Japanese yen

Der Montag brachte für Anleger unerfreuliche Nachrichten: Der japanische Aktienmarkt erlebte einen deutlichen Absturz. Die Hauptursache? Der Yen-Carry-Trade, eine beliebte, aber riskante Finanzstrategie.

Beim Yen-Carry-Trade wird in Japan zu niedrigen Zinsen Geld geliehen und in Märkten mit höheren Renditen, wie zum Beispiel den USA, investiert.

Der Gewinn ergibt sich aus der Differenz zwischen den niedrigen Kreditkosten und der höheren Anlagerendite.

Allerdings ist diese Strategie auch mit gewissen Risiken verbunden, insbesondere wenn es zu plötzlichen Marktveränderungen kommt, die das Schließen offener Positionen erschweren.

Die Entscheidung der japanischen Zentralbank in dieser Woche, die Zinsen anzuheben, hat genau ein solches Szenario ausgelöst.

Was ist der Yen-Carry-Trade?

Stellen Sie sich zur Veranschaulichung vor, Sie leihen sich 1 Million Yen von der Bank von Japan zu einem Zinssatz von 0,1 %.

Diese Mittel wandeln Sie dann in US-Dollar um und investieren sie auf dem US-Markt, wo Sie jährlich etwa 5,5 % verdienen können.

Am Ende des Jahres wandeln Sie Ihren Gewinn wieder in Yen um, zahlen das ursprüngliche Darlehen zuzüglich 0,1 % Zinsen zurück und stecken die Differenz in Ihre Tasche.

Diese Strategie funktioniert, solange die Bank von Japan die Zinssätze niedrig und stabil hält und es den Händlern so ermöglicht, ohne Bedenken in Märkte mit höheren Renditen zu investieren.

Wenn jedoch die Zinsen in Japan steigen, wird der Carry Trade problematisch.

Die aktuelle Krise verstehen

Im vergangenen Monat erreichte der US-Dollar gegenüber dem Yen einen historischen Höchststand.

Um den Yen zu schützen, erhöhte die Bank von Japan den Zinssatz von 0,1 % auf 0,25 %.

Dieser Schritt führte zu einer Stärkung des Yen gegenüber dem Dollar und stellte für Carry-Trade-Händler ein erhebliches Problem dar.

Würden sie ihre ausländischen Vermögenswerte verkaufen und den Erlös wieder in Yen umwandeln, würden sie weit weniger Yen erhalten als erwartet. Ihre Vermögenswerte würden in Yen gerechnet entwerten und es kämen Nachschussforderungen zustande.

Um diesen Nachschussforderungen nachzukommen, standen die Händler vor zwei Alternativen: Sie konnten entweder ihre ausländischen Vermögenswerte verkaufen oder sich zum neuen, höheren Zinssatz mehr Yen leihen und diese zu einem weniger günstigen Wechselkurs in US-Dollar umtauschen.

Viele entschieden sich für den Verkauf ihrer Vermögenswerte, was zur Abwicklung des Yen-Carry-Trades führte, was wiederum zur gegenwärtigen Marktvolatilität beiträgt.

Die plötzliche Abwicklung des Yen-Carry-Trades hat Schockwellen durch die globalen Märkte geschickt.

Die einzige Möglichkeit, die Situation zu stabilisieren, besteht in einer Abwertung des Yen. Da die Händler jedoch eifrig versuchen, mehr Yen zu kaufen, um ihre Positionen zu schließen, bleibt die Währung stark.

Es wird erwartet, dass diese turbulente Situation anhält und zu anhaltender Volatilität auf den Finanzmärkten weltweit führt.

Die endgültige Lösung bleibt ungewiss, da sie davon abhängt, ob Regierungen oder der Devisenmarkt wirksam eingreifen können, um den Wert des Yen zu senken.

Der Yen-Carry-Trade ist unter stabilen Bedingungen zwar profitabel, aufgrund der jüngsten Zinsänderungen der japanischen Notenbank ist er jedoch zu einer bedeutenden Quelle der Marktinstabilität geworden.

Anleger und Händler müssen sich nun in diesem schwierigen Umfeld zurechtfinden, da die globalen Märkte auf die plötzlichen Schwankungen der Währungswerte reagieren.

Angesichts dieses Finanzdramas ist die wichtigste Erkenntnis, dass die Abhängigkeit von geliehenen Mitteln mit Risiken verbunden ist und dass es wichtig ist, die Politik der Notenbanken aufmerksam zu beobachten.

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