Dividenden haben einen entscheidenden Vorteil: Man sieht sie. Das Geld landet auf dem Konto und lässt sich ausgeben, reinvestieren oder einfach als Erfolg verbuchen. Aktienrückkäufe wirken dagegen fast unsichtbar.
Trotzdem halte ich Rückkäufe langfristig häufig für den stärkeren Mechanismus der Kapitalrückführung. Zumindest dann, wenn ein gutes Unternehmen seine eigenen Aktien zu einem vernünftigen Preis zurückkauft.
Warum Dividenden so beliebt sind
Bei einer Dividende ist die Rechnung unmittelbar verständlich. Ein Unternehmen verdient Geld und überweist einen Teil davon an seine Eigentümer. Wer beispielsweise 100 Aktien besitzt und 10 Euro je Aktie erhält, hat anschließend 1.000 Euro mehr auf dem Konto.
Der Nachteil: Das Geld verlässt das Unternehmen endgültig und wird beim Anleger in Deutschland grundsätzlich besteuert, sofern keine entsprechenden Freibeträge greifen. Wer die Ausschüttung anschließend wieder investieren möchte, muss außerdem selbst aktiv werden.
Aktienrückkäufe funktionieren anders. Das Unternehmen verwendet sein überschüssiges Kapital, um eigene Aktien am Markt zu erwerben und idealerweise einzuziehen. Dadurch sinkt die Zahl der ausstehenden Anteilsscheine dauerhaft.
Weniger Aktien wirken auch Jahre später
Genau dieser dauerhafte Effekt gefällt mir. Verdient ein Unternehmen 1 Mrd. Euro bei 100 Mio. Aktien, entfallen 10 Euro Gewinn auf jeden Anteilsschein. Reduziert sich die Aktienzahl langfristig auf 80 Mio., sind es bei exakt demselben Gesamtgewinn bereits 12,50 Euro je Aktie.
Davon profitiert der Aktionär nicht nur im Jahr des Rückkaufs. Auch zukünftige Gewinne, Dividenden und Cashflows verteilen sich auf weniger Aktien. Der eigene Anteil am Unternehmen wird dadurch größer, ohne dass man selbst eine weitere Aktie kaufen muss.
Ein Unternehmen kann auf diese Weise sogar das Wachstum beim Gewinn je Aktie beschleunigen, obwohl der Konzerngewinn deutlich langsamer steigt.
Münchener Rück kombiniert beide Welten
Ein gutes Beispiel ist für mich die Münchener Rück (WKN: 843002). Für das Geschäftsjahr 2025 wurden 24 Euro Dividende je Aktie beschlossen. Gleichzeitig kauft der Rückversicherer bis zur Hauptversammlung 2027 eigene Aktien für bis zu 2,25 Mrd. Euro zurück – und diese Aktien sollen eingezogen werden.
Damit fließt ein Teil des Kapitals sofort sichtbar über die Dividende zurück. Ein anderer Teil arbeitet subtiler: Je mehr Aktien verschwinden, desto größer wird der Anteil jedes verbliebenen Anteilsscheins am zukünftigen Unternehmensgewinn. Genau diese Kombination gefällt mir besonders.
Rückkäufe sind trotzdem kein Selbstläufer
Damit komme ich zur entscheidenden Einschränkung. Ein Aktienrückkauf ist nur dann wertschaffend, wenn das Unternehmen keinen völlig überzogenen Preis für die eigenen Aktien bezahlt. Wer einen Euro Unternehmenswert für deutlich mehr als einen Euro zurückkauft, kann Aktionärskapital vernichten.
Deshalb würde ich Dividenden niemals grundsätzlich gegen Rückkäufe ausspielen. Dividenden liefern planbares Einkommen und zwingen das Management, Kapital tatsächlich an die Eigentümer zurückzugeben. Gute Rückkäufe können dagegen langfristig einen Hebel entfalten, dessen Wirkung wesentlich länger anhält.
Vielleicht sind Dividenden deshalb beliebter, weil wir sie sofort sehen. Aktienrückkäufe können jedoch über Jahre hinweg dafür sorgen, dass uns von einem Unternehmen immer ein kleines Stück mehr gehört.
Der Artikel Aktienrückkäufe vs. Dividenden: Warum eins beliebter, das andere besser ist ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.