Wer in den letzten zwei Jahren auf der Suche nach KI-Aktien war, landete häufig zuerst bei Nvidia. Ein frühes Investment in das Unternehmen war zweifellos auch eine kluge Entscheidung, wie wir heute wissen.
Doch der nächste Gewinnzyklus folgt einer anderen Logik. War der Boom bei Chips und Rechenzentren die erste Phase, gehört die zweite nun der Software, welche diese Infrastruktur erst wirklich wertvoll macht. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Chatbots, die Texte zusammenfassen. Im Fokus stehen heute Systeme, die eigenständig denken, planen und handeln – und zwar ohne, dass ein Mensch jeden einzelnen Schritt anstoßen muss.
Drei Unternehmen stehen genau an diesem Schnittpunkt. Alle drei sind klein genug, um noch nicht auf dem Radar jedes Großanlegers zu sein, aber bereits groß genug, um die nötige Infrastruktur für die nächste KI-Stufe zu liefern.
Was Agentic AI überhaupt ist, und warum es nicht beim Hype bleibt
Der Unterschied zwischen einem klassischen KI-Chatbot und einem sogenannten KI-Agenten ist fundamentaler, als er klingen mag. Während ein Chatbot lediglich auf Fragen antwortet, verfolgt ein Agent nämlich ein übergeordnetes Ziel. Er ruft eigenständig Tools auf, trifft Zwischenentscheidungen und überprüft seine Ergebnisse selbst. So schreibt er nicht mehr nur Texte, sondern wickelt ganze Geschäftsprozesse autonom ab.
Die wirtschaftliche Dynamik dahinter ist beeindruckend: Der Markt für Agentic AI wächst ausgehend von 7,3 Mrd. US-Dollar im Jahr 2025 auf prognostizierte 139,2 Mrd. US-Dollar bis 2034. Das entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von gut 40 %. Dabei handelt es sich nicht um eine ferne Vision auf dem Reißbrett. Gartner prognostiziert nämlich, dass bis Ende 2026 bereits 40 % der Enterprise-Anwendungen aufgabenspezifische KI-Agenten enthalten werden, verglichen mit weniger als 5 % im Jahr 2025. Das ist kein langsamer Wandel, sondern ein massiver Sprung, den man als Investor frühzeitig antizipieren sollte.
UiPath: Von der Automatisierung zur KI-Orchestrierung
UiPath (WKN: A3CND6) ist Insidern als Pionier der sogenannten Robotic Process Automation bekannt. Das Unternehmen hat jahrelang Software-Bots gebaut, die einfache, regelbasierte Aufgaben wie Dateneingabe oder Rechnungsverarbeitung automatisieren. Jetzt macht UiPath den nächsten Schritt und wird zur Plattform, die KI-Agenten von verschiedensten Anbietern koordiniert und steuert.
Der Schlüssel hierfür ist die Maestro-Plattform. Sie wurde speziell entwickelt, um komplexe, langlaufende Prozesse zu steuern und dabei Compliance sowie Prüfsicherheit zu gewährleisten. Was UiPath von der Konkurrenz unterscheidet: Das System verwaltet nämlich nicht nur hauseigene KI-Agenten, sondern fungiert als offene Zentrale für Lösungen von Drittanbietern. In einem Markt, in dem Unternehmen künftig Dutzende spezialisierte Agenten parallel einsetzen, ist diese Orchestrierung ohne Frage das entscheidende Puzzleteil.
Die jüngsten Zahlen belegen, dass dieser Strategiewechsel aufgeht. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erzielte UiPath einen Rekordumsatz von 481 Mio. US-Dollar. Damit übertraf das Unternehmen die allgemeinen Erwartungen der Analysten von 464,9 Mio. US-Dollar deutlich und wuchs im Jahresvergleich um 14 %. Der jährlich wiederkehrende Umsatz (ARR) kletterte auf 1,853 Mrd. US-Dollar – ein Plus von 11 %.
Besonders bemerkenswert: Das Unternehmen hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2026 erstmals die volle GAAP-Profitabilität erreicht. Dieser Erfolg wird direkt auf die massive Kundenakzeptanz der agentischen Automatisierung zurückgeführt.
Trotz dieser Dynamik ist die Bewertung bodenständig geblieben. UiPath wird derzeit mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von etwa 2,5 und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 gehandelt (Stand: 20.04.2026, maßgeblich für alle Angaben). Für einen Marktführer, der gerade den Sprung in die nachhaltige Profitabilität geschafft hat und ein massives Wachstumssegment anführt, bietet die Aktie aus meiner Sicht eine verlockende Einstiegsgelegenheit.
Datadog: Das Cockpit für jeden KI-Agenten
Kein Unternehmen der Welt wird Hunderte von KI-Agenten einsetzen und dabei blind vertrauen, dass alles funktioniert. Jemand muss nämlich überwachen, was diese Systeme tun, wo sie stocken und wo etwas schiefläuft. Datadog (WKN: A2PSFR) fungiert hier als die entscheidende Monitoring-Schicht.
Das Unternehmen hat sich von der Überwachung klassischer Cloud-Infrastruktur zu einer Plattform entwickelt, die vollständige Transparenz über KI-Workloads, Agenten und Anwendungen bietet. Je mehr KI-Agenten Unternehmen einsetzen, desto unverzichtbarer wird Datadog in diesem Umfeld.
Die jüngsten Zahlen untermauern diesen Trend. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2025 stieg der Umsatz um 29,2 % auf 953,19 Mio. US-Dollar und übertraf damit die Erwartungen deutlich. Das ARR-Wachstum lag im Jahresdurchschnitt bei 27,6 %, während die Bruttomarge bei starken 80 % verharrt. Die Rechnung ist dabei simpel: Wächst der KI-Einsatz in einem Unternehmen, wächst auch das Datadog-Budget fast automatisch mit.
Nach klassischen Maßstäben ist die Bewertung von Datadog mit eienm Kurs-Gewinn-Verhältnis von ca. 436 etwas abgehoben. Auch das Kurs-Umsatz-Verhältnis ist mit 12 fern von günstig. Ich gehe allerdings davon aus, dass das Umsatz- und Gewinnwachstum mittelfristig zunehmen wird. Damit würde sich diese optisch teure Bewertung recht schnell relativieren.
Snowflake: Die Datengrundlage, ohne die kein Agent funktioniert
KI-Agenten sind nur so gut wie die Daten, auf die sie zugreifen können. Snowflake (WKN: A2QB38) fungiert dabei als die zentrale Plattform, auf der Unternehmensdaten sicher gespeichert, verwaltet und für KI-Anwendungen bereitgestellt werden. Ohne diese Datenbasis fehlt jedem Agenten schlichtweg das Fundament für sinnvolle Ergebnisse.
Die jüngsten Geschäftszahlen unterstreichen diesen Stellenwert eindrucksvoll. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erhöhte sich der Produktumsatz auf 1,23 Mrd. US-Dollar. Das entspricht im Jahresvergleich einem Plus von 30 %. Noch deutlicher wuchsen die Remaining Performance Obligations (RPO), die mit einem Sprung um 42 % auf 9,77 Mrd. US-Dollar einen neuen Rekordwert erreichten. Besonders stabil zeigt sich die Kundenbindungsrate von 125 %, was belegt: Bestehende Kunden weiten ihre Nutzung Jahr für Jahr massiv aus.
Das Geschäftsmodell von Snowflake ist dabei konsumbasiert und funktioniert ähnlich wie ein Stromzähler. Wer mehr Daten verarbeitet und spezialisierte Agenten – wie etwa das neue „Snowflake Intelligence“ – betreibt, zahlt mehr. Damit wird das Unternehmen zum direkten Profiteur des KI-Booms, da steigende Workloads ohne neue Vertragsverhandlungen unmittelbar in höhere Umsätze fließen.
Was den Preis der Snowflake-Aktie angeht, scheiden sich die Geister. Das Unternehmen weist noch gar keinen Gewinn aus, weshalb man kein Kurs-Gewinn-Verhältnis ermitteln kann. Dafür liegt das Verhältnis zwischen Unternehmenswert und dem freien Cashflow bei rund 43 und bietet einen Vergleichsmaßstab.
Was diese drei Agentic AI Aktien verbindet
Die drei Konzerne agieren in der zweiten Reihe des KI-Booms, was sie für viele Anleger momentan fast unsichtbar macht. Dabei ist genau das der Punkt: Während sich die Märkte primär auf die klassischen Hardware-Ausrüster konzentriert haben, rücken nun jene Schichten in den Fokus, die den operativen Betrieb autonomer Systeme erst ermöglichen. In der jüngsten Korrekturwelle des Software-Sektors zeigten sich Titel wie Snowflake und Datadog als vergleichsweise robust, da ihre Geschäftsmodelle tief in der Unternehmensinfrastruktur verwurzelt sind.
UiPath, Datadog und Snowflake adressieren dabei jeweils ein spezifisches Glied der sogenannten Agentic-AI-Kette: die Steuerung, die Überwachung und das Datenfundament. Die Rollenverteilung ist klar verteilt: UiPath übernimmt mit seiner Maestro-Plattform die Orchestrierung der Agenten, während Datadog über seine LLM-Observability die Kontrolle der Arbeitsschritte sichert. Snowflake hingegen liefert die notwendige Datenbasis und untermauert diesen Status aktuell mit einem Rekord-Auftragsbestand von 9,77 Mrd. US-Dollar.
Wer auf die nächste Phase des KI-Zyklus setzen will, muss genau diese infrastrukturellen Schichten im Blick behalten.
Der Artikel Agentic AI: Die 3 Mid-Caps, die nach dem Hardware-Boom die Software-Milliarden einsammeln ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.