Nachdem die vorläufigen Zahlen des IT-Dienstleisters Adesso (WKN: A0Z23Q) schon bekannt waren, gab es bei den endgültigen Werten keine Überraschung mehr. Dennoch wollen wir die Chance nutzen, um die Adesso-Aktie fundamental zu betrachten.
Umsatz, Segmente und Länder: So läuft es bei Adesso
Trotz einer herausfordernden Konjunkturlage in Deutschland, wo Adesso 84 % seiner Einnahmen erzielt, konnten die Dortmunder den Umsatz um 14 % auf 1,47 Mrd. Euro steigern. Dieser Zuwachs erfolgte rein organisch, also ohne Übernahmen. Im zweiten und vierten Quartal 2025 haben zusätzliche Lizenzverkäufe im Versicherungsproduktgeschäft zur positiven Entwicklung beigetragen.
Das größte Segment mit einem Umsatzanteil von 16 % (231,2 Mio. Euro) bleibt Public, also Aufträge der öffentlichen Hand. Am stärksten legte das Gesundheitswesen mit 30 % auf 177,6 Mio. Euro zu. 19 % aller Umsätze stammen aus „Cross Industries“, also aus mehreren Bereichen, wo eine klare Zuordnung nicht möglich ist.
Die Umsätze mit Kunden in Deutschland konnten um 15 % gesteigert werden. In der Schweiz gab es hingegen einen Rückgang um 3 %, welcher den insgesamt dynamischen Umsatzzuwächsen in den übrigen Auslandsmärkten, vor allem in Österreich, in Italien und den Niederlanden, entgegensteht. Für 2026 zeichnet sich auch in der Schweiz eine Rückkehr auf den Wachstumspfad ab.
Was wir an der Adesso-Aktie besonders schätzen, ist die breite Streuung der Umsätze. Die zehn größten Kunden stehen für 22 % des Umsatzes, der größte Kunde allein für 3,4 %. Es gibt also kein Klumpenrisiko.
Adesso-Aktie: Deutlicher Gewinnsprung und 13. Dividendensteigerung
Das operative Ergebnis EBITDA wurde insgesamt um 30 % auf 123,6 Mio. Euro verbessert. Die EBITDA-Marge konnte 2025 weiter auf 8,4 % gesteigert werden, nachdem sie im Vorjahr noch 7,4 % betragen hatte. Diese Verbesserung ist auf eine insgesamt und insbesondere gegenüber dem ersten Halbjahr 2024 verbesserte Auslastung der eigenen Mitarbeiter zurückzuführen. Adesso stellt zwar weiterhin Personal ein, ist dabei aber inzwischen deutlich vorsichtiger geworden. Die durchschnittliche Anzahl Mitarbeiter (rechnerische Vollzeitstellen/FTE) erhöhte sich 2025 weiter unterproportional zum Umsatz um 8 % auf 10.841. Die FTE zum Jahresende stiegen gegenüber dem Vorjahr um 9 % auf 11.298 Mitarbeiter. 40 % dieses Zuwachses entfallen auf das Ausland und hier vornehmlich auf die SmartShore-Standorte.
Da die Personalkosten also weniger stark gestiegen sind als der Umsatz und auch die Abschreibungen nur um 8 % auf 73,0 Mio. Euro zulegten, konnte der Nettogewinn sehr deutlich auf 17,5 Mio. Euro nach 4,2 Mio. Euro im Vorjahr gesteigert werden. Der Gewinn pro Adesso-Aktie stieg von 41 Cent auf 2,83 Euro.
Die Aktionäre erhalten eine von 75 auf 78 Cent je Adesso-Aktie erhöhte Dividende – das ist die 13. Steigerung in Folge. Dieser Trend soll auch in Zukunft fortgesetzt werden.
Auffallend ist, dass der operative Cashflow mit 85,6 Mio. Euro (Vorjahr: 118,0 Mio. Euro) deutlich gesunken ist. Grund dafür ist ein höheres Working Capital, das per Jahresende 2025 mit 199,2 Mio. Euro um 28 % höher lag als ein Jahr zuvor. Laut Adesso-CFO Michael Knopp nutzen die Kunden Zahlungsfristen immer mehr aus, sodass Adesso die Einnahmen erst später erhält. Zum 31.12.2025 verfügten die Dortmunder über liquide Mittel in Höhe von 84,6 Mio. Euro. Die Netto-Verschuldung erhöhte sich aufgrund des höheren Vorfinanzierungsbedarfs des operativen Geschäfts 2025 von 46,6 auf 73,7 Mio. Euro.
Der fundamentale Ausblick für die Adesso-Aktie
Für 2026 erwartet das Management ein weiterhin schwieriges Umfeld mit einer schwachen Konjunktur. Da die Digitalisierung ein Dauerthema bleibt, prognostiziert Adesso für das laufende Jahr einen etwa 10 % höheren Umsatz zwischen 1,6 und 1,7 Mrd. Euro. Das EBITDA soll dabei auf 130 bis 150 Mio. Euro gesteigert werden, also etwa 5 bis 20 % mehr. Die EBITDA-Marge wird dabei etwas höher als 8,4 % erwartet, soll aber langfristig auf 11 bis 13 % steigen.
Das „Sondervermögen“ der Bundesregierung hatte 2025 überhaupt keine Auswirkungen. Seit Anfang 2026 kommt das Thema langsam ins Rollen; es gibt inzwischen vermehrt Ausschreibungen. Dennoch werden die Umsätze insgesamt wohl nicht so groß ausfallen, wie man ursprünglich mal erwartet hatte.
Zum Thema Künstliche Intelligenz sagte CFO Knopp, dass Adesso zu den Profiteuren gehört. Viele Kunden arbeiten noch mit „Legacy-Systemen“, die 30 oder mehr Jahre alt sind und nicht mehr den heutigen Ansprüchen genügen. Eine Modernisierung oder gar ein kompletter Austausch sind bislang nicht bezahlbar. Das könnte sich durch KI ändern, weil sie genau in diesen Themen unterstützen kann. Für Adesso bedeutet das, dass Projekte schneller und kürzer werden und insgesamt weniger Einnahmen bringen. Zugleich aber werden mehr Projekte erwartet, da mit KI Dinge möglich werden, die vorher undenkbar waren. Das wäre eine Entwicklung, die man schon in der Vergangenheit bei IT-Anwendungen gesehen hat; man denke hier nur an das Internet.
Unser Fazit zur Adesso-Aktie
Adesso hat nach einigen mageren Jahren 2025 wieder zurück in die Spur gefunden. Die Zukunft sieht gut aus und der Aktienkurs deutlich unter 60 Euro ist aus unserer Sicht viel zu stark von der Angst vor KI abgestraft worden. Die Adesso-Aktie ist für uns derzeit sehr attraktiv.
Der Artikel Adesso-Aktie: Bei Kursen von 60 Euro unterbewertet? ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.