Die BayWa-Aktie bewegte sich zuletzt überwiegend in einer engen Range zwischen 2,40 und 2,70 €. Am Freitag notiert sie aktuell bei 2,65 €. Inzwischen ist ein wesentlicher Schritt bei der finanziellen Neuordnung gelungen. Die endgültige Sanierungsvereinbarung soll im Laufe dieses Jahres abgeschlossen werden. Hier stellt sich die Frage: Was bedeutet das für den weiteren Kursverlauf?
Neues Sanierungskonzept vorgestellt
Die Verhandlungen über eine Anpassung des bisherigen Sanierungskonzepts waren notwendig geworden, weil die ursprünglich erwarteten Erlöse aus dem Verkauf der Beteiligung an BayWa r.e. nicht mehr realistisch waren. Statt der ursprünglich eingeplanten rund 1,7 Milliarden € werden inzwischen nur noch rund 900 Millionen € aus einem möglichen Verkauf erwartet.
Nun liegt ein neues konkretes Konzept vor. Mit 267 von 268 Finanzierungspartnern und den beiden Großaktionären wurde eine Einigung über die wesentlichen Eckpunkte erzielt. Der Sanierungsgutachter befürwortet die Maßnahmen.
Damit hat die BayWa eine wichtige Voraussetzung für die Fortführung der Sanierung geschaffen. Ohne eine tragfähige Einigung über die Finanzierung würde das Insolvenzrisiko weiter bestehen.
Großaktionäre übertragen ihre Anteile
Die beiden Großaktionäre – die Bayerische Raiffeisen-Beteiligungs-AG und die Raiffeisen Agrar Invest – halten zusammen rund 67,1% der BayWa-Aktien.
Diese Beteiligung soll zunächst an einen Treuhänder übertragen werden. Eine Rückübertragung ist vorgesehen, wenn die beiden Großaktionäre im Jahr 2029 im Rahmen einer Kapitalerhöhung zusammen mindestens 220 Millionen € neues Eigenkapital bereitstellen. Andernfalls kann der Treuhänder die Aktien verwerten.
Damit übernehmen auch die Großaktionäre einen erheblichen Teil des Sanierungsrisikos.
Banken wandeln Forderungen um
Auch die Banken leisten einen wesentlichen Beitrag zur Sanierung.
Geplant ist, Kredite in Höhe von rund 700 Millionen € in nachrangige Finanzierungsinstrumente umzuwandeln. Dadurch wird die unmittelbare Belastung der BayWa reduziert. Gleichzeitig tragen die Banken ein höheres Risiko, da diese Forderungen im Insolvenzfall gegenüber vorrangigen Gläubigern zurückstehen.
Die Finanzierungslaufzeit soll zudem bis Ende 2030 verlängert werden. BayWa erhält dadurch deutlich mehr Zeit, die operative Sanierung umzusetzen und die Verschuldung zurückzuführen.
Auch die Anleihegläubiger werden beteiligt
Eine weitere wichtige Änderung betrifft die Hybridanleihe von BayWa.
Die Gläubiger sollen im Rahmen der geplanten Restrukturierung nahezu vollständig auf den Nominalbetrag ihrer Anleihen verzichten. Auch aufgelaufene Zinsansprüche sollen vollständig aufgegeben werden. Damit leisten auch die nachrangigen Anleihegläubiger einen erheblichen Beitrag zur Sanierung.
Für die bisherigen Anleihegläubiger ist dies ein erheblicher Einschnitt.
BayWa r.e. wird aus der Konzernstruktur herausgelöst
Ein wesentlicher Bestandteil des neuen Konzepts ist zudem die Neuordnung der Beteiligung an BayWa r.e.
Die bisherige Beteiligungsstruktur mit 51% bei BayWa und 49% beim Schweizer Investor Energy Infrastructure Partners soll verändert werden. Die Anteile sollen auf eine Sanierungsgesellschaft beziehungsweise einen Treuhänder übertragen werden, der den Verkauf der Beteiligung organisieren soll.
Gleichzeitig sollen die bestehenden Gesellschafterdarlehen in Höhe von insgesamt rund 1,3 Milliarden € wegfallen. Im Gegenzug sollen BayWa und EIP an einem späteren Verkaufserlös beteiligt werden.
Damit wird BayWa r.e. stärker aus der Bilanz der BayWa AG herausgelöst und die finanzielle Belastung des Konzerns reduziert.
Bewertung
Mit dem neuen Sanierungskonzept ist ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor zumindest teilweise beseitigt.
Besonders wichtig ist, dass nahezu sämtliche relevanten Finanzierungspartner dem Konzept zugestimmt haben. Gleichzeitig bewertet der Sanierungsgutachter die geplante Neuordnung grundsätzlich als geeignet, die Bilanz zu sanieren und die operative Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen.
Allerdings ist die Sanierung damit noch nicht abgeschlossen. Die endgültige Vereinbarung muss noch von den zuständigen Gremien, den Großaktionären und den Finanzierungspartnern bestätigt werden. Der Vorstand rechnet mit einem Abschluss noch im Jahr 2026.
Für die Aktionäre ist die Situation besonders anspruchsvoll. Die beiden Großaktionäre geben ihre Beteiligung zunächst an einen Treuhänder ab. Sollte 2029 die zugesagte Kapitalerhöhung nicht erfolgen, können die Aktien veräußert werden.
Gleichzeitig ist derzeit noch nicht absehbar, wie sich die zukünftige Kapitalstruktur konkret auf die Beteiligung der übrigen Aktionäre auswirken wird.
Entscheidend wird daher neben dem Abschluss der Sanierungsvereinbarung vor allem die operative Entwicklung sein. BayWa hatte bereits im ersten Quartal 2026 ein bereinigtes EBITDA über den Vorgaben des Sanierungsplans gemeldet und eine solide Liquidität ausgewiesen.
Das neue Sanierungskonzept ist ein wichtiger Schritt für die Zukunft der BayWa. Damit verbessern sich die Voraussetzungen für einen Neustart außerhalb eines Insolvenzverfahrens deutlich.
Trotz des niedrigen Kursniveaus halte ich die BayWa-Aktie weiterhin für sehr spekulativ. Anleger sollten daher trotz der Fortschritte zunächst abwarten. Erst wenn die endgültige Sanierungsvereinbarung steht kann eine weitere Beurteilung erfolgen.
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BayWa in Kürze
- Die bayerische BayWa AG ist ein international tätiges Handels- und Dienstleistungsunternehmen. Schwerpunkte der Handelsaktivitäten sind der Agrarbereich sowie der Handel mit Solarmodulen und Solarparks.
- Der Münchener Konzern betreibt seine Geschäfte überwiegend in Deutschland, Österreich und Osteuropa. Insgesamt hat der Konzern inklusive Franchise- und Partnerfirmen mehr als 3.000 Vertriebsstandorte in 16 europäischen Ländern.
- Die im SDAX gelistete Aktie wird aktuell mit 262 Millionen € bewertet.
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