Die Aktie von Brenntag (WKN: A1DAHH) verbessert sich um +3,1% und notiert aktuell bei knapp 70,50 €. Damit ignoriert sie die am Mittwoch präsentierten schlechteren Halbjahreswerte. Der Rückgang seit dem Hoch im Mai bei rund 76,50 € beträgt insgesamt rund -8%. Ist der Titel mit dem jetzigen Kursniveau fair bewertet?

ℹ Brenntag vorgestellt

Die in Essen ansässige Brenntag SE ist Weltmarktführer in der Distribution von Chemikalien und Inhaltsstoffen. Sie ist die Dachgesellschaft und übernimmt die Steuerung der Brenntag-Group. Der Konzern bietet seinen Kunden als Zwischenhändler eine bedarfsgerechte Kommissionierung an. Der Chemie-Distributor ist mit rund 600 Standorten in 72 Ländern vertreten. Die Marktkapitalisierung beträgt 10,8 Milliarden €.

Halbjahreszahlen schwächer ausgefallen

Die rückläufige Geschäftsentwicklung des ersten Quartals hat sich im zweiten Quartal verstärkt. Hier nahm die Nachfrage deutlich ab, was sich besonders bei der Ertragslage im Halbjahresbericht negativ auswirkte.

Der Umsatz in den ersten sechs Monaten reduzierte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7,6% auf 8,78 Milliarden €. Der Nachfragerückgang war in beiden Sparten zu verzeichnen, im Segment Spezialties war er jedoch deutlich höher als bei den Essentials.

Der Rückgang beim Ertrag fiel deutlicher höher aus als beim Umsatz. Das operative EBITA sank um knapp 20% auf 677,3 Millionen €. Auch hier basierte der Rückgang überwiegend auf der Sparte Spezialties, das EBITA sank hier um 29,4% auf 297,7 Millionen €. Unterm Strich verblieb ein Konzerngewinn von 406 Millionen € – ein Jahr zuvor waren es noch 548 Millionen €.

Obwohl der Rückgang im Vergleich zum Vorjahr erheblich ist, ist zu beachten, dass die damaligen Zahlen extrem gut waren. Somit sind die Rückgänge zu relativieren.

Prognose angepasst

Das Essener Unternehmen geht weiterhin von einer angespannten Situation weltweit aus. Zusammen mit einer hohen Inflation dürfte im zweiten Halbjahr mit keiner wesentlichen Erholung zu rechnen sein. Höhere Absatzpreise lassen sich am Markt nicht durchsetzen.

Daher wurde die bisherige Prognose am oberen Ende angepasst. Statt eines operativen Gewinns von 1,6 bis 1,8 Milliarden € wird jetzt mit einem Ergebnis zwischen 1,6 und 1,7 Milliarden € gerechnet.

Unternehmenschef Christian Kohlpaintner erwartet eine Nachfragebelebung:

Vor dem Hintergrund der seit Jahresbeginn zu beobachtenden sequenziellen Mengenerholung sowie der Anzeichen, dass die Talsohle der Bestandskontrollmaßnahmen auf Kundenseite durchschritten ist, sind wir zuversichtlich, dass die Absatzmengen in der zweiten Jahreshälfte 2023 höher sein werden als in den ersten sechs Monaten.

Sparten als eigenständige Divisionen geführt

Schon länger drängen die aktivistischen Investoren Primestone und Engine Capital darauf, dass der Konzern in zwei Teile zerlegt wird. Durch diesen Schritt würde eine höhere Unternehmensbewertung erreicht. Bisher hatte das Management diesen Schritt abgelehnt.

Jetzt sollen die beiden Sparten jedoch eigenständiger werden. Hierzu erhält jede eine eigene Führungsstruktur. Der Gesamtvorstand wurde von fünf auf vier Mitglieder reduziert. Neben dem CEO und dem CFO sind die jeweiligen Geschäftsführer der Sparten im Gesamtvorstand.

Dieser Schritt könnte als Entgegenkommen an die aktivistischen Investoren gewertet werden. Eine Aufspaltung steht derzeit nicht an.

Wie geht es mit der Aktie weiter?

Der jüngste Kursrückgang ist positiv zu werten. Hierdurch wurde viel Druck aus der Aktie genommen und schafft wieder Spielraum für neue Kursanstiege. Allerdings dürfte das Potenzial meiner Meinung nach begrenzt sein, ich gehe vorläufig von einer Seitwärtsbewegung aus. Sobald erste Anzeichen einer Nachfragebelebung auftreten, dürften Kurse von 77 € und mehr möglich sein.

Die Analysten sind sich vollkommen uneinig, Baader Bank erwartet einen Zielkurs von 99 €, JPMorgan hält die Aktie momentan für überbewertet und geht von einem Rückgang auf 66 € aus. UBS mit 82,50 € und Jefferies mit 73 € liegen dazwischen.

Mein Fazit: Solange keine Marktbelebung eintritt, besitzt die Aktie kein größeres Potenzial. Anleger sollten daher vorerst abwarten.

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