Ein US-Geschworenengericht verdonnert Bayer (WKN: BAY001) zur Zahlung von 1,5 Milliarden US$. Anleger werden diesen Schock verdauen müssen, auch wenn das Strafmaß voraussichtlich keinen Bestand haben wird. Kurzfristig drohen weitere Gegenwinde. Sollen Anleger antizyklisch zuschlagen oder lieber nicht?
Bayer vorgestellt
Die Bayer AG mit Sitz in Leverkusen gehört mit rund 100.000 Mitarbeitern und einem Börsenwert von rund 40 Milliarden € zu den größten Chemie- und Pharmakonzernen weltweit. Mit der Übernahme des US-Agrarkonzerns Monsanto 2016 hat das Unternehmen seine Marktposition ausgebaut, sich jedoch auch Rechtsrisiken ins Haus geholt.
Schockurteil: 1,5 Milliarden € Schadensersatz
Die guten Neuigkeiten zum Dauerstreitthema Glyphosat von vergangenem Freitag währen nicht lang. Bayer wird aufgrund des Unkrautvernichters womöglich nun saftig zu Kasse gebeten. Denn wie Nachrichtenagenturen am Sonntagnachmittag berichteten, hat ein US-Geschworenengericht den DAX-Konzern zu einer Zahlung von mehr als 1,5 Milliarden US$ verurteilt.
Geklagt hatten drei ehemalige Roundup-Anwender, die das Mittel für ihre Krebserkrankungen verantwortlich machen. Die Geschworenen am Bundesgericht in Jefferson City, Missouri, haben ihnen jeweils gut 60 Millionen US$ Schadensersatz zuerkannt, sowie je 500 Millionen US$ Strafschadensersatz.
Revision wahrscheinlich
Das letzte Wort in diesem Rechtsstreit ist jedoch noch nicht gesprochen. Fakt ist: Geschworene in den USA sprechen Klägern oft hohe Summen zu, die Richter später nicht selten wieder senken.
So zeigt sich Bayer in seiner Stellungnahme selbstbewusst, das Urteil revidieren lassen zu können. Der Konzern argumentiert, dass regulatorische und wissenschaftliche Fakten im Verfahren falsch dargestellt wurden und allein die Höhe des Strafschadensersatzes gegen die US-Verfassung verstoße.
Für den Fall von Verurteilungen hat der deutsche Agrar- und Pharma-Riese bereits Rückstellungen in Milliardenhöhe vorgenommen. Die jüngste Bilanz vor Gewicht ist jedoch positiv: 9 der letzten 13 Gerichtsverfahren haben die Leverkusener gewonnen und einen Großteil der Klagen – ohne Hafteingeständnis – beigelegt.
Geschäfte laufen robuster als befürchtet
Die Nachricht dürfte bei Anlegern wieder merklich für Verunsicherung sorgen. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass Bayer eine Revision erwirken kann, so handelt es sich doch um ein offizielles Urteil eines US-Geschworenengerichts, das zunächst mal steht.
Das solide Gesamtbild ruiniert der erneute Monsanto-Ärger aus meiner Sicht jedoch nicht. So konnte der DAX-Konzern mit seinem jüngsten Q3-Bericht durchaus positiv überraschen. Die Quartalsergebnisse langen zwar leicht unter den Markterwartungen; wegen der schwachen Zahlen von Agrar-Wettbewerber Corteva hatte man kurzfristig jedoch mit Schlimmerem gerechnet. Zumal die Guidance für das laufenden Jahr bestätigt wurde.
Zwei gewaltige Kurskatalysatoren für die Zukunft
Darüber hinaus leistet der neue CEO Bill Anderson gute Arbeit dabei, die trägen Führungsstrukturen zu verschlanken und die Gespräche zur geplanten Teilung des Konzerns voranzubringen. Letztere ist ein riesiger Hebel für die Freisetzung von Shareholder Value. Nicht zu vergessen ist außerdem das Mega-Blockbuster-Potenzial des neuartigen Blutgerinnungsmedikaments Asundexian.
Mit der schlechten PR im Zusammenhang mit dem Glyphosat-Rechtstreit und weltweiten Makrogegenwinden (verhaltener Ausblick 2024 wegen schwacher Agrarpreise) gibt es kurzfristige Kursrisiken für die Bayer-Aktie. Der Tag der großen Transformation rückt jedoch näher. Das Warten darauf können sich Anleger mit einer gut gedeckten Dividende versüßen, die 6% Rendite abwirft.
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