Japan verfügt über den zweitmächtigsten Reisepass der Welt, der visumfreien Zugang zu 190 Reisezielen ermöglicht.

Dennoch besitzen nur 17,5 % der Bevölkerung einen Reisepass, was Fragen aufwirft, warum so wenige japanische Bürger die globale Mobilität nutzen.

Diese Zahl, basierend auf Daten vom Dezember 2024, entspricht lediglich 21,6 Millionen im Umlauf befindlichen Reisepässen.

Trotz einer stetigen Erholung des Auslandsreiseverkehrs nach der COVID-19-Pandemie ist der Anteil der japanischen Bevölkerung mit Reisepass deutlich niedriger als in anderen Industrieländern.

Die Vereinigten Staaten beispielsweise haben über 50 % ihrer Bevölkerung mit gültigen Reisepässen, gegenüber nur 5 % im Jahr 1990.

Diese Diskrepanz verdeutlicht Japans einzigartige Reisetrends, bei denen Faktoren wie ein abwertender Yen, eine Vorliebe für Inlandstourismus und wirtschaftliche Bedenken die internationalen Reisemuster neu gestaltet haben.

Obwohl Japan rekordverdächtig viele ausländische Touristen empfängt, bleiben seine Bürger in größerer Zahl als zuvor zu Hause.

Warum reisen so wenige Japaner ins Ausland?

Die Zurückhaltung japanischer Bürger bei der Beantragung von Reisepässen beruht auf einer Kombination aus wirtschaftlichen, kulturellen und historischen Faktoren. Ein Hauptgrund ist Japans florierende inländische Tourismusbranche.

Das Land bietet erstklassige Reiseziele, darunter Kyoto, Okinawa und Hokkaido, die nach der Pandemie einen Wiederaufschwung im Inlandstourismus verzeichnet haben.

Die anhaltende Schwäche des Yen – der in den letzten fünf Jahren fast ein Drittel seines Wertes verloren hat – hat internationale Reisen deutlich verteuert.

In Verbindung mit steigender Inflation und stagnierenden Löhnen haben diese finanziellen Hürden Auslandsreisen erschwert.

Ein weiterer Faktor ist Japans langjährige Arbeitskultur.

Im Gegensatz zu vielen westlichen Ländern, die längere Urlaubszeiten priorisieren, bietet Japans anspruchsvoller Arbeitsmarkt nur begrenzte Freizeit, was Fernreisen weniger praktikabel macht.

Viele Angestellte zögern, längere Urlaube zu nehmen, was den Anreiz, einen Reisepass zu besitzen, weiter verringert.

Die Erholung des Reiseverkehrs verläuft weiterhin schleppend.

Obwohl die internationalen Reisen aus Japan allmählich wieder zunehmen, liegen sie immer noch unter dem Niveau vor der Pandemie. Im Jahr 2019 reisten über 20 Millionen japanische Bürger ins Ausland.

Die Auswirkungen der Pandemie auf das Reiseverhalten sind weiterhin spürbar. Während des Höhepunkts der COVID-19-Beschränkungen hielten strenge Grenzkontrollen und Quarantänebestimmungen viele japanische Bürger von Auslandsreisen ab.

Obwohl diese Beschränkungen aufgehoben wurden, haben die Verlagerung hin zum Inlandstourismus und die Sorgen um die wirtschaftliche Stabilität die Erholung verlangsamt.

Ausländischer Tourismus boomt, während Japaner zu Hause bleiben

Ironischerweise ist die Zahl der Japaner, die ins Ausland reisen, zwar gesunken, der Incoming-Tourismus nach Japan hat jedoch Rekordhöhen erreicht.

Mehr als 36 Millionen ausländische Besucher kamen im vergangenen Jahr ins Land, angezogen von Japans einzigartigem kulturellen Erbe, der fortschrittlichen Infrastruktur und den günstigen Wechselkursen, die Reisen für internationale Touristen erschwinglicher machen.

Dieser Zustrom hat wichtige Tourismuszentren wie Tokio, Osaka und Kyoto wiederbelebt und dem Gastgewerbe dringend benötigte Einnahmen beschert.

Es unterstreicht auch den Kontrast zwischen Japans globaler Anziehungskraft und der Zurückhaltung seiner Bürger, über die eigenen Grenzen hinauszublicken.

Angesichts der Volatilität des Yen und der wirtschaftlichen Unsicherheit, die sich auf die Reiseentscheidungen auswirken, bleibt der japanische Auslandsreisemarkt verhalten.

Auch wenn der Passbesitz mit einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage steigen könnte, bleibt Japan vorerst ein Land, in dem erstklassige Reisedokumente untergenutzt werden.

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