Auf den ersten Blick wirkt die Aktie von Advanced Micro Devices (AMD) derzeit ambitioniert bewertet. Nach der starken Kursentwicklung erscheint der Bewertungsaufschlag für ein Unternehmen, das erst vergleichsweise spät in den Markt für KI-Grafikprozessoren eingestiegen ist, hoch. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild.
AMD hat sich inzwischen als zweitgrößter Anbieter im Markt für KI-Beschleuniger etabliert. Gleichzeitig wächst der Bedarf vieler Großkunden nach einer Alternative zum dominierenden Marktführer. Darüber hinaus dürfte der Markt das Potenzial des CPU-Geschäfts noch immer unterschätzen. Mit einer kontinuierlich steigenden Gewinnentwicklung entwickelt sich AMD zunehmend zu einem klassischen Qualitätswachstumsunternehmen.
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Starkes Quartal mit dynamischem Gewinnwachstum
Die Geschäftszahlen für das erste Quartal unterstreichen die operative Stärke des Unternehmens. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um 38 Prozent auf 10,3 Milliarden US-Dollar. Die Bruttomarge erreichte 53 Prozent, das operative Ergebnis lag bei 1,5 Milliarden US-Dollar und der verwässerte Gewinn je Aktie verbesserte sich um 91 Prozent auf 0,84 US-Dollar.
Bereinigt um Sondereffekte fiel das Bild noch besser aus. Die Bruttomarge erreichte 55 Prozent, das operative Ergebnis belief sich auf 2,5 Milliarden US-Dollar und der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 1,37 US-Dollar.
Vorstandsvorsitzende Lisa Su bezeichnete das Quartal als außerordentlich stark. Vor allem die steigende Nachfrage nach KI-Infrastruktur habe dazu geführt, dass das Rechenzentrumsgeschäft inzwischen der wichtigste Wachstumstreiber bei Umsatz und Gewinn sei.
Besonders die zunehmende Nutzung von KI-Inferenz und agentenbasierten Anwendungen sorgt für eine steigende Nachfrage nach leistungsfähigen Prozessoren. Gleichzeitig wächst das Interesse der Kunden an der kommenden MI450-Beschleunigerfamilie sowie den neuen Helios-Komplettsystemen.
Warum AMD nicht Marktführer werden muss
Viele Investoren betrachten den großen Softwarevorsprung von NVIDIA als kaum überwindbaren Wettbewerbsvorteil. Tatsächlich gilt das CUDA-Ökosystem mit Millionen Entwicklern und hohen Wechselkosten als eines der stärksten Ökosysteme der Technologiebranche.
Für die Investmentthese bei AMD ist das jedoch nicht entscheidend. Das Unternehmen muss NVIDIA nicht verdrängen. Entscheidend ist vielmehr, dass große Cloud-Anbieter und KI-Unternehmen bewusst einen zweiten leistungsfähigen Lieferanten aufbauen möchten, um ihre Abhängigkeit von einem einzigen Anbieter zu reduzieren.
Genau diese Entwicklung zeichnet sich zunehmend ab. AMD und Meta haben eine mehrjährige Partnerschaft vereinbart, die den Aufbau von KI-Infrastruktur mit einer Leistung von bis zu sechs Gigawatt vorsieht. Die ersten Auslieferungen sollen in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 beginnen und basieren auf speziell entwickelten MI450-Grafikprozessoren sowie den neuen EPYC-Prozessoren der sechsten Generation mit dem Codenamen Venice.
Hinzu kommt, dass sowohl Meta als auch OpenAI umfangreiche GPU-Vereinbarungen abgeschlossen haben, die zusätzlich über Aktienoptionen miteinander verknüpft sind. Dadurch entsteht ein gemeinsames wirtschaftliches Interesse am Erfolg der AMD-Plattform.
Der eigentliche Wettbewerbsvorteil liegt damit weniger in der Software als vielmehr in den enormen technischen und finanziellen Hürden des Marktes. Weltweit gibt es derzeit praktisch nur zwei Unternehmen, die KI-Beschleuniger in der benötigten Größenordnung entwickeln, produzieren und über Jahre hinweg zuverlässig liefern können. Diese Knappheit schafft einen natürlichen Burggraben.
Das unterschätzte Potenzial des Prozessorgeschäfts
Noch interessanter könnte langfristig allerdings das klassische Serverprozessorgeschäft werden. Das Management hat den adressierbaren Markt für Server-CPUs inzwischen auf mehr als 120 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2030 verdoppelt.
Jedes große KI-Rechenzentrum benötigt neben Grafikprozessoren auch leistungsfähige CPUs. Sie koordinieren Datenströme, verwalten Rechenaufgaben und übernehmen zahlreiche Arbeitsschritte vor und nach den eigentlichen KI-Berechnungen. Mit zunehmender Verbreitung von KI-Anwendungen wächst daher auch die Nachfrage nach leistungsfähigen Serverprozessoren.
Genau hier zählt AMD seit Jahren zu den führenden Anbietern. Die EPYC-Prozessoren konkurrieren direkt mit Intels Xeon-Familie und profitieren unabhängig davon, welcher Hersteller letztlich die Grafikprozessoren liefert.
Das Unternehmen zeigt sich insbesondere von der kommenden Venice-Generation überzeugt. Die Prozessoren gehören zu den ersten Produkten auf Basis des modernen Zwei-Nanometer-Fertigungsverfahrens und stoßen bereits vor ihrer Markteinführung auf großes Interesse bei Großkunden.
Inzwischen stammen bereits 46,2 Prozent des Servermarktes aus dem CPU-Geschäft. Während GPU-Aufträge häufig projektbezogen vergeben werden und deutlichen Schwankungen unterliegen, sorgt das Prozessorgeschäft nach einer erfolgreichen Implementierung meist für langfristig stabile Umsätze. Sollten beide Geschäftsbereiche parallel wachsen, verfügt AMD künftig über zwei voneinander unabhängige Wachstumsmotoren.
Mögliche Stolpersteine
Trotz der positiven Perspektiven bestehen Risiken. Die Investmentthese hängt maßgeblich davon ab, dass die großen Cloud-Anbieter ihre milliardenschweren Investitionen in KI-Infrastruktur fortsetzen. Eine deutliche Abschwächung der Investitionsbereitschaft würde AMD besonders stark treffen.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist der erfolgreiche Produktionshochlauf der neuen Helios-Systeme noch vor Jahresende. Zwar berichtet das Management über gute Fortschritte bei Hardware, Software und Systemintegration sowie erste Auslieferungen der MI450-Serie an wichtige Kunden. Dennoch bleiben mögliche Engpässe bei modernen HBM-Speichern sowie allgemeine Umsetzungsrisiken wichtige Beobachtungspunkte.
Langfristig könnte außerdem die steigende Effizienz neuer KI-Modelle dazu führen, dass künftig weniger Hochleistungs-GPUs pro Anwendung benötigt werden. Bislang wird dieser Effekt jedoch durch das stark wachsende Gesamtvolumen mehr als ausgeglichen. Zudem sorgt das breit aufgestellte CPU-Geschäft für zusätzliche Stabilität.
Hohe Bewertung verlangt weiteres Wachstum
Unbestritten ist, dass AMD derzeit mit einem deutlichen Bewertungsaufschlag gehandelt wird. Gleichzeitig erwarten Analysten jedoch einen kräftigen Gewinnanstieg. Der Gewinn je Aktie soll von 6,64 US-Dollar im Jahr 2026 auf 14,45 US-Dollar im Jahr 2028 steigen. Parallel dazu wird ein Umsatzwachstum von 46,5 auf rund 85 Milliarden US-Dollar prognostiziert.
Sollte das CPU-Geschäft stärker wachsen als derzeit erwartet und sich die Kosten für HBM-Speicher im Zuge einer Normalisierung des Marktes reduzieren, könnten sowohl die Margen als auch die Gewinne zusätzlich profitieren. Unter diesen Voraussetzungen erscheint die aktuelle Bewertung trotz des hohen Kursniveaus weniger anspruchsvoll, als sie auf den ersten Blick wirkt.
AMD erfüllt inzwischen viele Merkmale eines klassischen Qualitätswachstumsunternehmens. Das Unternehmen verfügt über eine starke Marktposition, überzeugt mit einer dynamischen Geschäftsentwicklung und besitzt gleich mehrere Wachstumstreiber für die kommenden Jahre. Neben den neuen Helios-Systemen und der MI450-Plattform dürfte insbesondere das wachsende Serverprozessorgeschäft eine zentrale Rolle spielen.
Gelingt es AMD, beide Geschäftsbereiche parallel auszubauen, besitzt der Konzern das Potenzial, seine Marktstellung im KI-Zeitalter nachhaltig zu stärken. Trotz der hohen Bewertung sprechen die langfristigen Wachstumsaussichten weiterhin für eine positive Einschätzung der Aktie.
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AMD in Kürze
- Advanced Micro Devices (AMD) mit Hauptsitz in Santa Clara im US-Bundesstaat Kalifornien entwickelt und vertreibt Mikroprozessoren, Chipsätze und System-on-a-Chip-Lösungen.
- Eine eigene Fabrikationsstätte hat das Unternehmen seit der Ausgründung der eigentlichen Halbleiterherstellung im Jahr 2009 in Globalfoundries nicht mehr.
- AMD ist Mitglied in den US-Leitindizes Nasdaq 100 und S&P 500 und hat eine Marktkapitalisierung von rund 870 Milliarden US$.
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