Für Aktionäre von Arqit Quantum waren die vergangenen Jahre ernüchternd. Seit dem Rekordhoch Ende 2022 bei 256 US$ befindet sich die Arqit Quantum-Aktie in einem langfristigen Abwärtstrend. Aktuell notiert sie am Mittwoch bei 16,30 US$ und damit weit entfernt von ihren früheren Bestmarken. Doch genau darin könnte für risikobereite Anleger eine Chance liegen. Ist der Boden erreicht, oder drohen weitere Rückschläge?

Quantencomputer werden Realität

Was noch vor wenigen Jahren vor allem als wissenschaftliches Zukunftsthema galt, entwickelt sich zunehmend zu einer wirtschaftlichen Realität: Quantencomputer machen deutliche Fortschritte und nähern sich Schritt für Schritt der kommerziellen Nutzung.

Zwar sind die heutigen Systeme noch fehleranfällig, doch ihre Leistungsfähigkeit verbessert sich kontinuierlich. Unternehmen wie IBM, Honeywell, D-Wave, IonQ oder Rigetti treiben die Kommerzialisierung ihrer Technologien mit hoher Geschwindigkeit voran. Gleichzeitig steigt die Anzahl der verfügbaren Qubits stetig an.

Der entscheidende Vorteil von Quantencomputern liegt in ihrer enormen Rechenleistung. Viele komplexe Aufgaben, für die klassische Computer Tage, Monate oder sogar Jahre benötigen würden, könnten künftig innerhalb kürzester Zeit gelöst werden. Während herkömmliche Rechner Berechnungen überwiegend sequenziell durchführen, können Quantencomputer zahlreiche Rechenschritte parallel ausführen.

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Die Gefahr für bestehende Verschlüsselungssysteme

Mit den technologischen Fortschritten wächst jedoch auch ein erhebliches Sicherheitsrisiko.

Staatliche Einrichtungen, Unternehmen und Privatpersonen schützen ihre Daten heute durch kryptografische Verfahren, die mit klassischen Computern praktisch nicht zu knacken sind. Leistungsfähige Quantencomputer könnten diese Schutzmechanismen künftig jedoch überwinden.

Deshalb gewinnt das Thema „Post-Quanten-Sicherheit“ zunehmend an Bedeutung. Darunter versteht man Verschlüsselungsverfahren, die speziell dafür entwickelt wurden, auch Angriffen durch Quantencomputer standzuhalten.

Die politische Unterstützung für diesen Technologiewechsel nimmt bereits deutlich zu. Mit dem US-amerikanischen „National Security Memorandum 10“ wurde staatlichen Stellen schon 2022 die Umstellung auf Post-Quanten-Sicherheitsstandards vorgeschrieben. Inzwischen haben auch Länder wie Großbritannien und Kanada entsprechende Vorgaben verabschiedet. Weitere Staaten dürften folgen.

Auch die Privatwirtschaft reagiert zunehmend auf diese Entwicklung. Technologiekonzerne wie Google, IBM und Cloudflare haben ihre Zeitpläne für die Einführung quantensicherer Verschlüsselung zuletzt beschleunigt und peilen inzwischen das Jahr 2029 an.

Zusätzlichen Druck erzeugen Fortschritte auf Seiten der Quantencomputer-Hersteller. So gab IonQ kürzlich bekannt, die Entwicklung eines Quantencomputers beschleunigen zu wollen, der leistungsfähig genug sein könnte, den weit verbreiteten RSA-2048-Standard zwischen 2028 und 2029 zu knacken.

CEO Andy Leaver betonte hierzu:

Mittlerweile herrscht weithin Einigkeit darüber, dass das durch Quantencomputer entstehende kryptografische Cybersicherheitsrisiko angegangen werden muss.

Noch geringe Umsätze, aber hohe Dynamik

Finanziell befindet sich Arqit weiterhin in einer frühen Unternehmensphase. Die absoluten Umsätze sind bislang noch sehr niedrig.

Im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 0,63 Millionen US-Dollar. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit lediglich 0,06 Millionen US-Dollar entspricht dies jedoch einer Verzehnfachung.

Auch im Vergleich zum zweiten Halbjahr des vorherigen Geschäftsjahres mit 0,46 Millionen US-Dollar zeigt sich ein deutlicher Wachstumstrend.

Auf der Ertragsseite schreibt Arqit weiterhin Verluste. Im vergangenen Geschäftsjahr erhöhte sich der Jahresfehlbetrag um rund 48% auf 34 Millionen US-Dollar.

Positiv ist jedoch die solide Liquiditätsposition. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen am 20. Mai verfügte das Unternehmen über liquide Mittel in Höhe von 35,9 Millionen US-Dollar.

Die bisherigen Umsätze wurden mit insgesamt elf aktiven Kunden erzielt. Darunter befinden sich drei Unternehmen aus dem Telekommunikationssektor sowie acht Kunden aus den Bereichen Regierung, Verteidigung und Wirtschaft.

Wachstumspotenzial in einem entstehenden Markt

Der Markt für Post-Quanten-Sicherheit befindet sich noch am Anfang seiner Entwicklung. Gleichzeitig wächst weltweit das Bewusstsein dafür, dass bestehende Verschlüsselungssysteme langfristig nicht mehr ausreichend geschützt sein könnten.

Je näher leistungsfähige Quantencomputer an die praktische Einsatzreife heranrücken, desto stärker dürfte die Nachfrage nach quantensicheren Sicherheitslösungen steigen.

Arqit positioniert sich frühzeitig in diesem Zukunftsmarkt und könnte von einer beschleunigten Einführung entsprechender Sicherheitsstandards profitieren.

Die Kursentwicklung der vergangenen Jahre war für Anleger enttäuschend. Nach dem Hoch im Oktober bei rund 53 US-Dollar geriet die Aktie in einen ausgeprägten Abwärtstrend. Zuletzt scheint sich jedoch eine Bodenbildung abzuzeichnen.

Operativ befindet sich Arqit zwar noch in einer frühen Phase mit geringen Umsätzen und hohen Verlusten. Gleichzeitig adressiert das Unternehmen jedoch einen Markt, dessen Bedeutung in den kommenden Jahren erheblich zunehmen dürfte.

Für konservative Anleger bleibt die Aktie aufgrund der hohen Risiken spekulativ. Wer jedoch über eine hohe Risikobereitschaft und einen langen Anlagehorizont verfügt, könnte auf dem aktuellen Kursniveau eine interessante Chance auf überdurchschnittliche Kursgewinne finden.

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ℹ Arqit Quantum in Kürze

  • Arqit Quantum, kurz Arqit, (WKN: A4OP0P) entwickelt cloudbasierte Verschlüsselungslösungen, die Unternehmen und Behörden vor den potenziellen Cyberrisiken künftiger Quantencomputer schützen sollen. Darüber hinaus unterstützt das Unternehmen die Integration seiner Sicherheitsarchitektur in bestehende IT-Infrastrukturen.
  • Der Hauptsitz von Arqit befindet sich in London.
  • Die Aktie ist an der Nasdaq notiert. Aktuell beläuft sich die Marktkapitalisierung auf rund 255 Millionen US$.

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