auch ganz anders kommen.

Warren Buffett ist ein Beispiel dafür. Er zählt zweifelsohne zu den führenden Investoren und schnitt mit seinen Investments in vielen Jahren besser ab als der Dow Jones oder der S&P500. Dennoch: Auch Warren Buffett hatte Jahre, in denen es für ihn nicht so gut gelaufen ist.

Was für ihn gilt, das gilt auch für viele andere Fondsmanager und institutionelle Anleger. Auch sie machen Fehler, auch sie liegen immer wieder mal falsch. Deshalb sagen gerade bei der Auswahl von Fonds die gerne zur Rate gezogenen Drei- oder Fünfjahreszeiträume über die Qualität eines Fondsmanagements nicht viel aus.

Sie können nicht 143 Jahre warten

Sie müssten einen Zeitraum von 143 Jahren betrachten, um mit einer 95prozentigen Wahrscheinlichkeit entscheiden zu können, ob ein Fondsmangement gut oder schlecht ist. Diese Zeit hat niemand. Warren Buffett ist schon lange im Geschäft aber auf 143 Jahre im Management kommt auch er nicht.

Freuen Sie sich deshalb darüber, wenn Sie in den letzten Jahren besser abgeschnitten haben als der DAX oder der Dow Jones. Aber gehen Sie nicht davon aus, dass es immer so sein wird. Auf der anderen Seite gilt der Hinweis ebenso. Wer zehn Jahre lang den Markt nicht schlagen konnte, muss noch lange kein schlechter Anleger sein. Erst, wenn ein Anleger dem Markt 142 Jahre hinterherläuft, wird es langsam kritisch.

Gerade bei der Auswahl von Zeiträumen ist sehr viel Zufall mit im Spiel. Das führt dazu, dass die Rendite eines Anlegers stark schwanken kann, je nach dem, ob man den Beobachtungszeitraum ein oder zwei Jahre früher oder später beginnen bzw. enden lässt.

Denken Sie in dem Zusammenhang nur einmal an den neuen Markt oder die Finanzkrise. Viele, die sich 1999 oder 2007 kurz vor dem Höhepunkt der Aktienkurse noch als sehr gute Trader oder Investoren betrachtet haben, saßen zwei Jahre später auf dicken Verlusten und ihre Performance sah deutlich schlechter aus.

Natürlich macht es Sinn, die eigene Rendite beständig zu messen, damit man einen Überblick behält und Entwicklungen schneller erkennen kann. Aber wir tun auch gut daran, immer wieder mal einen Schritt zurückzutreten und uns einzugestehen, dass wir viele Dinge, die wir in der Hand zu haben glauben, gar nicht beeinflussen können.

Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Tag und grüße Sie herzlich

Ihr

Bernd Heim

Der Beitrag Bei der Rendite hängt viel vom Zufall ab erschien zuerst auf 7 vor 8 – Der Börsenausblick am Morgen.

[Finanztrends]

Kostenloser Newsletter

Bekommen Sie täglich die neuesten News unserer Experten!!!
Email

Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen", um Ihnen das beste Surferlebnis möglich zu geben. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen zu verwenden fortzufahren, oder klicken Sie auf "Akzeptieren" unten, dann erklären Sie sich mit diesen.

Schließen