Die Accenture-Aktie schoss gestern um +16% in die Höhe auf den höchsten Stand seit sechs Monaten. Innerhalb von zwei Monaten konnte der IT-Dienstleister damit um +60% zulegen. Was steckt hinter der hervorragenden Performance von Accenture und kann sie denn noch weitergehen?
Mit diesen Zahlen hat niemand gerechnet
Grund für den gestrigen Kurssprung der Accenture-Aktie war die Vorlage der Zahlen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 25/26, das bis Ende August lief. Sie fielen überraschend stark aus und auch der Ausblick auf das neue GJ 26/27 war besser als erwartet.
Im Schlussquartal des vergangenen GJ stieg der Umsatz um ca. 6% gegenüber dem Vorjahr auf 18,68 Milliarden US$. Analysten hatten im Vorfeld nur 17,70 Milliarden US$ auf dem Zettel. Besonders positiv zu werten ist, dass sowohl der Geschäftsbereich Managed Services (+7%) als auch der Bereich Consulting (+6%) wuchsen.
Ebenso erfreulich entwickelte sich im abgelaufenen Vierteljahr der Gewinn. Die EPS legten im Jahresvergleich um 46% zu und übertrafen mit 3,29 US$ die Markterwartung von 3,18 US$.
Besonders positiv dürfte die Börse die Information aufgenommen haben, dass Accenture im vierten Quartal des letzten GJ neue Aufträge in Höhe von 22,17 Milliarden US$ gewinnen konnte, das sind 4% mehr als im Vorjahr. Mit 141 Kundenaufträgen im Wert von über 100 Millionen US$ stellte die IT-Beratung sogar einen neuen Rekord auf.
Die Book-to-Bill-Ratio lag demnach bei 1,2. Diese Kennzahl signalisiert, dass Unternehmen weiterhin große Summen für IT, Digitalisierung und KI-Projekte ausgeben.
Und auch nicht mit diesem Ausblick
Und auch mit dem Ausblick sorgte Accenture für gute Laune an der Börse. Im Anfang September begonnenen Geschäftsjahr erwartet der Konzern ein Umsatzwachstum zwischen 3 und 6%. Analysten hatten bislang mit einem Wachstum von 3,9% gerechnet.
Eine deutlich überproportionale Steigerung erwartet sich Accenture beim Gewinn. Das Management peilt ein EPS-Wachstum von 6 bis 9% an.
Aktionäre dürfen sich bei der IT-Beratung weiterhin auf eine sehr aktionärsfreundliche Ausschüttungspolitik freuen. Mindestens 9,5 Milliarden US$ an Kapital will Accenture im laufenden Jahr an seine Anteilseigner zurückführen.
Massive Trendwende
Nachdem die Accenture-Aktie Ende Juni auf ein neues 8-Jahrestief gefallen war, schaffte sie in den darauffolgenden Woche eine massive Trendwende. Gestern ging sie auf dem höchsten Stand seit Anfang März aus dem Handel. Der nächste wichtige Widerstand wartet bei 234 US$.
Das Narrativ wurde widerlegt
Ich habe Anlegern Mitte Juni beim 8-Jahrestief von 128 US$ geraten, in die Accenture-Aktie einzusteigen. Seitdem hat der Kurs um +66% zugelegt. Ich fühle mich deshalb in meiner damaligen Analyse und Kaufempfehlung bestätigt.
Die Accenture-Aktie gehörte in der ersten Jahreshälfte zu den größten Verlierern der gesamten Technologiebranche. Die Aktie litt unter dem Narrativ, dass der Einsatz von KI sehr schnell das Geschäftsmodell von IT-Beratungen strukturell schädigen würde. Mit seinen Zahlen und Prognosen hat Accenture dieses Narrativ bis auf Weiteres widerlegt. Inzwischen scheint sich an der Börse die Meinung durchzusetzen, dass KI eher ein zusätzliches Geschäftsfeld für Accenture wird.
Ich vertrete diese Meinung schon seit längeren. Für die Automatisierung der meisten Unternehmensprozesse gibt es keinen vorgefertigten Prompt für ein KI-Modell. Sie sind in der Regel so komplex und ein Zusammenspiel so vieler Faktoren und Systeme, dass eine Beratungsleistung unerlässlich ist.
Das Knowhow von Accenture lässt sich nicht heute und auch nicht morgen durch KI-Modelle ersetzen. Dazu ist es viel zu groß und die Unternehmenswelt viel zu kompliziert.
Das Erstaunliche ist, dass Accenture ja keineswegs weltbewegende Zahlen oder Prognosen vorgelegt hat. Sie waren lediglich ein wenig besser als die Markterwartungen. Und trotzdem reichte es für einen Jubelsturm an der Börse. Dieser Sturm der Begeisterung liegt darin begründet, dass Accenture mit dem heutigen Tage von der Börse nicht mehr als KI-Verlierer gesehen wird.
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Nach dem gestrigen Kurssprung und der zuletzt schon sehr guten Performance sehe ich allerdings nicht mehr viel Upside für die Accenture-Aktie. Mit einem Forward-KGV von 12 ist sie für ein nur noch sehr schwach wachsendes Unternehmen mit einer nicht besonders hohen operativen Marge von knapp über 15% bereits recht ambitioniert bewertet.
Für Dividendenanleger ist die Accenture-Aktie allerdings immer noch ein interessanter Pick. Sie kombiniert eine recht attraktive Dividendenrendite von 3,4% mit einem langfristig zweistelligen Dividendenwachstum.
Accenture in Kürze
- Accenture plc (WKN: A0YAQA) ist das weltweit größte Beratungsunternehmen für Management-, Strategie- und Technologiedienstleistungen.
- Das Unternehmen mit offiziellem Rechtssitz in Dublin und operativer Hauptzentrale in New York beschäftigt weltweit über 750.000 Mitarbeiter und bedient Kunden in mehr als 120 Ländern – darunter fast die gesamte Riege der globalen Fortune 500-Großkonzerne.
- Accenture berät Unternehmen nicht nur strategisch, sondern entwickelt und implementiert auch selbst die notwendigen technologischen Lösungen (Software, IT-Infrastruktur).
- Accenture ist Mitglied im S&P 500-Index und aktuell ca. 130 Milliarden US$ wert.
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