BayWa hat sich mit ihren Großaktionären und den finanzierenden Banken auf die nächsten Schritte der Sanierung verständigt. Dennoch steht die Aktie weiter unter Druck und notiert am Mittwoch aktuell bei rund 2,70 €. Ist damit die Grundlage für eine Erholung gelegt?

Banken und Großaktionäre ziehen mit

Für den Fortgang der Sanierung war eine Einigung zwischen den finanzierenden Banken und den beiden Großaktionären entscheidend.

Die Vereinbarung sieht vor, den Sanierungszeitraum von Ende 2028 auf Ende 2030 zu verlängern. Bis zum Herbst soll ein überarbeitetes Sanierungskonzept vorliegen.

Die beiden Großaktionäre übertragen ihre Beteiligungen an einen Treuhänder. Gleichzeitig ist bis Ende 2029 eine Kapitalerhöhung vorgesehen. Können die Großaktionäre ihren Finanzierungsbeitrag von mindestens 220 Millionen € nicht leisten, erhält der Treuhänder das Recht, die Aktien zu veräußern.

Auch die Banken leisten einen erheblichen Beitrag. Kredite in Höhe von 700 Millionen € werden nachrangig gestellt und tragen damit einen Teil des Sanierungsrisikos.

Die Einigung verschafft BayWa vor allem zusätzlichen Zeitgewinn. Über den langfristigen Erfolg entscheidet jedoch das neue Restrukturierungskonzept.

BayWa r.e. dürfte weniger wert sein

Ein wesentlicher Baustein der Sanierung bleibt die Beteiligung an BayWa r.e.

Die ursprünglich erwartete Bewertung basierte auf einem EBITDA von rund 230 Mio. € im Jahr 2028. Aufgrund des schwierigeren Marktumfelds wird inzwischen nur noch mit etwa 150 Mio. € gerechnet.

Entsprechend dürfte auch ein möglicher Verkaufserlös deutlich niedriger ausfallen als ursprünglich geplant. Das erschwert die Entschuldung des Konzerns. Gerechnet wurde anfangs mit einem Verkaufserlös von 1,7 Milliarden €; jetzt sind es nur noch 800 Millionen €.

Bewertung

Die aktuelle Einigung reduziert kurzfristig den Liquiditätsdruck und senkt das Risiko eines unmittelbaren Scheiterns der Sanierung.

Die grundlegenden Herausforderungen bleiben jedoch bestehen. Der Erfolg hängt maßgeblich vom neuen Restrukturierungskonzept, der weiteren Entwicklung von BayWa r.e. sowie der geplanten Kapitalerhöhung ab. Für bestehende Aktionäre besteht weiterhin ein erhebliches Verwässerungsrisiko.

Die jüngste Einigung ist ein wichtiger Zwischenschritt, stellt aber noch keinen Befreiungsschlag dar. Die Sanierung ist weiterhin mit erheblichen Risiken verbunden.

Die BayWa-Aktie bleibt daher aus meiner Sicht ein spekulatives Investment. Erst wenn das neue Sanierungskonzept überzeugt und die Refinanzierung dauerhaft gesichert ist, dürfte sich das Chance-Risiko-Verhältnis deutlich verbessern.

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ℹ BayWa in Kürze

  • Die bayerische BayWa AG ist ein international tätiges Handels- und Dienstleistungsunternehmen. Schwerpunkte der Handelsaktivitäten sind der Agrarbereich sowie der Handel mit Solarmodulen und Solarparks.
  • Der Münchener Konzern betreibt seine Geschäfte überwiegend in Deutschland, Österreich und Osteuropa. Insgesamt hat der Konzern inklusive Franchise- und Partnerfirmen mehr als 3.000 Vertriebsstandorte in 16 europäischen Ländern.
  • Die im SDAX gelistete Aktie wird aktuell mit 268 Millionen € bewertet.

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