Die ASML-Aktie war am Freitag mit einem Kursgewinn von über +5% Spitzenreiter im europäischen Leitindex Eurostoxx 50. Der niederländische Hersteller von Chipproduktionsmaschinen notiert damit nur noch unweit seines Allzeithochs. Dürfen Anleger bald mit neuen Höchstständen rechnen?

Das sagen Analysten

Wenn es nach der Einschätzung einiger renommierter Banken geht, dann ist die Antwort auf die eingangs gestellte Frage ein klares „Ja“. In den vergangenen Tagen haben einige Analysten ihres Kursziele für die ASML-Aktie angehoben.

Die Schweizer Großbank UBS erhöhte ihr Kursziel von 1.900 auf 2.100 €. Damit sehen die UBS-Analysten ein weiters Upside von knapp +30% für die ASML-Aktie.

Ihrer Meinung nach steckt in der gesamten Halbleiterlieferkette massive Gewinnfantasie. Der Übergang zu den nächsten Chip-Generationen heizt den Bedarf an hochmodernen EUV-Systemen von ASML noch stärker an als bisher kalkuliert, so die UBS-Analysten.

Auch die Experten der Investmentbank Goldman Sachs zeigten sich zuletzt optimistischer. Sie sehen den fairen Wert der ASML-Aktie inzwischen bei 2.000 € statt bislang bei 1.770 €.

Goldman Sachs reagierte mit der Kurszielanhebung direkt auf die jüngste Verunsicherung im Tech-Sektor bezüglich der neuen Rechenzentrumsstrategie von Meta. Die Investmentbanker werteten den temporären Dip der ASML-Aktie als klare Kaufchance und begründeten das neue Kursziel mit einem höheren Bewertungsmultiplikator, der der unantastbaren Marktstellung von ASML gerecht wird.

Genauso optimistisch eingestellt wie Goldman Sachs ist die britische Barclays-Bank. Auch sie sieht weiteres Potenzial für die ASML-Aktie bis 2.000 €. Barclays erwartet, dass die langfristigen Produktionskapazitäten für EUV-Systeme mittelfristig die konservativen Annahmen des restlichen Marktes übertreffen werden.

Und auch die Investmentbank Jefferies erhöhte vergangene Woche ihr Kursziel von 1.260 auf 1.560 €. Im Gegensatz zu den drei anderen Banken liegt dieser Zielwert jedoch unter dem aktuellen Kursniveau der ASML-Aktie, weshalb Jefferies auch nur zum Halten des Tech-Titels rät.

Die Jefferies-Banker halten die Aktie auf dem aktuellen Niveau fundamental für voll bewertet. Allerdings rechnen die Analysten fest mit einer Prognoseanhebung seitens des ASML-Managements zum Quartalsbericht.

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Charttechnisch gute Chancen

Charttechnisch stehen die Chancen gut für ein neues Allzeithoch der ASML-Aktie. Erst am 30. Juni kletterte sie auf einen neuen historischen Höchststand.

Hinzu kommt, dass das Kursniveau von 1.550 € einen starken Support darstellt. Am Donnerstag prallte die Aktie ein drittes Mal an diesem Widerstand ab und drehte sofort wieder nach oben.

Ein immer noch uneinholbarer Monopolist

Auch ich rate Anlegern zum Kauf der ASML-Aktie, wenngleich ich nicht mehr viel Luft nach oben sehe. Das liegt an der inzwischen sehr sportlichen Bewertung des Halbleiterzulieferers mit einem Forward-KGV von knapp 50.

Anleger sind offenbar bereit, eine hohe Prämie für die Monopolstellung von ASML bei EUV-Lithografiemaschinen, dem Premiumsegment der Chipproduktionsmaschinen, zu bezahlen. Bei diesen Maschinen, die für die Fertigung von Chips unterhalb von sieben Nanometern (wichtig für ultramoderne KI-Beschleuniger) zwingend gebraucht werden, hat ASML einen Marktanteil von noch 100%.

Ich sage noch, weil ASML von zwei Seiten langfristig technologisch bedroht ist. Zum einen vom japanischen Technologiekonzern Canon, der mit seiner Nanoimprint-Lithographie (NIL) einen völlig neuen technologischen Weg gehen will.

Statt Schaltkreise mit extrem kurzwelligem Laserlicht auf die Siliziumwafer zu projizieren, funktioniert NIL wie ein hochpräziser Stempel, der das Schaltungsdesign direkt mechanisch in den Fotolack presst. Canon verspricht, mit dem System Strukturen zu drucken, die einem 5-Nanometer- oder gar 2-Nanometer-Knoten entsprechen – und das zu einem Bruchteil der Kosten und mit bis zu 90 % weniger Energieverbrauch als ein ASML-EUV-System.

Bislang erweist sich NIL aber noch extrem anfällig für winzige Defekte (Staubpartikel auf dem Stempel ruinieren sofort die folgenden Wafer) und leidet unter Problemen bei der präzisen Ausrichtung mehrerer Schichten übereinander.

Zum anderen arbeiten chinesische Technologieunternehmen mit Hochdruck an der Entwicklung neuester Lithografietechniken. Das müssen sie auch, denn durch das Exportverbot modernster ASML-Maschinen nach China wird die Halbleiterindustrie der Volksrepublik gezielt durch den Westen behindert. Für Peking ist das selbstverständlich nicht hinnehmbar.

Obwohl die Chinesen zweifellos große Fortschritte machen, schätzen Experten den technologischen Vorsprung von ASML auf mindestens zehn Jahre. Es ist extrem unwahrscheinlich, dass China diesen Rückstand kurzfristig einholt, da die Lieferkette von ASML von tausenden spezialisierten Zulieferern weltweit abhängt, vor allem aus Europa.

Zudem haben Chip-Giganten wie TSMC, Intel und Samsung ihre gesamten Fabriken auf das Ökosystem von ASML optimiert. Ein Wechsel des Maschinenherstellers im laufenden Betrieb würde Milliarden kosten und jahrelange Verzögerungen bedeuten.

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Vor diesem Hintergrund sehe ich das Monopol von ASML bei ultramodernen Lithografiemaschinen nach wie vor ungefährdet. Das bedeutet, dass sich Anleger keine Sorgen um das Umsatzwachstum und vor allem die Margen machen müssen.

Diese Sorglosigkeit ist allerdings bereits weitgehend in die Bewertung der ASML-Aktie eingepreist. Trotzdem hat die Aktie meines Erachtens noch ausreichend Luft nach oben, um auf ein neues Allzeithoch zu klettern.

ℹ ASML in Kürze

  • ASML (WKN: A1J4U4) mit Sitz im niederländischen Veldhoven ist ein international führender Ausrüster für die Halbleiterindustrie.
  • Im Bereich Lithographie-Systeme ist das Unternehmen weltweiter Technologie- und Marktführer. Die komplexen Maschinen werden zur Herstellung von effizienten und leistungsstarken Mikrochips benötigt.
  • Zu den Kunden von ASML gehören alle großen Chiphersteller der Welt.
  • ASML ist Mitglied im europäischen Leitindex EuroStoxx 50 und mit einem Börsenwert von aktuell 645 Milliarden € das wertvollste Unternehmen Europas.

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