
Der rasante Anstieg der Zahl der Ultra-High-Net-Worth-Individuals (UHNWIs) in Asien wird die globale Vermögenslandschaft neu definieren.
Da täglich voraussichtlich 35 neue UHNWIs hinzukommen, dürfte die Gesamtzahl der Superreichen in der Region bis 2027 auf etwa 230.000 ansteigen – fast 40 % mehr als im Jahr 2023.
Dieser dramatische Anstieg wird Asien zur zweitgrößten Konzentration von UHNWIs machen, nur Nordamerika ist noch wichtiger. Bei der aktuellen Wachstumsrate dürfte es jedoch nicht mehr lange dauern, bis Asien den Spitzenplatz einnimmt.
Der Wettbewerb zwischen Hongkong und Singapur verschärft sich
Mit dem wachsenden Wohlstand in Asien verschärft sich auch der Wettbewerb um die frischgebackenen UHNWIs. Hongkong und Singapur sind hier die Vorreiter, denn jede dieser Städte nutzt ihre jeweiligen Stärken, um sich zum führenden Vermögensverwaltungszentrum der Region zu entwickeln.
Singapur hat Steuererleichterungen und ein wirtschaftsfreundliches Regulierungsumfeld genutzt, um über 1.100 Family Offices anzulocken, die insgesamt mehr als 4 Billionen Dollar verwalten. Noch vor einem Jahrzehnt waren es nur rund 100, wie aus einem Bericht von Knight Frank hervorgeht.
Auch Hongkong, traditionell der dominierende Akteur im asiatischen Vermögensverwaltungssektor, kämpft darum, seinen Status zu behalten.
Die Vermögensverwaltungsbranche der Stadt verzeichnete in den fünf Jahren bis 2022 das schnellste Wachstum der verwalteten Vermögenswerte.
Allerdings haben die jüngsten Veränderungen der geopolitischen und wirtschaftlichen Landschaft einige vermögende Privatpersonen dazu veranlasst, ihr Vermögen nach Singapur zu verlagern.
Als Reaktion darauf haben die Behörden Hongkongs neue Anreize für Family Offices und Aufenthaltsoptionen für Einzelpersonen eingeführt, die mindestens 30 Millionen HK-Dollar in der Stadt investieren.
Singapurs Aufstieg zum Wohlstandszentrum
Singapurs schnelles Wachstum als Vermögensverwaltungszentrum ist auf seine strategischen Initiativen zur Anziehung von Family Offices zurückzuführen. Während der Stadtstaat die Zahl der Family Offices erfolgreich erhöht hat, bleibt die direkte Auswirkung auf lokale Investitionen unklar.
Im vergangenen Sommer passte die Monetary Authority of Singapore (MAS) ihre Anreize an, um Family Offices zu Investitionen in die Aktienmärkte und klimabezogenen Projekte des Landes zu ermutigen.
Der Zustrom von Family Offices hatte allerdings nur minimale Auswirkungen auf den Wohnimmobilienmarkt. Dies deutet darauf hin, dass diese privaten Institutionen noch keine tiefen Wurzeln in der lokalen Wirtschaft geschlagen haben.
Trotz dieser Herausforderungen wird für die Vermögensverwaltungsbranche in Singapur ein erhebliches Wachstum erwartet.
Bis 2027 dürfte das in Singapur verbuchte Finanzvermögen um 9 % steigen. Damit wird der Stadtstaat neben Hongkong und der Schweiz zu einem der drei wichtigsten Vermögensverwaltungszentren weltweit.
Hongkongs Reaktion und Zukunftsaussichten
Der Vermögensverwaltungssektor in Hongkong bleibt nicht untätig. Die Family-Office-Community der Stadt, die derzeit rund 400 Mitglieder zählt, soll expandieren. Ziel ist es, bis 2025 weitere 200 Family Offices zu eröffnen.
Im Oktober 2022 führte Hongkong eine Richtlinie ein, um vermögende Privatpersonen im Rahmen des Capital Investment Entrant Scheme zu ermutigen, mindestens 30 Millionen HK-Dollar in lokale Aktien oder Vermögenswerte zu investieren. Dieses Programm dürfte eine zentrale Rolle bei der Stärkung der Vermögensverwaltungsbranche der Stadt spielen.
Experten bleiben optimistisch, was Hongkongs Zukunftsaussichten angeht. Der Erfolg der Stadt als Wohlstandszentrum hängt eng mit der Expansion der chinesischen Wirtschaft und ihrer Fähigkeit zusammen, vermögende Privatpersonen vom Festland anzuziehen.
Zwar wird erwartet, dass sich Chinas Wirtschaftswachstum von 8,4 Prozent im Jahr 2020 bis 2025 auf 4,5 Prozent abschwächt. Dennoch werden diese Wachstumsraten Hongkongs Ambition unterstützen, bis 2027 zum weltweit führenden Zentrum für Vermögensverwaltung zu werden und möglicherweise die Schweiz zu überholen.
Ein ausgeglichener Wettbewerb zwischen Hongkong und Singapur
Der Wettbewerb zwischen Hongkong und Singapur um die Superreichen Asiens ist nicht unbedingt ein Nullsummenspiel.
Der schnelle regionale Wohlstandszuwachs stärkt beide Städte. Singapur zieht aufstrebenden Wohlstand aus Ländern wie Indonesien, Thailand, Malaysia und Vietnam an, während Hongkong weiterhin der dominierende Knotenpunkt für den auf dem chinesischen Festland generierten Wohlstand bleibt.
Die größte Herausforderung für beide Städte liegt in ihrer Fähigkeit, Regulierungsstrukturen zu implementieren, die echte Investitionen in ihre lokale Wirtschaft fördern.
Zwar ist es sowohl Hongkong als auch Singapur gelungen, Family Offices anzulocken. Der wahre Maßstab für ihren Erfolg wird jedoch sein, ob diese Büros durch erhebliche lokale Investitionen zu einem nachhaltigen Wirtschaftswachstum beitragen.
Die Zukunft der Vermögensverwaltung in Asien
Während sich die Vermögensverwaltungslandschaft Asiens ständig weiterentwickelt, stehen sowohl Hongkong als auch Singapur vor der Herausforderung, ihren Wettbewerbsvorteil aufrechtzuerhalten.
Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Frage, wie jede Stadt ein Umfeld schaffen kann, das nicht nur superreiche Menschen anzieht, sondern sie auch dazu ermutigt, in die lokale Wirtschaft zu investieren.
Für Singapur bedeutet dies möglicherweise, dass es seine Anreize weiter verfeinern muss, um sicherzustellen, dass Family Offices zum langfristigen Wirtschaftswachstum beitragen. Hongkong hingegen muss seine engen Beziehungen zum chinesischen Festland nutzen, um weiterhin Wohlstand aus der größten Volkswirtschaft der Region anzuziehen.
Letztlich wird der Erfolg beider Städte von ihrer Fähigkeit abhängen, die Bedürfnisse der UHNWI mit den umfassenderen wirtschaftlichen Zielen ihrer jeweiligen Regierungen in Einklang zu bringen.
Da der Wohlstand in Asien weiter wächst, dürfte sich auch der Wettbewerb zwischen Hongkong und Singapur verschärfen, denn beide Städte streben danach, zum führenden Vermögensverwaltungszentrum der Region zu werden.
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