
Die jüngsten Ängste vor einer Rezession in den USA wurden durch einen enttäuschenden Beschäftigungsbericht genährt, der eine heftige Verkaufswelle an den globalen Märkten auslöste.
Zwar haben sich die Märkte teilweise erholt, die Sorgen hinsichtlich der weiteren Konjunkturentwicklung bestehen jedoch weiterhin.
Experten meinen jedoch, dass diese Rezessionsängste möglicherweise übertrieben sind.
Hier ist ein genauerer Blick auf die aktuelle Wirtschaftslandschaft und die Ansichten von Experten zum Potenzial für einen Abschwung.
Analyse der Jobdaten
Der jüngste US-Arbeitsmarktbericht hat Warnsignale ausgelöst: Er weist auf ein schwaches Beschäftigungswachstum und einen leichten Anstieg der Arbeitslosenquote hin.
Goldman Sachs glaubt allerdings, dass die Sorgen übertrieben sein könnten.
David Mericle, Chefvolkswirt für die USA bei Goldman Sachs, führt die Verlangsamung des Beschäftigungswachstums auf vorübergehende Faktoren wie wetterbedingte Ausfälle und eine Zunahme vorübergehender Entlassungen zurück.
In der Folge von Goldman Sachs Exchanges vom 6. August betonte Mericle, dass der Gesamttrend trotz der jüngsten Schwankungen auf eine stabile Schaffungsrate von etwa 150.000 Arbeitsplätzen pro Monat hindeute.
Er warnte davor, auf Grundlage der Daten eines einzelnen Monats überzureagieren und merkte an, dass es sich bei der gegenwärtigen Situation, sofern es keinen bedeutenden wirtschaftlichen Schock gebe, eher um eine „Verlangsamung“ als um eine ausgewachsene Rezession zu handeln scheine.
Auslöser der Rezession bleiben aus
In der Vergangenheit wurden Rezessionen immer durch spezifische wirtschaftliche Schocks ausgelöst, etwa einen Anstieg der Ölpreise, eine Spekulationsblase oder Überschuldung.
Laut Commerzbank ist derzeit keiner dieser Auslöser gegeben. Die Öl- und Erdgaspreise sind zuletzt gesunken, und die Energieausgaben bleiben im historischen Vergleich niedrig.
Was die Vermögensmärkte betrifft, so kam es zwar in letzter Zeit zu Korrekturen, die Aktienmärkte verharren jedoch in der Nähe ihrer Höchststände und die Immobilienpreise sind im vergangenen Jahr gestiegen.
Die Bank weist darauf hin, dass es eines erheblichen und nachhaltigen Rückgangs der Vermögenspreise bedarf, um eine Rezession auszulösen, was derzeit jedoch unwahrscheinlich erscheint.
Was die Schulden betrifft, ist die Verschuldung der privaten Haushalte als Prozentsatz des BIP seit ihrem Höchststand im Jahr 2008 zurückgegangen und liegt nun bei 71 Prozent. Die Unternehmensschulden, die während der COVID-19-Pandemie gestiegen waren, haben sich bei rund 75 Prozent des BIP stabilisiert.
Die Commerzbank kommt zu dem Schluss, dass zwar einige Ungleichgewichte bestehen, diese jedoch nicht so weit verbreitet sind, dass sie eine erhebliche Gefahr für die Gesamtwirtschaft darstellen würden.
Zinssenkungen der Federal Reserve: Überfällig oder nicht?
Ein Faktor, der zur Volatilität der Märkte beiträgt, ist die Überzeugung, dass die Federal Reserve mit der ausbleibenden Zinssenkung bei ihrer Juli-Sitzung hinterherhinkt.
Historisch gesehen folgten in den USA starke Zinserhöhungen auf Rezessionen.
Die Fed erhöhte die Zinsen zwischen März 2022 und Juli 2023 um 525 Basispunkte.
Chris Hyzy, Chief Investment Officer bei Merrill und Bank of America Private Bank, meint, dass die Fed die Zinsen eher auf der Grundlage von Inflations- und Beschäftigungstrends als aufgrund von Rezessionsängsten anpasst.
Er rechnet damit, dass es schon bald zu deutlichen Kürzungen kommen könnte, und die Terminmärkte deuten darauf hin, dass eine Kürzung um 50 Basispunkte im September mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit erfolgt.
Die Commerzbank weist darauf hin, dass der Realzins derzeit über seinem neutralen Niveau liege, was potenziell eine Rezession auslösen könne.
Ähnliche Bedingungen in den Jahren 1984 und 1995 führten jedoch nicht zu Rezessionen.
Die Bank weist auch darauf hin, dass die Geldpolitik allein nicht ausreiche, um eine Rezession vorherzusagen; andere Faktoren wie langfristige Renditen und Vermögenspreise spielten ebenfalls eine entscheidende Rolle.
Expertenkonsens: Rezessionsängste übertrieben
Insgesamt sind sich die Experten einig, dass trotz einiger Warnsignale, wie etwa des Sahm-Regel-Indikators, eine Rezession unwahrscheinlich ist.
Stattdessen dürfte die US-Wirtschaft in den kommenden Quartalen langsamer wachsen als im langfristigen Durchschnitt.
Günstige Finanzierungsbedingungen und eine wahrscheinliche Abschwächung der Zinssenkungen stützen diesen optimistischen Ausblick.
Anlegern wird geraten, sich auf kurzfristige Marktschwankungen vorzubereiten, impulsive Reaktionen auf Schlagzeilen zu vermeiden, auf Diversifizierung zu achten und Marktschwächen als Gelegenheiten zur strategischen Verbesserung ihrer Portfolios zu betrachten.
Zwar bestehen weiterhin wirtschaftliche Unsicherheiten, doch aktuelle Daten und Expertenanalysen deuten darauf hin, dass die Befürchtungen einer drohenden Rezession in den USA möglicherweise übertrieben sind.
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