
Der Brent‑Rohölpreis hielt sich am Montag stabil, während der Krieg im Iran andauerte. Er stieg auf $112, ein Anstieg von 91% gegenüber seinem diesjährigen Tief. Er liegt nahe dem bisherigen Jahreshoch von $119.50, und Analysten bei Goldman Sachs sehen in den kommenden Wochen weiteres Aufwärtspotenzial.
Goldman Sachs erhöht die Rohölpreis‑Prognose
Analysten von Goldman Sachs, einer führenden Wall‑Street‑Bank, haben ihre Rohölprognose nach oben korrigiert und verwiesen auf den anhaltenden Krieg im Iran und die Schließung der Straße von Hormus.
Die Bank erwartet nun, dass der Brent‑Rohölpreis dieses Jahr im Durchschnitt $85 betragen wird, nach einer früheren Schätzung von $77. Ebenso schätzt die Bank, dass der West Texas Intermediate (WTI) im Jahresdurchschnitt $79 erreichen wird, nach zuvor $72.
Die Bank schätzt, dass die Durchflussmengen durch die Straße von Hormus für sechs Wochen lediglich 5% des normalen Niveaus betragen werden, gefolgt von einer allmählichen Erholung.
Der Bericht folgte auf eine Warnung von Präsident Donald Trump, wonach die Vereinigten Staaten die Energieinfrastruktur Irans bombardieren würden, sollte das Land die Straße von Hormus nicht wieder öffnen.
Iran reagierte darauf und erklärte, die Straße so lange zu schließen, bis eine Entschädigung erfolgt. Außerdem drohte es, die Infrastruktur anderer Länder im Nahen Osten anzugreifen.
Eine Eskalation des Kriegs im Iran wäre positiv für die Rohölpreise aufgrund der Bedeutung der Straße für die Branche: Täglich passieren zwischen 20% und 25% des Öls diese Route.
Andere Analysten sind der Ansicht, dass der Brent‑Rohölpreis kurzfristig weiteres Aufwärtspotenzial hat. So warnte Jeff Currie, ein führender Analyst bei Carlyle, vor einer Diskrepanz zwischen den Preisen auf digitalen Plattformen und der Lage am physischen Markt. Er stellte fest, dass Öl in einigen Märkten zu Preisen von über $150 pro Barrel gehandelt werde.
Auf der positiven Seite bemerkte Donald Trump außerdem, die USA hätten ihre Kriegsziele erreicht und erwogen, die Kampfhandlungen zu beenden. Theoretisch wäre ein solcher Schritt bärisch für die Rohölpreise.
In Wirklichkeit wird Iran ebenfalls mitentscheiden, wann der Krieg endet, da Offizielle befürchten, dass ein vorzeitiges Ende in den nächsten Monaten zu weiteren Angriffen führen würde. Daher wünschen sich Offizielle, dass der Ölpreis sprungartig auf $200 ansteigt — eine Entwicklung, die die USA und ihre Verbündeten bestrafen würde.
Die USA haben zusätzliche Maßnahmen ergriffen, um die Ölpreise zu senken. So wurden die Sanktionen gegen Iran und Russland gelockert, was Millionen Barrel zusätzlich auf den Markt bringen wird. Gemeinsam mit der IEA geben Länder nun 400 Millionen Barrel Öl frei.
Technische Analyse des Brent‑Rohölpreises

Diagramm des Rohölpreises | Quelle: TradingView
Der Wochenchart zeigt, dass der Brent‑Rohölpreis in den vergangenen Wochen eine Erholung verzeichnet hat. Diese Erholung folgte auf die Ausbildung eines großen fallenden Keilmusters, das aus zwei abfallenden und konvergierenden Trendlinien besteht.
Er steht kurz davor, ein Golden Cross zu bilden, das auftritt, wenn sich die 50‑Wochen‑ und 200‑Wochen‑Exponentiellen Gleitenden Durchschnitte (EMA) kreuzen. Ein Golden Cross gehört zu den häufigsten bullischen Signalen in der technischen Analyse.
Es gibt jedoch Anzeichen dafür, dass das Öl stark überkauft ist: Der Relative‑Stärke‑Index (RSI) ist auf 85 gestiegen. Auch MACD und der Stochastik‑Oszillator sind in diesem Monat weiter gestiegen.
Daher könnte das Öl einen Rücksetzer erleben, da Trump vermutlich von seinem Versprechen, Irans Energieinfrastruktur zu bombardieren, zurückweichen wird. Sollte dies eintreten, könnte der Preis kurzfristig auf die wichtige Unterstützungszone bei $100 fallen.
WEITERLESEN: Warum US‑Shale die Produktion nicht schnell hochfahren wird, selbst bei WTI‑Preisen nahe $100/bbl
The post Analyse des Brent‑Rohölpreises: Goldman Sachs erhöht Prognose appeared first on Invezz