Die Neubewertung von Assembly Biosciences gewinnt weiter an Dynamik. Nachdem Partner Gilead Sciences mit der Auswahl von GS-1179 für die Phase 2 und der möglichen Ausweitung des Programms auf Präventionsanwendungen die Perspektive der HSV-Franchise deutlich erweitert hat, folgt nun ein bemerkenswerter Schritt auf Analystenseite: Die UBS hat die Coverage von Assembly Biosciences neu aufgenommen und die Aktie mit „Buy“ eingestuft. Das Kursziel liegt bei 52 US-Dollar und damit rund 50% über dem jüngsten Kursniveau. Das muss aber noch nicht das Ende sein…
UBS sieht Plattform als „de-risked“
Die Schweizer Großbank bezeichnet die antivirale Plattform von Assembly als bereits vergleichsweise „de-risked“. Im Mittelpunkt steht GS-1179, das nach überzeugenden Phase-1b-Daten und einem dem Therapiestandard gegenüber klar überlegenen Profil nun in eine Phase-2-Entwicklung gegen wiederkehrenden Genitalherpes und potenziell weitere Indikationen geht. Gleichzeitig sieht die Bank zusätzliches Potenzial in Assemblys eigener Leber-Pipeline und insbesondere ABI-6250, das mittlerweile nicht nur gegen Hepatitis D, sondern auch Primary Biliary Cholangitis und Primary Sclerosing Cholangitis entwickelt wird. Assembly sieht dabei auch hier für jede Indikation ein Milliardenpotenzial.
Interessant: Für GS-1179 kalkuliert die UBS einen extrem konservativen Spitzenumsatz von weniger als einer Milliarde US-Dollar, obwohl selbst in der Basisindikation bereits mehrere Milliarden realistisch erscheinen. Im Falle einer breiten Anwendungserweiterung könnte sogar ein zweistelliges Milliardenpotenzial und damit absoluter Mega-Blockbuster-Status winken. Dass in einem solchen Fall auch das Kursziel dramatisch um ein Vielfaches nach oben schießen würde, liegt auf der Hand.

Quelle: KI
Klar ist: Der entscheidende Wert von GS-1179 könnte deutlich über einer klassischen Therapie gegen rezidivierenden Genitalherpes liegen. Gilead hat selbst bereits mögliche breitere Präventionsstrategien einschließlich einer Kombination mit HIV-PrEP in den Entwicklungsplan aufgenommen. Genau diese Perspektive macht aus einem möglichen Blockbuster möglicherweise eine deutlich größere antivirale Franchise. Die bisherigen Daten sind dabei herausragend: In der umfangreichen Proof-of-Concept-Studie reduzierte GS-1179 die HSV-2-Shedding-Rate bei der wöchentlichen 50-Milligramm-Dosis um 98% gegenüber Placebo. Noch spannender: Die High-Viral-Load-Shedding-Ereignisse wurden sogar um über 99% und damit nahezu vollständig eliminiert. Eine hohe HSV-2-Viruslast gilt als Surrogat für ein erhöhtes Übertragungsrisiko.
Ein solcher Effekt ist zwar noch kein endgültiger Beweis für eine tatsächliche Übertragungsverhinderung, erklärt aber, weshalb Gilead das Programm strategisch breiter denkt. Zumal: Der bisherige Therapiestandard Valaciclovir kommt auf eine Gesamt-Shedding-Reduktion von lediglich 71 bis 78% und verhindert weniger als die Hälfte der Übertragungen. Und: Das Medikament muss täglich mindestens einmal genommen werden, während GS-1179 komfortablerweise nur einmal wöchentlich dosiert wird.
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Position der Stärke
Hinzu kommt die inzwischen starke Finanzierungssituation. Assembly verfügte Ende Juni über 320,4 Millionen US-Dollar an liquiden Mitteln; zusammen mit der erwarteten Zahlung von Gilead im Zuge einer Kooperationsverlängerung im Oktober soll die Finanzierung des Unternehmens nach Angaben des Managements bis 2029 gesichert sein. Darin noch nicht berücksichtigt sind weitere potenzielle Opt-in-Zahlungen Gileads sowie Zuflüsse aus der Wandlung von bereits stark werthaltigen Warrants.
Fakt ist: Assembly kann die anstehenden klinischen Meilensteine aus einer starken Position heraus verfolgen und dürfte auch seinerseits einen Opt-in bei GS-1179 spielend stemmen können. In diesem Fall würden 40 Prozent der kommenden Kosten und Gewinne auf Assembly entfallen – angesichts der Perspektiven des Kandidaten erscheint das höchst lukrativ. Eine Entscheidung hierzu ist für den weiteren Jahresverlauf angekündigt.
Die UBS-Einstufung mit einem Kursziel von 52 US-Dollar reiht sich in das bereits ausgesprochen bullische Analystenbild ein. Auch Mizuho hat die Erfolgswahrscheinlichkeiten bei beiden zentralen Wirkstoffen erhöht und das Kursziel auf 53 US-Dollar angehoben.
Gleichzeitig bleibt die eigentliche Investmentstory unverändert: Der entscheidende Kurstreiber sind die klinischen Daten von GS-1179 und die Frage, wie weit Gilead das kommerzielle Potenzial der HSV-Franchise tatsächlich ausdehnen kann. Die UBS-Coverage liefert hierfür nun einen zusätzlichen Beleg dafür, dass der Markt beginnt, den strategischen Wert von Assembly Biosciences höher anzusetzen.
Als Erinnerung: Wir haben die Aktie unseres Top-Favoriten noch letztes Jahr zu Kursen unter 8 US$ gekauft, nun marschiert sie in Richtung neuer Langzeithochs über 40 US$. Das ist vor allem in Anbetracht einer großen Anzahl noch ausstehender Warrants mit Ausübungspreis 21,60 US$ ein wahnsinnig starkes Signal – und möglicherweise ein Vorbote eines Übernahmeversuchs Gileads.
Kommt es zu einer entsprechenden Transaktion, die ich bis zum Ablauf des Standstill Agreements Mitte Oktober und vor einem potenziellen Opt-in Assemblys für wahrscheinlich halte, würden höchstwahrscheinlich auch die gegenwärtigen Kursziele deutlich übersprungen.
Interessenkonflikt: Der Autor hält Aktien des besprochenen Unternehmens Assembly Biosciences in signifikantem Umfang. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Der Autor beabsichtigt, die Aktien – je nach Marktsituation auch kurzfristig – zu veräußern und könnte dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren.
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